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Neuer Königsplatz: Stadt widerspricht Kritik des BUND

18. September 2026, 12:09 Uhr ,
Der umgestaltete Königsplatz in Fürth: Über den Anteil von Pflasterflächen und Grünflächen ist ein Streit zwischen BUND Naturschutz und Stadt entbrannt. (Foto: Mia Stadelmann)Der umgestaltete Königsplatz in Fürth: Über den Anteil von Pflasterflächen und Grünflächen ist ein Streit zwischen BUND Naturschutz und Stadt entbrannt. (Foto: Mia Stadelmann)

Mehr Grün, mehr Schatten und weniger aufgeheizte Flächen sollte der Umbau des Königsplatzes in Fürth bringen. Kurz nach Abschluss der Arbeiten ist darüber nun ein Streit entbrannt. Der BUND Naturschutz hält das Ergebnis für zu stark gepflastert und zweifelt daran, dass die Stadt bei diesen Flächen von Entsiegelung sprechen sollte. Stadtbaurätin Christine Lippert hält dagegen: Der Königsplatz sei deutlich grüner geworden und könne heute erheblich mehr Regenwasser aufnehmen als zuvor.

Der BUND Naturschutz Fürth hat seine Kritik in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Thomas Jung formuliert. Die Chance, den Platz konsequent an heißere Sommer und den Klimawandel anzupassen, sei nach Auffassung des Verbandes «großteils vergeben» worden. Vor allem die ausgedehnten Pflasterflächen stoßen auf Kritik. Dass wasserdurchlässiges Pflaster als Entsiegelung bezeichnet werde, grenzt nach Ansicht des BUND «an einen Etikettenschwindel».

Foto: Mia Stadelmann

Nach Auffassung des Verbandes sollte Entsiegelung vor allem bedeuten, Asphalt oder Pflaster zu entfernen und offenen, bepflanzbaren Boden zu schaffen. Dieser könne Regenwasser aufnehmen und sich im Sommer weniger stark aufheizen. Bei wasserdurchlässigem Pflaster sieht der BUND diese Vorteile nur eingeschränkt. Zudem stellt er die Frage, ob die Fugen langfristig durchlässig bleiben oder sich mit Sand und Staub zusetzen.

Die Stadt Fürth weist diese Kritik zurück. Stadtbaurätin Christine Lippert erklärt auf Anfrage von Fürth Aktuell, dass der Königsplatz mehrere sehr unterschiedliche Funktionen erfüllen müsse. Klimaanpassung, Begrünung, Regenwassermanagement und Aufenthaltsqualität seien nur ein Teil der Anforderungen. Gleichzeitig müsse der Platz dauerhaft für Anlieger und Lieferverkehr, Müllabfuhr und Rettungsdienste erreichbar bleiben.

Hinzu kommt die Erschließung des Sozialrathauses, der Helmstraße und des neuen Heinrich-Schliemann-Gymnasiums. Auch Fußgänger und Radfahrer benötigen ausreichend Platz. Daneben sollen Bereiche für Außengastronomie, Fahrradständer und Veranstaltungen nutzbar bleiben. Gerade diese unterschiedlichen Anforderungen miteinander zu verbinden, bezeichnet Lippert als eine zentrale Herausforderung bei der Planung.

Wie deutlich sich der Königsplatz trotzdem verändert hat, zeigen die Flächenzahlen der Stadt. Vor dem Umbau waren von insgesamt rund 1293 Quadratmetern etwa 1247 Quadratmeter wasserundurchlässig befestigt. Lediglich 43 Quadratmeter entfielen auf Grünfläche.

Nach der Neugestaltung sind es nach Angaben der Stadt 226 Quadratmeter Grünfläche. Damit hat sich der begrünte Anteil mehr als verfünffacht. Weitere 136 Quadratmeter bestehen aus einer wassergebundenen Fläche, die unter anderem für Sondernutzungen vorgesehen ist.

Der größte Teil bleibt mit 931 Quadratmetern gepflastert. Für die Stadt liegt darin allerdings ein entscheidender Unterschied zur früheren Situation: Diese Fläche soll nicht mehr wasserundurchlässig sein.

