Es war laut, heiß und sichtbar: Vor dem IKEA-Einrichtungshaus in Fürth haben am Freitag rund 150 Beschäftigte aus dem Handel gestreikt. Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di kamen sie aus Mittelfranken und der Region Würzburg. Mit Trillerpfeifen, Megafonen und Sprechchören machten sie auf den laufenden Tarifkonflikt im Einzelhandel, Versandhandel sowie Groß- und Außenhandel aufmerksam.
Die Aktion stand unter dem Motto «Unsere Forderungen im Rampenlicht». ver.di wollte damit zeigen, dass die Beschäftigten das aktuelle Angebot der Arbeitgeberseite nicht akzeptieren. Die Gewerkschaft spricht von einem drohenden Reallohnverlust. Die Arbeitgeberseite verweist dagegen auf die angespannte Lage vieler Handelsunternehmen, auf schwache Umsätze, steigende Kosten und eine anhaltende Kaufzurückhaltung.
Nach Angaben von ver.di sieht das aktuelle Angebot im Einzelhandel vor, die Entgelte nach einer längeren Phase ohne Erhöhung im November 2026 um 2 Prozent und im August 2027 um weitere 1,5 Prozent anzuheben. Im Großhandel liege das Angebot bei 1,8 Prozent und 1,6 Prozent. Die Gewerkschaft hält das für deutlich zu wenig. Für den bayerischen Einzelhandel fordert ver.di bei einer Laufzeit von zwölf Monaten 222 Euro mehr im Monat, 150 Euro mehr für Auszubildende und mindestens 14,90 Euro pro Stunde in den unteren Entgeltgruppen.
Die Betriebsrätin Sabine Nußel brachte die Kritik der Streikenden so auf den Punkt: «Jeden Tag wird alles teurer: der Einkauf, der Sprit, die Energie. Viele von uns wissen nicht mehr, wie sie bis zum Monatsende durchkommen sollen. Und dann legen die Arbeitgeber so ein unverschämtes Angebot hin? Das ist ein Schlag ins Gesicht!»
Neben den Redebeiträgen setzte ver.di vor dem Möbelhaus auch auf eine kreative Protestform. Bei einem «Laufsteg der Forderungen» präsentierten Beschäftigte ihre Anliegen wie bei einer Modenschau.
Dass der Protest ausgerechnet vor IKEA stattfand, hat aus Sicht von ver.di mehrere Gründe. Das Unternehmen gehört zu den großen Akteuren im deutschen Handel. IKEA Deutschland hatte für das Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von 6,161 Milliarden Euro gemeldet. Nach Unternehmensangaben war es das zweitstärkste Ergebnis in der 50-jährigen Geschichte von IKEA Deutschland. Gleichzeitig kritisiert ver.di geplante Einschnitte im Unternehmen. Dazu gehört die geplante Schließung des Customer Support Centers in Rostock. Nach dpa-Angaben sind dort 279 Beschäftigte betroffen. IKEA begründet die Entscheidung mit langfristigen strukturellen Erwägungen. ver.di spricht von einem sozial unverantwortlichen Schritt.
Die Gewerkschaft sieht IKEA außerdem in der Tarifrunde in besonderer Verantwortung, weil das Unternehmen in Arbeitgeberkommissionen vertreten sei. ver.di wirft der Arbeitgeberseite vor, bei den Verhandlungen nicht ausreichend Bewegung zu zeigen. Gewerkschaftssekretärin Susanne Jensen sagte: «Ein Reallohnverlust ist kein Angebot, sondern eine Frechheit. Unsere Kollegen können ihre Miete nicht mit leeren Versprechungen bezahlen.»
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