Montag, 2. März 2026 21:21
Wetter9.4°C | Klarer Himmel

Kulinarisches Comeback in der Südstadt: So schmeckt das neue Humbser – vier Testesser nehmen das Restaurant unter die Lupe

2. März 2026 ,
Testessen im neuen Humbser: Wie gut ist die Küche im historischen Ambiente? Fotos: Fürth AktuellTestessen im neuen Humbser: Wie gut ist die Küche im historischen Ambiente? Fotos: Fürth Aktuell

Wer das neue Humbser betritt, spürt sofort, dass hier mehr als nur ein Restaurant eröffnet wurde. Es ist die Wiederbelebung eines Stücks Fürther Identität. Seit dem 25. Februar ist das imposante Gebäude in der Südstadt wieder für alle zugänglich. Schon beim Pre-Opening, bei dem sich lokale Prominenz und Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung die Klinke in die Hand gaben, war die Erwartungshaltung groß. Doch hält das neue Konzept auch im Alltag stand? «Fürth Aktuell» hat vier Testesser losgeschickt, um genau das herauszufinden – inkognito und ungeschminkt. Die Betreiber wurden über den Besuch unserer Testesser nicht informiert. Das Essen wurde auch nicht durch das Restaurant gesponsert.

Der erste Eindruck ist überwältigend. Die gewaltigen Sudkessel, in denen früher das Humbser Bier reifte, dominieren den Raum. Besonders charmant: Ein Teil der Kessel ist – wie schon beim Betreiber davor – aufgeschnitten und beherbergt nun gemütliche Nischen zum Essen. Unsere Tester wählten jedoch den großzügigen Speisesaal daneben. Was sofort auffiel, war die Herzlichkeit des jungen Service-Teams. Man wird nicht einfach nur platziert, man wird willkommen geheißen. Diese Begeisterung des Personals zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Abend.

Fläddlesuppe mit hausgemachter Gemüsebrühe und Pfannkuchenstreifen. Foto: Fürth Aktuell

Die Karte ist bewusst kompakt gehalten: sieben Hauptspeisen, fünf Vorspeisen, vier zusätzliche vegetarische Gerichte. Das wirkt fokussiert, auch wenn man sich für die Zukunft vielleicht noch eine wechselnde Tageskarte wünschen würde. Kindergerichte sucht man auf der Karte zwar vergebens, doch der Service gab sofort Entwarnung: Fast alles sei als kleine Portion für Kinder machbar, solange es die Küche zulässt – beim klassischen Schäuferle stoße man da natürlich an physikalische Grenzen.

Schon vor dem ersten Gang zeigt sich die Liebe zum Detail. Als zwei unserer Testesser gemeinsam nach stillem Wasser fragten, servierte der Kellner eine große Karaffe, die mit frischer Minze sowie Zitronen- und Orangenschalen veredelt war. Das sah nicht nur hervorragend aus, sondern gab dem Wasser eine feine, frische Note. Der kulinarische Start gelang mit der Flädlesuppe für 5,50 Euro als Vorspeise bravourös. Die hausgemachte Brühe war handwerklich perfekt abgeschmeckt und die fein geschnittenen Pfannkuchenstreifen ließen keinen Zweifel daran, dass hier frisch gekocht wird.

Beim Hauptgang wurden unsere Testesser von der Redaktion angehalten, vier verschiedene Gerichte zu bestellen, damit eine breite Palette der Karte unter die Lupe genommen werden konnte. Die Preise bewegen sich im oberen Segment: 25,90 Euro für das Wiener Kalbsschnitzel, 19,90 Euro für das Schäuferle, 17,90 Euro für den Backfisch im Bierteig und 15,90 Euro für das Buttermilch-Hendl. Doch die Qualität und die gute Größe der Portionen rechtfertigt nach Ansicht unserer Testesser die Preise. Das Schnitzel wurde von unseren Testern als eines der besten gelobt, die sie je gegessen hätten – goldbraun, wellig paniert und zart. Das Schäuferle überzeugte mit einer Kruste, die exakt so war, wie man sie sich in Franken wünscht: krachend, würzig und auf den Punkt.

