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Die überraschende Geschichte eines verschwundenen Altars – 275 Jahre Markgrafenkirche Cadolzburg

19. Oktober 2026, 10:28 Uhr
Die Markgrafenkirche in Cadolzburg feiert ihr 275-jähriges Bestehen. (Foto: .Ronald Heinrich)Die Markgrafenkirche in Cadolzburg feiert ihr 275-jähriges Bestehen mit einer Sonderausstellung (Foto: Ronald Heinrich)

Was nicht mehr zum Zeitgeschmack passt, muss weichen. Das galt offenbar auch für einen wertvollen Altar aus dem frühen 15. Jahrhundert, der einst in der Cadolzburger Kirche stand. Als das Gotteshaus vor 275 Jahren neu errichtet wurde, verschwand das Kunstwerk zunächst im Pfarrhaus. Seine Bedeutung erkannte man erst später wieder. Heute befindet sich der Cadolzburger Altar im Jagdschloss Grunewald in Berlin. Es ist eine von vielen Geschichten rund um die Markgrafenkirche, die jetzt ihr 275-jähriges Bestehen feiert.

Am 17. Oktober 1751 wurde das Gotteshaus eingeweiht. Die Wurzeln der Kirche reichen allerdings viel weiter zurück. Schon im 13. Jahrhundert stand an dieser Stelle ein gotischer Bau, der der heiligen Cäcilie gewidmet war. Mitte des 18. Jahrhunderts entstand nach Plänen des markgräflichen Hofbaumeisters Johann David Steingruber eine neue protestantische Barockkirche. Wer heute den Innenraum betritt, findet noch immer wesentliche Elemente der damaligen Gestaltung vor, darunter die Emporen und die prächtige Altarwand.

Wie eng die Geschichte der Kirche mit der des Ortes verbunden ist, zeigt eine Sonderausstellung im Historischen Museum Cadolzburg. Entwickelt wurde sie von Angela Unterburger in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein. Neben historischen Dokumenten sind dort auch Gegenstände zu sehen, die über Jahrhunderte zum kirchlichen Leben gehörten.

Zu den besonderen Stücken zählt ein Abendmahlskelch aus dem 17. Jahrhundert, den der Nürnberger Goldschmied Andreas Michael gefertigt hat. Hinzu kommen alte kirchliche Textilien und zwei mächtige Bibeln, die bereits existierten, als die heutige Markgrafenkirche noch gar nicht gebaut war. Sogar Baupläne der Arche Noah mit einem Belegungsplan gehören zur Ausstellung.

Foto: Ronald Heinrich

Besonders bemerkenswert ist die Geschichte des alten Altars. Das um 1420/25 entstandene Werk zeigt unter anderem Friedrich I., den ersten brandenburgischen Kurfürsten aus dem Hause Hohenzollern, und seine Frau Elisabeth. Nach dem Kirchenneubau geriet das Kunstwerk zunächst in Vergessenheit. Im 19. Jahrhundert wurde seine Bedeutung wiedererkannt. Auch der spätere deutsche Kaiser Friedrich III. interessierte sich dafür. Der Altar gelangte schließlich nach Berlin, wo er bis heute aufbewahrt wird.

Die Ausstellung richtet sich nicht nur an Geschichtsinteressierte. Für Kinder gibt es eine Spielecke rund um die hölzernen Zahlentafeln, mit denen früher die Kirchenlieder im Gottesdienst angekündigt wurden. Eine solche Zahl aus alten Beständen kann gegen eine kleine Spende als Erinnerung mitgenommen werden.

Das Jubiläum feierte die Kirchengemeinde mit einem mehrtägigen Programm, darunter ein Konzert, Angebote für Familien und ein Festgottesdienst mit Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern.

Das Historische Museum am Pisendelplatz ist mittwochs bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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