Verwendet wurden gesägte Granitgroßsteine. Die Fugen sind mit versickerungsfähigem Material gefüllt. Unter dem Pflaster befindet sich zusätzlich eine wasserdurchlässige Asphaltragschicht. Regenwasser, das nicht unmittelbar in die Grünflächen geleitet werden kann, soll auf diesem Weg in den Untergrund gelangen.

Damit unterscheide sich der Aufbau aus Sicht der Stadt grundlegend von einer vollständig versiegelten Asphaltfläche. Die Pflasterung erfülle weiterhin die Anforderungen an eine belastbare innerstädtische Verkehrsfläche, ermögliche zugleich aber eine Versickerung von Niederschlagswasser.

Foto: Mia Stadelmann

Auch die Zweifel des BUND an der langfristigen Funktion der wasserdurchlässigen Fugen teilt die Stadt nicht. Ein vergleichbarer Aufbau sei bereits bei der Neugestaltung der Fürther Fußgängerzone sowie in der Hallstraße, Alexanderstraße und Moststraße eingesetzt worden. Bei der Fußgängerzone funktioniere die Versickerung auch rund 20 Jahre nach dem Umbau weiterhin.

Der Begriff Entsiegelung bezieht sich nach Darstellung der Stadt deshalb nicht allein auf die Pflasterflächen. Zum Gesamtkonzept gehörten ebenso die Vergrößerung der Grünflächen, zusätzliche Baumpflanzungen, wassergebundene Bereiche sowie die gezielte Aufnahme und Versickerung von Niederschlagswasser.

Auch bei der Frage, warum nicht noch mehr Fläche begrünt wurde, verweist Lippert auf konkrete Grenzen der Planung. Sämtliche Bereiche, die nicht für Verkehr, Erschließung oder andere Nutzungen benötigt würden, seien nach Möglichkeit nicht versiegelt worden.

Ein Teil der freien Flächen werde beispielsweise für die Außengastronomie benötigt. Dort seien wassergebundene Flächen vorgesehen. Eine klassische Rasenfläche sei für eine intensive Nutzung mit Tischen und Stühlen aus Sicht der Stadt nicht geeignet.

Bei zusätzlichen Baumpflanzungen spielen zudem Leitungen im Untergrund eine Rolle. Strom-, Gas- und Wasserleitungen schränkten mögliche Standorte ein. Dennoch sollen weitere Bäume hinzukommen. Wo eine Pflanzung im Boden nicht möglich sei, seien zusätzliche Kübelbäume vorgesehen.

Auch die Verkehrssicherheit setzt Grenzen. Im Bereich der Rathauskreuzung müssen Sichtbeziehungen erhalten bleiben. Deshalb könne dort nicht beliebig mit hohen Sträuchern oder Bäumen gearbeitet werden. Niedrigere Stauden seien entsprechend so ausgewählt worden, dass die Übersicht im Kreuzungsbereich erhalten bleibt.

Die Planung sieht sechs zusätzliche Bäume entlang der Henri-Dunant-Straße sowie einen Kübelbaum vor dem Sozialrathaus vor. Bestehende Bäume werden in größere Grünbereiche integriert. Diese Flächen sollen zugleich Regenwasser aufnehmen und den Bäumen zur Verfügung stellen.

Damit verfolgt die Stadt nach eigener Darstellung ein sogenanntes Schwammstadtprinzip. Niederschlag soll möglichst dort gespeichert oder versickert werden, wo er anfällt, statt vollständig über die Kanalisation abgeleitet zu werden. Gerade bei Starkregen soll dies die Kanalisation entlasten und gleichzeitig den Pflanzen zugutekommen.

Auch beim Thema Veranstaltungen widerspricht die Stadt dem BUND. Von mehreren Seiten sei der Wunsch nach einer nutzbaren Veranstaltungsfläche an die Planung herangetragen worden. Zusätzliche versiegelte Flächen seien dafür jedoch nicht geschaffen worden. Bei Veranstaltungen könnten die ohnehin vorhandenen Pflasterbereiche und wassergebundenen Flächen genutzt werden.

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