Hinter nackten Zahlen verbergen sich oft drängende Alltagsprobleme. Wer in Fürth staatliche Hilfe für die Miete benötigt, braucht vor allem Geduld. Ein volles Jahr vergeht mittlerweile im Durchschnitt, bis ein Wohngeldantrag in der Verwaltung abschließend bearbeitet ist. Diese Verzögerung ist eine von vielen Entwicklungen, die der neueste Sozialbericht der Stadtverwaltung schonungslos offenlegt. Das Zahlenwerk, das auf eine Anfrage der Linken zurückgeht, dokumentiert die sozialen Veränderungen in der Stadt von 2014 bis 2025.
Der enorme Rückstau in der Wohngeldbehörde hat klare Ursachen. Die Reform der Bundesregierung vor wenigen Jahren hat den Kreis der Anspruchsberechtigten massiv vergrößert. Die Folge ist eine Flut an Akten. Die Zahl der Anträge sprang von 1651 im Jahr 2021 auf fast 3000 in der Spitze an. Für die städtischen Mitarbeiter bedeutet das eine Belastungsgrenze. Für die Antragsteller bedeutet es eine lange Zeit der finanziellen Ungewissheit.
Erschwert wird die Situation durch den schwindenden Bestand an bezahlbarem Wohnraum. Die Fürther Statistik zeigt schwarz auf weiß, dass die Zahl der geförderten Wohnungen schrumpft. Gab es 2014 noch über 2200 Sozialwohnungen mit Preisbindung, waren es 2025 nur noch 1746. Der städtische Neubau kommt nicht schnell genug hinterher, um die aus der Bindung fallenden Wohnungen zu kompensieren.
Trotz der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt gibt es auch beruhigende Signale. Es müssen weniger Menschen befürchten, ihre Wohnung oder ihre Energieversorgung zu verlieren. Die Zahl der amtlichen Zwangsräumungen ist von 121 im Jahr 2015 auf 79 im Jahr 2025 gefallen. Auch wenn im vergangenen Jahr fast 700 Haushalte zeitweise ohne Strom oder Gas auskommen mussten, ist dieser Wert geringer als noch vor einem Jahrzehnt.
Deutlich bemerkbar machen sich die rechtlichen Veränderungen in den Jobcentern. Wer Bürgergeld bezieht, muss seltener mit finanziellen Strafen rechnen. Die Kürzungen der Unterstützung sind drastisch zurückgegangen. Im Jahr 2017 verhängte das Jobcenter Fürth noch fast 2000 Sanktionen. Im Jahr 2025 sank die Zahl der festgestellten Leistungsminderungen auf unter 300.
Auch aus der Ausländerbehörde gibt es aktuelle Zahlen: Dort wollen so viele Menschen wie noch nie Deutsche werden. Die Zahl der Einbürgerungsanträge hat sich im Vergleich zu den Vorjahren vervierfacht. Allein 2025 konnte die Stadtverwaltung 875 Einbürgerungen feierlich vollziehen. Ein Rekordwert für Fürth.
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