Der Landkreis Fürth steht vor einer der größten Investitionsphasen seiner Geschichte. Rund 285 Millionen Euro sollen bis 2035 vor allem in neue Schulen fließen. Doch die geplanten Bauvorhaben könnten die Verschuldung mehr als vervierfachen. Bei einer Sondersitzung des Kreistags in Langenzenn wurden deshalb nicht nur die Baupläne, sondern auch deren finanzielle Folgen und mögliche Alternativen diskutiert.
Im Mittelpunkt stehen das neue Gymnasium in Cadolzburg und der Schulcampus Langenzenn. Beide Projekte sollen die angespannte Raumsituation an den weiterführenden Schulen verbessern. Grundlage sind Schulentwicklungsgutachten aus den Jahren 2019 und 2026. Trotz langfristig sinkender Geburtenzahlen wird die Zahl der Gymnasiasten zunächst weiter steigen. Ihren Höchststand dürfte sie zwischen 2031 und 2034 erreichen.
Bereits heute stoßen die Gymnasien in Oberasbach, Langenzenn und Stein an ihre räumlichen Grenzen. Zusätzliche Klassen werden teilweise in provisorischen Gebäuden unterrichtet. Diese beanspruchen Flächen, die eigentlich als Pausenhöfe oder Sportanlagen benötigt werden.
«Diese Übergangslösungen, umgangssprachlich auch ‹Container› genannt, sollen langfristig entfallen», erklärte Landrat Bernd Obst.
Für das Gymnasium Cadolzburg sind nach aktueller Planung Gesamtkosten von rund 70,3 Millionen Euro vorgesehen. Die Hälfte davon soll durch staatliche Fördermittel gedeckt werden. Der Baubeginn ist für April 2028 geplant, der Einzug für das Schuljahr 2031/2032.
Der Schulbetrieb soll allerdings schon 2028 beginnen. Dafür werden zunächst eigene Klassen an den Gymnasien in Oberasbach und Langenzenn eingerichtet. Diese wechseln später gemeinsam in den Neubau.
Zum Start am neuen Standort werden etwa 313 Schüler erwartet. Bis 2037 könnte ihre Zahl auf mindestens 567 steigen. Die zuständige Ministerialbeauftragte hält nach den vorliegenden Erfahrungswerten auch 600 bis 640 Schüler für möglich. Durch eine veränderte Verteilung der Schüler zwischen den Gymnasien könnte die Auslastung zusätzlich steigen.
Gerade die langfristige Auslastung ist jedoch umstritten. Die Grünen im Kreistag haben unter anderem die Wirtschaftlichkeit des Neubaus und die Auswirkungen auf die bestehenden Gymnasien hinterfragt. Sie verweisen darauf, dass Cadolzburg nach der aktuellen Prognose ohne zusätzliche Schülerumverteilung nicht die ursprünglich vorgesehene Größe erreicht.
Parallel entsteht in Langenzenn ein neuer Schulcampus. Dort soll zunächst ein Gymnasium errichtet werden, das ebenfalls im September 2031 den Betrieb aufnehmen könnte. Anschließend wird das bisherige Gymnasialgebäude für die Realschule umgebaut. Diese Arbeiten sollen bis April 2035 abgeschlossen sein.
Zum Gesamtprojekt gehört außerdem eine neue Sporthalle. Der Landkreis setzt bei den Neubauten auf langlebige Materialien, Photovoltaik und möglichst unkomplizierte Gebäudetechnik. Damit sollen auch die späteren Betriebskosten begrenzt werden.
Die Planungen für den Schulcampus wurden bereits mehrfach verändert. Ende 2025 entschied sich der Landkreis gegen die ursprünglich vorgesehene Sanierung und Erweiterung des bestehenden Gymnasiums und für einen Neubau.
Die finanziellen Folgen sind erheblich. Insgesamt rechnet der Landkreis zwischen 2027 und 2035 mit Investitionen von rund 284,7 Millionen Euro. Davon sollen etwa 123,1 Millionen Euro durch Fördermittel finanziert werden. Der verbleibende Eigenanteil beträgt rund 161,6 Millionen Euro.
Da der Landkreis für diese Investitionen keine eigenen Rücklagen einsetzen kann, muss er seinen Anteil vollständig über Kredite finanzieren.
Nach einer Modellrechnung könnte die Verschuldung dadurch von voraussichtlich 39,8 Millionen Euro Ende 2026 auf rund 174,5 Millionen Euro im Jahr 2035 steigen. Die Berechnung geht von einem Zinssatz von 3,5 Prozent und einer jährlichen Tilgung von zwei Prozent aus.
Die Folgen werden auch die Städte und Gemeinden spüren. Denn steigende Zinsen und Abschreibungen belasten den Kreishaushalt. Finanziert wird dieser unter anderem durch die Kreisumlage, die alle 14 Landkreisgemeinden zahlen müssen.
Wie stark die Umlage tatsächlich steigen wird, lässt sich derzeit allerdings nicht beziffern. Neben den Schulbaukosten spielen auch die Finanzkraft der Gemeinden und weitere Ausgaben des Landkreises eine Rolle.
Auch ein möglicher Verzicht auf das vierte Gymnasium wurde durchgerechnet. Ohne den Neubau könnte die Verschuldung im Jahr 2035 rechnerisch bei rund 140,5 Millionen Euro liegen. Das wären etwa 34 Millionen Euro weniger als bei Umsetzung der bisherigen Planungen.
Allerdings berücksichtigt dieser Vergleich nicht die zusätzlichen Kosten für Erweiterungen der bestehenden Schulen. Auch Ersatzgebäude und weitere Sporthallen könnten notwendig werden. Belastbare Kostenberechnungen für solche Alternativen liegen bislang nicht vor.
Hinzu kommen bereits entstandene Planungs- und Grundstückskosten. Bei einem Abbruch der bisherigen Vorhaben könnten außerdem Schadensersatzforderungen entstehen.
Die Landkreisverwaltung hält einen Verzicht auf das Gymnasium Cadolzburg deshalb weder aus schulischer noch aus wirtschaftlicher Sicht für vertretbar.
Landrat Bernd Obst betonte die Bedeutung der Investitionen: «Investitionen in unsere Schulen sind Investitionen in die Zukunft unseres Landkreises.»
Der Grundsatzbeschluss für ein viertes Gymnasium war bereits im Oktober 2021 einstimmig gefallen. Im März 2023 genehmigte das bayerische Kultusministerium die Neugründung.
Die Sondersitzung am 26. Oktober diente ausschließlich der Information. Neue Beschlüsse wurden nicht gefasst. In den kommenden Monaten sollen die Planungen, Genehmigungsverfahren und Förderanträge weiter vorangebracht werden.

