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Mietfalle Fürth: Warum Azubis und Boomer keine Wohnung finden

29. Januar 2026 , ,
Bezahlbarer Wohnraum ist in Fürth knapp: Vor allem Auszubildende und künftige Rentner geraten laut IG BAU zunehmend unter Druck.Bezahlbarer Wohnraum ist in Fürth knapp: Vor allem Auszubildende und künftige Rentner geraten laut IG BAU zunehmend unter Druck. Symbolbild

Ein Blick in die Statistik der Stadt Fürth offenbart eine wachsende soziale Kluft auf dem Immobilienmarkt. Während moderne Neubauten oft Preise erreichen, die für Durchschnittsverdiener kaum noch tragbar sind, geraten zwei Gruppen besonders unter Druck: junge Menschen am Beginn ihrer Karriere und Senioren vor dem Eintritt in den Ruhestand. Nach Angaben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Mittelfranken, die sich auf den aktuellen «Sozialen Wohn-Monitor» des Pestel-Instituts stützt, ist die Lage in der Kleeblattstadt prekär. Rund 2.130 Auszubildende leben derzeit in Fürth, von denen viele unfreiwillig bei den Eltern wohnen bleiben, da der Markt für kleine, bezahlbare Wohnungen oder WG-Zimmer faktisch leergefegt ist.

Iris Santoro, die Bezirksvorsitzende der IG BAU Mittelfranken, bezeichnet die Situation als Bedrohung für die lokale Wirtschaft. Sie berichtet, dass Ausbildungsverträge mitunter gar nicht erst zustande kämen, weil Bewerber schlicht keine Unterkunft in Betriebsnähe fänden. Neben den Auszubildenden blickt die Gewerkschaft mit Sorge auf die rund 15.400 Angehörigen der Babyboomer-Generation in Fürth. Diese würden bis zum Jahr 2035 in Rente gehen. Da viele von ihnen Biografien mit Niedriglohnphasen oder Arbeitslosigkeit aufweisen, drohe ihnen im Alter die sogenannte Wohnarmut. Santoro warnt davor, dass sich diese Menschen ihre angestammten Wohnungen mit einer schmalen Rente kaum mehr leisten könnten.

Die Lösung sieht die Gewerkschaft in einer massiven Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus. Laut der Studie des Pestel-Instituts bestehe in Bayern ein jährlicher Bedarf von 18.700 neuen Sozialwohnungen, um bis Mitte des nächsten Jahrzehnts ein Ziel von bundesweit zwei Millionen Einheiten zu erreichen. Für den Freistaat bedeute dies eine notwendige Steigerung auf insgesamt 283.700 Sozialwohnungen bis 2035. Um dies umzusetzen, fordert die IG BAU eine Reform der Förderkulisse. Gelder vom Bund und vom Freistaat müssten unmittelbar zu Baubeginn fließen und nicht über Jahre gestreckt werden. Zudem wird für steuerliche Anreize geworben, wenn Betriebe selbst Wohnraum für ihre Lehrlinge schaffen.