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Einst verschollener Kirschpflücker-Brunnen sprudelt jetzt am Cadolzburger «Bleistift»

2. August 2026, 18:01 Uhr ,
Der restaurierte Kirschpflücker-Brunnen wurde am Aussichtsturm «Bleistift» in Cadolzburg eingeweiht. (Foto: Ronald Heinrich)Der restaurierte Kirschpflücker-Brunnen wurde am Aussichtsturm «Bleistift» in Cadolzburg eingeweiht. (Foto: Ronald Heinrich)

Mehr als drei Jahrzehnte lang war der Kirschpflücker-Brunnen aus dem Cadolzburger Ortsbild verschwunden. Seine Einzelteile lagen an verschiedenen Orten, gerieten zunehmend in Vergessenheit und wären teilweise beinahe entsorgt worden. Nun ist das Denkmal zurück: Am Freitag, 31. Juli, wurde der restaurierte Brunnen am Aussichtsturm «Bleistift» eingeweiht.

Der neue Standort knüpft unmittelbar an die Geschichte des Kunstwerks an. Rund um den Aussichtsturm lagen einst zahlreiche Obstgärten. Während der Baumblüte kamen bereits in den 1910er Jahren etwa 13.000 Ausflügler nach Cadolzburg. Zu Spitzenzeiten sollen es bis zu 20.000 gewesen sein. Der 1893 errichtete Turm war eigens dazu gedacht, den Ausflugsverkehr zu fördern und neben der Burg und der Obstblüte einen weiteren Anziehungspunkt zu schaffen. Die Marktgemeinde bezeichnet den «Bleistift» heute als weithin sichtbares Wahrzeichen Cadolzburgs.

Der Brunnen erinnert an die Kirschenpflücker, die im örtlichen Dialekt als «Kerschdnblooder» bezeichnet werden. Etwa 20 Jahre lang stand das Kunstwerk in der Sparkassenfiliale an der Hindenburgstraße. Im Zuge einer Renovierung um das Jahr 1993 wurde es abgebaut. Danach verloren sich seine Spuren zunehmend.

Das Kirschpflücker-Männchen ist der Hingucker an dem Brunnen. Foto: Ronald Heinrich

Ganz verschwunden war der Brunnen allerdings nicht. Konrad Müller, ein früherer Mitarbeiter des gemeindlichen Baubetriebshofs, hatte mehrere Bestandteile gesichert. Nach seinen Worten lagen drei Wappen bereits in einer Schuttmulde, als er sie herausholte. Auch das Becken bewahrte er bei sich zu Hause auf. Die namensgebende Figur des Kirschpflückers fand sich schließlich im Archiv des Heimatvereins. Sämtliche Teile waren jedoch von Alter und Lagerung gezeichnet.

In einer Stammtischrunde kam das Schicksal des Brunnens erneut zur Sprache. Neben Müller trieben insbesondere Hans Fleischmann und Dieter «Jimmy» Marx die Wiederherstellung voran. Für Marx stand bald fest, dass der Brunnen wieder öffentlich zugänglich sein sollte. Der frühere Kreisbrandrat ist seit Jahren als Cadolzburger Nachtwächter unterwegs und verwendet die Einnahmen seiner ehrenamtlichen Führungen regelmäßig für örtliche Projekte.

Mit der Restaurierung wurden Handwerksbetriebe aus Cadolzburg beauftragt. Robert Schöner setzte das Fundament. Pauline Schöner und Armin Reichel fertigten das neue Becken. Statt des ursprünglichen Sandsteins verwendeten sie Jura-Kalkstein in einer vergleichbaren Farbgebung. Das Material sei witterungsbeständiger und kostengünstiger. In Form und Erscheinungsbild orientiert sich das neue Becken dennoch am historischen Vorbild.

Die Metallarbeiten übernahm Kunstschmied Thomas Hürner. Für ihn besitzt das Projekt auch eine persönliche Verbindung: Sein Vater hatte das Handwerk einst bei Kunstschmied Rupp erlernt, der vor mehr als 50 Jahren am ursprünglichen Brunnen mitgewirkt hatte. Damit schließt sich nach den Worten der Beteiligten ein handwerklicher Kreis über zwei Generationen.

Die Gemeindewerke und der Baubetriebshof stellten Wasser und Strom bereit. Anders als bei der ursprünglichen Anlage wird das Wasser nun von einer Umlaufpumpe bewegt. Es läuft in mehreren Kaskaden über den Stein zurück in das Becken. Der Brunnen benötigt dadurch keinen dauerhaften Frischwasserzulauf.

Bei der Einweihung sorgte das «Gehsteggnbatalion» für die musikalische Begleitung. Marx erinnerte an die Geschichte des Brunnens und dankte den beteiligten Betrieben, dem Baubetriebshof sowie der Marktgemeinde. Er sprach auch ausdrücklich Konrad Müller seinen Dank aus.

Erste Bürgermeisterin Sarah Höfler würdigte das Engagement der Beteiligten. Das Projekt wäre nach ihren Worten ohne das große persönliche Engagement nicht in dieser Form umgesetzt worden. Stellvertretender Landrat Michael Bischoff bezeichnete Marx als «Motor», der dazu beitrage, Cadolzburg zum «Mittelpunkt des Landkreises» zu machen.

Allein aus den Nachtwächterführungen des Jahres 2025 flossen 4600 Euro in die Wiederherstellung. Hinzu kamen private Spenden.

Am Fuß des «Bleistifts» erinnert der Brunnen nun wieder an eine Zeit, in der die Obstblüte Tausende Menschen nach Cadolzburg lockte. Was jahrzehntelang über Bauhof, Privatlager und Vereinsarchiv verteilt war, ist damit wieder zu einem sichtbaren Teil des Ortes geworden.

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