Drei Kinder, ein neuer Arbeitsort und ein unmittelbar bevorstehender Tag, der für Anne Richter einen besonderen Einschnitt markiert: Am Samstag wird die neue Roßtaler Pfarrerin in der St.-Laurentius-Kirche ordiniert. Wenn sie über ihre kommenden Aufgaben spricht, fällt allerdings schnell auf, dass ihr Blick nicht zuerst auf den feierlichen Termin gerichtet ist. Richter spricht lieber darüber, was danach kommt. Über Begegnungen, Seelsorge und vor allem darüber, jungen Menschen in der Kirche mehr Raum zu geben.
«Gerade die Jugendarbeit wird manchmal etwas stiefmütterlich behandelt», sagt Richter. Dabei hätten Jugendliche eigene Ideen, Fragen und Sichtweisen, mit denen sie eine Gemeinde bereichern könnten. Für sie sind junge Menschen deshalb nicht nur die Zukunft der Kirche. Sie seien bereits heute ein wichtiger Teil der Gemeinde und sollten die Möglichkeit erhalten, sich einzubringen und mitzugestalten.
Seit 1. September gehört Anne Richter zur evangelisch-lutherischen Pfarrei Roßtal. Als Pfarrerin zur Anstellung, kurz Pfarrerin z.A., ist sie dort dem III. Sprengel zugeordnet. Ihre Ordination findet am Samstag, 19. September, um 14.30 Uhr in St. Laurentius statt. Für Richter beginnt damit ihre erste Stelle als Pfarrerin im Probedienst.
Aufgewachsen ist sie im oberbayerischen Burghausen. Nach dem Abitur führte sie das Studium der Evangelischen Theologie nach Erlangen. Richter zog nach Nürnberg, wo sie bis heute mit ihrer Familie lebt. Nach dem Studium folgte ein zweijähriges Vikariat in Lauf an der Pegnitz. Während dieser Jahre sammelte sie nicht nur Erfahrungen im Gemeindedienst. Besonders geprägt hätten sie ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und die Seelsorge. Dazu gehörten Einsätze in der Kinderklinik Erlangen und während des Vikariats in der Frankenalb-Klinik.
Der Entschluss, Pfarrerin zu werden, entstand dabei nicht in einem einzigen großen Moment. Den ersten Anstoß gab ihre Mutter. Als Richter während der Oberstufe überlegte, welchen Beruf sie später ergreifen könnte, empfahl ihr diese ein Gespräch mit dem örtlichen Pfarrer über das Theologiestudium. Richter interessierte sich damals besonders für alte Sprachen, Philosophie und Dogmatik. Erst mit der Zeit wurde daraus der Wunsch nach dem Pfarrberuf. Ihre Erfahrungen in Seelsorge und Jugendarbeit hätten diese Entscheidung schließlich immer stärker geprägt.
Nach dem Vikariat suchte sie bewusst nach einer Gemeinde, in der sich diese Interessen verbinden lassen. Roßtal sei dafür der passende Ort gewesen. Ihre ersten Begegnungen beschreibt sie als offen und herzlich. Zugleich habe sie schnell wahrgenommen, wie viele Menschen sich in den Kirchengemeinden Roßtal und Buchschwabach engagieren und Verantwortung übernehmen.
Zum Alltag der neuen Pfarrerin werden Gottesdienste ebenso gehören wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen. Hinzu kommt die persönliche Seelsorge. Richter möchte jedoch nicht allein bestehende Aufgaben übernehmen, sondern zusammen mit Haupt- und Ehrenamtlichen auch neue Ideen für das Gemeindeleben entwickeln. Kirche soll für sie ein Ort sein, an dem Menschen einander begegnen können. Besonders wichtig seien ihr Familien, Kinder und Jugendliche sowie Menschen, die in schwierigen oder entscheidenden Phasen ihres Lebens Begleitung benötigen.
Dass sie ihren Dienst in keiner einfachen Zeit beginnt, ist Richter bewusst. Die Mitgliederzahlen der Kirchen sinken und zugleich ändern sich die Erwartungen vieler Menschen. Richter sieht darin jedoch auch die Notwendigkeit, genauer hinzusehen. «Kirche steht ohne Zweifel vor großen Herausforderungen», sagt sie. Gleichzeitig könne die Entwicklung eine Chance sein, neu zu fragen, was Menschen heute tatsächlich brauchten. Gemeinschaft, Orientierung und persönliche Begleitung seien Bedürfnisse, bei denen Kirche weiterhin eine Rolle spielen könne.
Auch Menschen, für die Kirche im Alltag kaum noch eine Rolle spielt, möchte Richter nicht abschreiben. Entscheidend seien weniger abstrakte Konzepte als persönliche Begegnungen. Wenn Kirche dort sichtbar werde, wo sich das Leben der Menschen abspiele, offen zuhöre und Interesse zeige, könnten neue Beziehungen entstehen.
Am Samstag steht zunächst jedoch ihre Ordination im Mittelpunkt. Richter spricht von einem «ganz besonderen Meilenstein». Familie, Wegbegleiter und die neue Gemeinde werden diesen Schritt gemeinsam mit ihr erleben. Vor der Verantwortung, die das Pfarramt mit sich bringt, habe sie Respekt. Gleichzeitig sei die Vorfreude größer: auf die Menschen, die sie kennenlernen wird, und auf die Erfahrungen, die nun vor ihr liegen.
Wenn der Pfarrdienst Pause hat, gehört ihre Zeit vor allem der Familie. Mit drei Kindern sei zu Hause ohnehin meistens etwas los. Gemeinsam wird gespielt, gesungen oder etwas unternommen. Richter ist gerne in der Natur, geht spazieren und wandern. Und dann gibt es noch eine Beschäftigung, die auf den ersten Blick kaum zum lebhaften Familien- und Berufsalltag passt: Sie stickt leidenschaftlich gern. Gerade diese Ruhe sei für sie ein willkommener Ausgleich.

