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Zu wertvoll für den Müll: Großhabersdorf sammelt weiter Speiseöle und -Fette

4. August 2026, 15:51 Uhr
In Großhabersdorf werden gebrauchte Speiseöle und -Fette in Mehrwegbehältern gesammelt. (Foto: Symbolbild)In Großhabersdorf werden gebrauchte Speiseöle und -Fette in Mehrwegbehältern gesammelt. (Foto: Symbolbild)

Die Gemeinde Großhabersdorf sammelt weiterhin gebrauchte Speiseöle und -Fette in speziellen Mehrwegbehältern. Der Gemeinderat hat einstimmig beschlossen, das Ende 2023 gestartete Projekt mit der Firma «Jeder Tropfen zählt» bis 2027 fortzusetzen. Bürgermeister Thomas Zehmeister sieht darin einen sinnvollen Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz. Der Landkreis Fürth bleibt dagegen bei seinem bisherigen Entsorgungskonzept.

Seit dem Start wurden in Großhabersdorf insgesamt 3403 gefüllte Sammelbehälter abgegeben. Darin befanden sich knapp 2793 Kilogramm gebrauchtes Speiseöl und -Fett. Nach Berechnungen des Projektbetreibers entspricht die Sammelmenge einer möglichen Einsparung von rund 8,4 Tonnen Kohlendioxid. Bezogen auf rund 4500 Einwohner wurden während des Pilotprojekts insgesamt etwa 620 Gramm Altfett pro Einwohner gesammelt.

«Wir haben uns in Großhabersdorf aus Überzeugung für die Sammlung von Speisealtölen und -fetten mittels Automaten entschieden», erklärt Bürgermeister Thomas Zehmeister. In der Anfangsphase hätten vor allem örtliche Vereine die leeren Sammelbehälter in der Bevölkerung verteilt. Die Bürger können bei dem Projekt spezielle Mehrweg-Sammelbehälter von „Jeder Tropfen zählt“ nutzen. In diese Dosen oder Flaschen wird zu Hause das gebrauchte, abgekühlte Speiseöl oder flüssige Bratfett eingefüllt. Ist der Behälter voll, wird er am Automaten abgegeben. Im Gegenzug gibt der Automat einen leeren, gereinigten Sammelbehälter aus.

Zehmeister bezeichnet gebrauchte Speisefette als wertvollen Rohstoff. Sie seien zu schade für die Müllverbrennung und sollten erst recht nicht in die Kanalisation geschüttet werden. Die Nettokosten für die Gemeinde beziffert er auf einen Euro je Einwohner und Jahr.

Großhabersdorf sieht sich gemeinsam mit Seukendorf als Modellkommune im Landkreis. Das Projekt ist allerdings eine freiwillige Leistung der Gemeinde.

Nach Angaben von Christian Hilbert von der Jeder Tropfen Zählt GmbH enthalten die zurückgegebenen Behälter kaum Wasser, Speisereste oder andere Verunreinigungen. Lediglich zwei bis drei Prozent des Nettogewichts seien nicht unmittelbar als Altfett verwertbar. Diese Reste würden jedoch in einer Biogasanlage zur Energieerzeugung genutzt.

Das aufbereitete Öl und Fett wird an Biodieselhersteller weitergegeben. Laut Hilbert entsteht bei der sogenannten Umesterung aus einem Kilogramm beziehungsweise einem Liter aufbereitetem Altfett ungefähr die entsprechende Menge Biodiesel. Zusätzlich fällt Glyzerin an, das unter anderem in der Kosmetik und Medizin eingesetzt werden kann.

Mit durchschnittlich rund 310 Gramm je Einwohner und Jahr liegt Großhabersdorf nach Einschätzung des Unternehmens im oberen Drittel der teilnehmenden Kommunen. Ein direkter Vergleich sei allerdings schwierig, weil Einwohnerzahl, Siedlungsstruktur, Öffentlichkeitsarbeit und Laufzeit der einzelnen Projekte unterschiedlich seien.

Neben Großhabersdorf und Seukendorf hätten sich auch Ammerndorf, Cadolzburg, Langenzenn, Obermichelbach und Tuchenbach, Puschendorf, Roßtal, Wilhermsdorf sowie Zirndorf über das System informiert. Eine flächendeckende Einführung im Landkreis gibt es bislang jedoch nicht.

Der Landkreis Fürth verfolgt bei der Entsorgung von Speiseölen und -Fetten einen anderen Ansatz. Nach Auskunft der Abfallwirtschaft des Landkreises können private Haushalte kleinere Mengen über die Restmülltonne entsorgen. Flüssiges Öl sollte dafür in einen dicht verschlossenen Behälter gefüllt werden. Der Restmüll wird anschließend in der Müllverbrennungsanlage der Stadt Nürnberg verbrannt.

Daneben stehen auf beiden Wertstoffhöfen des Landkreises Sammeltonnen der Firma Altfett Lesch zur Verfügung. Der Landkreis hält dieses Bringsystem weiterhin für ausreichend.

Speiseöle und -fette sollten grundsätzlich über den Restmüll oder die Wertstoffhöfe entsorgt werden und nicht über Toilette oder Spüle. Nach einer Erhebung des Landkreises aus dem Jahr 2021 waren den befragten Kläranlagen allerdings keine konkreten Probleme bekannt, die unmittelbar auf Speisefette aus privaten Haushalten zurückgeführt werden konnten. Geringe Mengen, beispielsweise Ölreste beim Geschirrspülen, kämen stark verdünnt in den Anlagen an.

Mehrere Kläranlagen im Landkreis verfügen zudem über Fettabscheider, Fettfänge oder Faultürme. In Langenzenn kann energiereiches Fett im Faulturm sogar zur Stromerzeugung in einem Blockheizkraftwerk beitragen.

Mit einem gesonderten Sammelsystem hatte sich die Kreisverwaltung bereits zwischen 2018 und 2021 beschäftigt. Der Umwelt- und Verkehrsausschuss entschied im März 2021, keine flächendeckende Sammlung über Automaten oder zusätzliche Sammelcontainer einzuführen.

Aus Sicht der Abfallwirtschaft stehen die Kosten nicht in einem angemessenen Verhältnis zum erwarteten Nutzen. Zudem gebe es keine gesetzliche Verpflichtung zur getrennten Sammlung von Speisefetten. Die tatsächlich erfassten Mengen blieben bei solchen Systemen häufig hinter den Erwartungen zurück.

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