Wasser aus einem öffentlichen Leitungsnetz, Boden von einer ehemaligen Industriefläche oder eine Probe aus einem Gebäude mit Schadstoffverdacht: Was im Fürther Labor des Analytik Instituts Rietzler untersucht wird, kann weitreichende Folgen haben. 104 Beschäftigte arbeiten nach Angaben des Unternehmens in der Dieter-Streng-Straße. Für die Rietzler Gruppe ist Fürth inzwischen der wichtigste Standort ihrer Umweltanalytik. In diesem Jahr blickt das Unternehmen zugleich auf sein 40-jähriges Bestehen zurück.
Dabei begann die Geschichte deutlich kleiner. 1986 startete Johann Rietzler mit einem eigenen Labor. Vier Jahrzehnte später ist daraus eine Unternehmensgruppe mit mehr als 350 Beschäftigten geworden. Das Jubiläum wurde auf Gut Wolfgangshof in Zirndorf gefeiert, mit rund 130 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.
Fürth gehörte keineswegs von Anfang an zum Plan. Als ein neuer Standort gesucht wurde, wäre das Unternehmen eigentlich lieber in Nürnberg geblieben, wie eine Firmensprecherin gegenüber Fürth Aktuell erklärte. Dort habe sich jedoch kein geeignetes Grundstück gefunden. Anders in Fürth: Das Unternehmen berichtet von kurzen Wegen, schneller Unterstützung und guten Erfahrungen mit der Wirtschaftsförderung. 2019 ging schließlich das neue Laborgebäude in der Dieter-Streng-Straße in Betrieb. In Fürth sei man mit offenen Armen empfangen worden.
Seither hat sich Fürth zum größten und nach Angaben des Unternehmens modernsten Analytik-Standort entwickelt. Hier befindet sich auch die operative Unternehmenszentrale des Analytik Instituts Rietzler. Davon zu unterscheiden ist die Rietzler Gruppe GmbH, deren Sitz weiterhin in Nürnberg liegt.
Im Labor geht es um Stoffe, die teilweise mit bloßem Auge nicht zu erkennen und nur in äußerst geringen Konzentrationen vorhanden sind. Analysiert werden unter anderem Trinkwasser, Böden, Recyclingmaterialien und Innenraumproben. Hinzu kommen Untersuchungen auf PFAS, Pestizide und Arzneimittelwirkstoffe. Auch eine Emissionsmessstelle gehört zum Fürther Standort. Nur die mikrobiologischen und landwirtschaftlichen Untersuchungen des Instituts finden nicht dort statt.
Zu den Kunden zählen Wasserversorger aus ganz Bayern, Kommunen und öffentliche Einrichtungen, Industrieunternehmen, die Bauwirtschaft und Gebäudeverwaltungen. Auch Ingenieurbüros, Gutachter und andere Labore lassen Proben untersuchen. Ein großer Teil der Aufträge entsteht nicht freiwillig, sondern aufgrund gesetzlicher Anforderungen, etwa bei der Kontrolle von Trinkwasser oder im Bodenschutz.
Die Bedeutung solcher Untersuchungen zeigt sich besonders dann, wenn Ergebnisse schnell gebraucht werden. Bei einem Schadensfall können Proben kurzfristig ausgewertet werden. Auch bei Problemen mit der Trinkwasserqualität ist die Zeit zwischen Probenahme, Analyse und Ergebnis entscheidend. Das Unternehmen sieht deshalb einen Vorteil darin, entsprechende Laborkapazitäten unmittelbar in der Region vorzuhalten.
Gleichzeitig verändert sich das Geschäft. Nach Angaben von Rietzler ist die Nachfrage nach Umweltanalytik konstant bis steigend. Neue Grenzwerte und zusätzliche Untersuchungsanforderungen erweitern das Aufgabengebiet. Zu den Themen, die derzeit besonders häufig auftreten, gehören PFAS (eine Gruppe besonders langlebiger Industriechemikalien, die häufig als ‹Ewigkeitschemikalien› bezeichnet werden), die Hygiene von Trinkwasser und Schadstoffe in älteren Gebäuden. Der Rückbau früherer Industrieflächen führt ebenfalls zu Untersuchungen, etwa auf Asbest und weitere problematische Stoffe.
Auch technisch entwickelt sich der Standort weiter. Neue Analyseverfahren werden eingeführt, Anlagen erneuert und Prozesse stärker automatisiert und digitalisiert. Nach Unternehmensangaben wurde zudem die Photovoltaik erweitert. Ein Energiemanagement soll aufgebaut, die Energieversorgung weiter optimiert und der Außendienst zunehmend elektrifiziert werden. Zusätzliche Laborkapazitäten plant das Unternehmen außerdem in Ansbach.
Dass die Unternehmensgruppe über die Region hinaus gewachsen ist, wurde 2025 auch vom Bayerischen Wirtschaftsministerium gewürdigt. Rietzler gehörte zu den Unternehmen, die mit «Bayerns Best 50» ausgezeichnet wurden. Für das Unternehmen sei der Preis kein Grund, sich auf dem Erreichten auszuruhen, sondern ein Ansporn für die weitere Entwicklung.
Geschäftsführer Arthur Hofmann und Standortleiter Stephan Fahrmayr beschreiben die Verantwortung des Fürther Labors gegenüber Fürth Aktuell so: «Auf Basis unserer Analysenberichte werden Entscheidungen in Millionenhöhe getroffen, von der Trinkwasserversorgung bis zur Sanierung ganzer Industrieflächen. Diese Verantwortung tragen wir seit Jahrzehnten gern, mit einem Team, das Präzision und Verlässlichkeit jeden Tag lebt. Das Jubiläum ist für uns vor allem ein Dank an unsere Kunden und an unsere Mitarbeitenden.»
Unter den Gastrednern bei der Jubiläumsfeier waren Nürnbergs Wirtschafts- und Wissenschaftsreferentin Andrea Heilmaier, Christine Sparvoli-Frank vom IHK-Gremium Nürnberg und Katharina Schulze, Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag. Michael Sterner von der OTH Regensburg beschäftigte sich in seinem Vortrag mit den Herausforderungen der Energie- und Wärmewende.

