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Vor dem Bürgerentscheid zum Frankenschnellweg: Jetzt wird eine Tram nach Fürth vorgeschlagen

27. Juni 2026, 12:12 Uhr
Eine neue Straßenbahnlinie könnte die Nürnberger Südstadt über den Frankenschnellweg mit der Fürther Südstadt verbinden. (Foto: Symbolbild)Eine neue Straßenbahnlinie könnte die Nürnberger Südstadt über den Frankenschnellweg mit der Fürther Südstadt verbinden. (Foto: Symbolbild)

Kurz vor der historischen Abstimmung über die Zukunft des Frankenschnellwegs in Nürnberg erhält die verkehrspolitische Debatte noch einmal neue Nahrung. Ein auf der Plattform für Nahverkehrskonzepte «Linie Plus» veröffentlichter Entwurf skizziert eine völlig neue Straßenbahnlinie. Diese soll die Nürnberger Südstadt über die Rothenburger Straße direkt mit der Fürther Südstadt verbinden.

Morgen entscheiden die Nürnberger Bürger an der Wahlurne, ob der kreuzungsfreie Ausbau des Frankenschnellwegs mit einem milliardenteuren Tunnel gestoppt oder weitergeführt wird. Die Gegner des Projekts fordern einen Rückbau der Trasse zu einer begrünten Stadtstraße. Genau hier setzt der neue Verkehrsvorschlag an.

Eine Straßenbahn könnte die anliegenden Gewerbegebiete erschließen und die seit dem Jahr 1981 schienenlose Fürther Südstadt wieder an das Tramnetz anbinden, so der Autor des Vorschlags. Der Streckenverlauf dieser Idee sieht vor, dass die Bahn von der Nürnberger Landgrabenstraße über den heutigen Mittelstreifen des Frankenschnellwegs zur Rothenburger Straße führt. Dort bestünde ein direkter Anschluss an die U-Bahn und S-Bahn. Über die Fuggerstraße, die Witschelstraße und den Ring soll die Trasse bis in die Fürther Waldstraße und weiter zum dortigen Hauptbahnhof verlaufen.

Der Vorstoß fällt in eine ohnehin stark aufgeheizte lokalpolitische Stimmung. Die Grünen-Stadtratsfraktion aus Fürth hat sich kurz vor dem Bürgerentscheid mit einem eindringlichen Appell an die Nürnberger Nachbarn gewandt und bittet um ein Ja zum Planungsstopp. Die Fraktion befürchtet, dass sich der Umleitungsverkehr während der auf mindestens 15 Jahre geschätzten Bauzeit massiv durch das Fürther Stadtgebiet wälzen wird. Die Kosten für die Reparatur der zerstörten Straßen müsse dann die Stadt Fürth tragen. Auch nach einer Fertigstellung des Tunnels rechnen die Grünen mit einer massiven Mehrbelastung durch überregionalen Durchgangsverkehr.

Völlig entgegengesetzt positioniert sich die Fürther CSU. Der Kreisverband stellt sich auf die Seite der Ausbaubefürworter. Aus Sicht der Partei ist der Frankenschnellweg eine unverzichtbare Verkehrsader für die gesamte Metropolregion. Der CSU-Kreisvorsitzende Christian Wenning betonte die Wichtigkeit des Ausbaus, um Ausweichverkehr durch Wohngebiete zu vermeiden. Wenn der Verkehr auf dem Frankenschnellweg ins Stocken gerät, suchen viele Autofahrer Alternativen durch umliegende Stadtteile in Nürnberg und Fürth. Der Fürther CSU-Fraktionsvorsitzende Max Ammon ergänzte, dass ein Ausbaustopp keine Verkehrsprobleme löse. Die Fahrzeuge würden dadurch nicht verschwinden, sondern Anwohner und Pendler durch Ausweichrouten weiter belasten.

Zurückhaltend reagiert hingegen die Fürther SPD. Fraktionsvorsitzender Maurice Schönleben bezeichnete die politische Einmischung der CSU als «ein bisschen befremdlich». Die Fürther SPD äußere sich prinzipiell nicht zu Nürnberger Bauprojekten. Dies gelte für die Partei ebenso wie für die Stadtratsfraktion. Schönleben betonte, er fände es umgekehrt ebenfalls befremdlich, wenn Nürnberger Parteien Forderungen zu Fürther Bauprojekten aufstellen würden. Die SPD warte das Abstimmungsergebnis der Nürnberger schlichtweg ab.