Selbst stilles Wasser wird hier zu einem Erlebnis. Foto: Fürth Aktuell

Wer das Hendl bestellt, bekommt eigentlich hausgemachten Kartoffelsalat dazu. Unser Tester wollte aber die angepriesenen Pommes ausprobieren und bestellte deshalb diese dazu. Ein großer Fehler im positiven Sinne! Die von Hand gestanzten und doppelt frittierten Pommes sahen nicht nur lecker aus, sondern waren auch geschmacklich so gut, dass auch die anderen drei Testesser es nicht lassen konnten, davon zu probieren. So musste unser Tester seine Pommes regelrecht verteidigen. Sie waren so kartoffelig und frisch, dass am Tisch schließlich eine Extraportion für alle geordert wurde.

Ein kleiner Wermutstropfen trübte kurzzeitig die Stimmung: Drei der vier Gerichte kamen lediglich lauwarm am Platz an. Das Restaurant verfolgt offenbar das Konzept, alle Speisen eines Tisches gleichzeitig auf einem großen Tablett zu servieren. Wenn sich eine Komponente verzögert, kühlen die anderen Teller zwangsläufig ab. Die Reaktion des Personals war jedoch vorbildlich: Sofort wurde angeboten, die Speisen gegen heiße, neue Gerichte auszutauschen. Da alles jedoch so verlockend aussah, entschieden sich unsere Tester fürs Weiteressen – und wurden geschmacklich voll entschädigt. Denn auch der Seelachs im Bierteig mit Kartoffelpüree überzeugte vollends.

Mittlerweile war eine gute Stunde vergangen und das Humbser hatte sich merklich gewandelt. Die anfängliche Ruhe war einer lebendigen, fast schon elektrisierenden Wirtshaus-Atmosphäre gewichen. Das Restaurant war nun fast bis auf den letzten Platz gefüllt, das Stimmengewirr vermischte sich mit dem Klappern von Besteck – es war aber zu keinem Zeitpunkt unangenehm laut. Auch Familien mit kleinen Kindern belebten den Saal. Das Service-Personal meisterte diesen Ansturm mit Bravour, war sofort zur Stelle, um Kindersitze zu organisieren und blieb dabei sehr aufmerksam.

Zum krönenden Abschluss entschieden sich zwei unserer Testesser für die süße Seite der Karte: Ein Kirschbrownie und ein Schmandeis sollten den Abend abrunden. Doch dann geriet der Rhythmus ins Stocken. Die Minuten strichen ins Land, die Teller auf den Nachbartischen kamen und gingen, doch die Nachspeisen ließen auf sich warten. Nach mehr als einer halben Stunde wurde die Geduld unserer Tester weiter auf die Probe gestellt. Doch bevor die Stimmung kippen konnte, bewies das Team erneut seine Klasse. Dem Kellner war die Verzögerung selbst aufgefallen. Er trat an den Tisch, entschuldigte sich in aller Form für die Wartezeit und kündigte an, dass beide Nachspeisen als Geste des Hauses gratis serviert würden. Ein absolut professionelles Krisenmanagement, das die Panne sofort vergessen machte.

Das besondere Ambiente im Humbser in Fürth. Foto: Fürth Aktuell

Als die Teller schließlich eintrafen, war klar: Das Warten hatte sich gelohnt. Das hausgemachte Schmandeis war «von einer Cremigkeit, die den Gaumen umschmeichelte», gab unser Testesser zu Protokoll. Der Kirschbrownie, gebacken mit brauner Butter und begleitet von einem hausgemachten Eierliköreis, war nach Angaben unseres Testers ebenfalls ein wahrer Genussmoment. Regulär würde dieser Brownie mit 7,90 Euro zu Buche schlagen, doch an diesem Abend blieb er ein süßes Geschenk des Hauses.

Am Ende des Abends stand für unsere Tester fest: Das Humbser ist mehr als nur eine Gaststätte in historischer Hülle. Es ist ein Ort, an dem man die Begeisterung eines bereits gut eingespielten Teams in jedem Handgriff und bei jedem Bissen spürt. Sicherlich wird sich die Logistik beim zeitgleichen Servieren der Hauptgänge in den kommenden Wochen noch einspielen – kleine Kinderkrankheiten, die das Gesamterlebnis unserer Testesser kaum trübten.

Fürth gewinnt eine kulinarische Adresse hinzu, die handwerkliche Stärke mit echtem Herzblut verbindet. Das Humbser ist unter neuer Leitung zurück – und es schmeckt nach Zukunft.