An der Hainbergstraße in Oberasbach erinnert seit Mittwoch ein großes Plakat an einen Fall, der die Ermittler bis heute beschäftigt: den Tod der damals zwölfjährigen Marion Baier. In der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 1973 wurde das Mädchen nach Angaben der Polizei im Oberasbacher Gemeindeteil Kreutles von einem bislang unbekannten Täter getötet. Zum 53. Jahrestag des Verbrechens hat die Kriminalpolizei Fürth nun eine neue Plakat- und Flyeraktion gestartet.
Das Plakat steht unweit des früheren Tatorts. Darauf ist ein Foto von Marion Baier zu sehen, daneben die Frage: «Kennst Du meinen Mörder?» Hinweise nimmt die mittelfränkische Polizei rund um die Uhr unter der Telefonnummer 0911 2112-3333 entgegen. Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat oder zur Festnahme des Täters führen, ist eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt.
Der leitende Ermittler, Kriminalhauptkommissar Jan Frühwald, sagte bei dem Termin in Oberasbach, die Plakataktion sei eine zusätzliche Maßnahme. In den vergangenen Wochen und Monaten habe die Polizei festgestellt, dass noch viele Menschen Erinnerungen an die damalige Zeit hätten. Daraus hätten sich «vielversprechende Ermittlungsansätze» ergeben, die überwiegend abgearbeitet worden seien. Mit der Aktion hoffe die Kriminalpolizei nun auf weitere Hinweise, auch auf solche, die Zeugen selbst möglicherweise zunächst nicht für wichtig hielten.
Nach bisherigen Erkenntnissen hatte sich Marion Baier am Abend des 1. Juli 1973 auf dem Fischerfest in Zirndorf aufgehalten. Eine Schulfreundin sah sie dort zuletzt gegen 20 Uhr. Am Morgen des 2. Juli 1973 fand ein Arbeiter die Leiche des Mädchens auf einer Fläche des damaligen Neubaugebiets an der Hainbergstraße in Oberasbach. Marion Baier war erschlagen worden. Wegen des teilweise entkleideten Leichnams gingen die Ermittler bereits damals davon aus, dass sie einem Sexualstraftäter zum Opfer gefallen war.
Frühwald sagte, die Polizei gehe davon aus, dass der Auffindeort auch der Tatort sei. In den vergangenen Monaten seien viele Personen überprüft und Menschen aus dem damaligen Umfeld erneut befragt worden.
Der Mordfall Marion Baier steht in Verbindung mit dem ebenfalls ungeklärten Mordfall Sonja Hurler. Das 13-jährige Mädchen war in der Nacht vom 4. auf den 5. Juli 1981 in Kempten verschwunden und später tot aufgefunden worden. Bei neuen Untersuchungen gelang es den Ermittlern, eine DNA-Spur an der Kleidung von Marion Baier zu sichern. Eine Überprüfung ergab, dass dieselbe DNA auch am Tatort im Fall Sonja Hurler gefunden wurde.
Im Januar hatte die Polizei bereits mitgeteilt, dass rund 150 Hinweise zu den beiden Cold Cases eingegangen waren. Die Ermittler in Fürth und Kempten prüfen seitdem mögliche Verbindungen zwischen den Fällen.
Mit der neuen Aktion richtet sich die Kriminalpolizei besonders an Menschen, die die 1970er- und 1980er-Jahre in Oberasbach, Zirndorf oder Kempten selbst erlebt haben. Nach dem Aufstellen des Plakats verteilten die Ermittler Flyer in Seniorenwohnanlagen. Frühwald sagte, gerade ältere Personen könnten wichtige Erinnerungen haben, etwa dazu, wer damals wo gewohnt habe, wer Marion Baier kannte oder welche Verbindungen es zwischen Mittelfranken und Kempten gegeben habe.

