In Roßtal hat ein ungewöhnliches Energieprojekt seinen vorläufigen Abschluss erreicht. Ein Hotelbetrieb, zwei Mehrfamilienhäuser und ein Einfamilienhaus sollen ihren Strom nach Angaben des Initiators Harald Nitschke inzwischen innerhalb eines gemeinsamen Versorgungssystems erzeugen, speichern und verbrauchen. Insgesamt zwölf Mietparteien sind daran beteiligt. Das Ziel: möglichst wenig Strom von außen beziehen und selbst erzeugte Energie nicht mehr günstig ins öffentliche Netz abgeben.
Nitschke stellte das Projekt bei einem Termin in Roßtal vor. Unter den Gästen waren der CSU-Landtagsabgeordnete Werner Stieglitz, Roßtals Zweiter Bürgermeister Matthias Prießnitz und Regina Bremm, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Romantisches Franken. Nach Darstellung Nitschkes sind die beteiligten Gebäude bei der Stromversorgung inzwischen vom öffentlichen Netz unabhängig. Auch die Wärmeversorgung erfolgt demnach innerhalb des Systems.
Die Grundlage dafür wurde bereits vor mehreren Jahren geschaffen. Seit 2018 erzeugen drei kleinere Blockheizkraftwerke Strom und Wärme. Bislang entstand dabei allerdings ein wirtschaftliches Problem: Überschüssige Energie wurde ins öffentliche Netz eingespeist, während zu anderen Zeiten Strom von einem Versorger zugekauft werden musste.
Nitschke wollte deshalb Erzeugung und Verbrauch enger miteinander verbinden. Der Strom sollte möglichst dort genutzt werden, wo er produziert wird. Speicher ergänzen nun das System. Nach seinen Angaben kann er die beteiligten Mieter dadurch für 26 Cent pro Kilowattstunde versorgen.
Überschüssige Energie müsse zudem nicht mehr zu den dort genannten deutlich niedrigeren Vergütungssätzen ins Netz abgegeben werden.
Einfach sei der Weg zu dieser Lösung offenbar nicht gewesen. Auf die Frage nach Schwierigkeiten bei der Umsetzung antwortete Nitschke: «Man braucht viel Geduld und gute Nerven.» Zugleich berichtete er von Unterstützung durch Mitarbeiter des Netzbetreibers. Interessierten, die ein ähnliches Modell planen, wolle er seine Erfahrungen zur Verfügung stellen.
Bei der Vorstellung stieß das Projekt auch auf politisches Interesse. Stieglitz, dessen Landtagsstimmkreis auch den Landkreis Fürth umfasst, bezeichnete die Initiative als bemerkenswert. «Wir müssen denjenigen, die den Mut haben, solche Projekte realisieren zu wollen, zur Seite stehen und sie in ihrem Vorhaben unterstützen!», erklärte der CSU-Abgeordnete.
Nitschke plant nach Angaben der Mitteilung im Herbst einen weiteren Termin, bei dem das Versorgungssystem vorgestellt werden soll.

