Am 22. März entscheiden die Bürger in der Stadt Stein in einer Stichwahl über das Amt des Bürgermeisters. Für „Fürth Aktuell“ haben beide Kandidaten vier Fragen zu zentralen Zukunftsthemen der Stadt beantwortet. Dabei ging es unter anderem um die angespannte Haushaltslage, wichtige Investitionen, die Entwicklung des Weihersberg-Areals sowie um die Verkehrssituation rund um die stark belastete B14. Um einen transparenten Vergleich zu ermöglichen, wurden Bertram Höfer und Kurt Krömer dieselben Fragen gestellt. Die Antworten wurden redaktionell nicht verändert.
Fürth Aktuell: Die Haushaltslage ist auch in Stein angespannt. Wie wollen Sie in den kommenden sechs Jahren sicherstellen, dass wichtige Investitionen möglich sind?
Bertram Höfer (CSU): “Zu Beginn braucht es eine umfassende Analyse der aktuellen Ausgaben durch eine Struktur- und Sparkommission. Hier müssen die Verwaltung und der Stadtrat gemeinsam an einem Strang ziehen, nach dem Vorbild des Landkreises. Es ist wichtig, Sparpotenziale zu erkennen und die richtigen Maßnahmen daraus abzuleiten. Parallel dazu werden alle Verwaltungsabläufe beleuchtet. Ich bin mir sicher, dass gerade im Bereich der Organisation wertvolle Impulse aus der Verwaltung selbst kommen werden. Nur so werden wir den Haushalt konsolidieren können und auch in der Zukunft handlungsfähig bleiben. Das ist die Basis für zukünftige Investitionen, die stets auf ihre Notwendigkeit und Finanzierbarkeit überprüft werden müssen.”
Kurt Krömer (SBG): “Die Haushaltslage in Stein ist wie in allen anderen bayerischen Kommunen angespannt. Wir werden Prioritäten bei den Investitionen setzen müssen. Wir können aber auch feststellen, dass sich die Gewerbesteuer in Stein auf einem stabilen Niveau befindet. Auch die Steigerung der Einkommensteuer durch mehr Einwohner ist erfreulich. Im Vergleich zu 2024 werden wir in diesem Jahr fast eine Million Euro mehr, also insgesamt rund 11,6 Millionen Euro erhalten. Dieser wird bis 2029 auf 13,4 Millionen Euro ansteigen. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle, dass die Stadt Stein wie auch der Markt Wilhermsdorf, gemeinsam mit weiteren fast 300 Kommunen, gegen die vom Zensus festgestellten Einwohnerzahlen klagen. Dies war erforderlich, da die Zensus-Zahlen gegenüber unseren Einwohnermeldeamtszahlen um fast 1.000 Einwohner abweichen und somit niedriger sind. Dies hat zur Folge, dass wir weniger Schlüsselzuweisungen erhalten, aber auch unser Einkommensteueranteil geringer ausfällt, als er eigentlich sein müsste. Und bei 1.000 weniger Einwohner sprechen wir von fast einer Million Euro jährlich.
Die Ankündigung des Freistaats Bayern, die Betriebskosten für die Kindertageseinrichtungen in den nächsten zwei Jahren deutlich zu erhöhen, wird uns entsprechende Freiräume schaffen, um auch weiterhin in die Infrastruktur investieren zu können. Zusätzlich werden wir, wie bisher, alle Förderprogramme für die anstehenden Projekte ausnutzen, um unseren finanziellen Eigenanteil so gering wie möglich zu halten. Neben den Schlüsselzuweisungen des Freistaates wird uns ebenfalls das Sondervermögen des Bundes in Höhe von zwei Millionen Euro helfen, weitere wichtige infrastrukturelle Projekte zu realisieren. Und diese zwei Millionen Euro stehen uns für die nächsten vier Jahre zur Verfügung.”
Fürth Aktuell: Welche größeren Projekte wollen Sie in den kommenden Jahren in Stein umsetzen? Welche Themen haben aus Ihrer Sicht besondere Priorität?
Kurt Krömer: “Für mich stehen hier die Themen Bildung und Kinderbetreuung, aber auch der Sport an oberster Stelle. Mit dem Neubau der Grundschule investieren wir in die Zukunft unserer Kinder und sorgen für optimale Bildungschancen. Denn es wurde dem Stadtrat bereits Anfang 2025 in einer Studie eines Fachbüros nachgewiesen, dass auf dem Schulgelände Mühlstraße keine zusätzlichen benötigten Klassenräume möglich sind. Deshalb wurde einstimmig mit den Stimmen der CSU-Stadtratsfraktion das zukünftige Raumprogramm für eine nach neuesten pädagogischen Kenntnissen konzipierte Grundschule beschlossen. Weiter hat der Stadtrat beschlossen, die bisherigen Grundschulstandorte Mühlstraße und Neuwerker Weg aufzugeben. Dass nun der CSU-Kandidat einen anderen Weg wider besseren Wissens beschreitet, entspricht nicht der Beschlusslage des Stadtrates und würde auch für die Schüler nachteilig sein. Gleichzeitig werden wir mit dem Grundschulneubau die gesetzlich vorgegebene Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder weiter ausbauen, sodass wir in Stein eine bedarfsgerechte Hortbetreuung anbieten können. Die Investition des Grundschulneubaues wird über die verschiedenen Förderprogramme des Bundes wie auch des Freistaats Bayern gefördert. Das freiwerdende Schulgrundstück an der Mühlstraße werden wir dann verkaufen und den Erlös für den Grundschulneubau verwenden. Auch in Sachen Sport werden wir das Konzept, das wir gemeinsam mit den Steiner Sportvereinen erarbeitet haben und von den Vereinen auch befürwortet wurde, umsetzen. Auch hierfür werden wir alle Fördermöglichkeiten ausnutzen. Bereits jetzt haben wir unser Projekt zur Förderung beim Bund eingereicht. Auch dies wurde einstimmig, also auch mit den Stimmen der CSU-Fraktion, beschlossen.
Positiv überrascht bin ich darüber, dass die CSU eigentlich ein eigenes Sportkonzept verfolgt, nun aber dem Förderantrag des Sportcampus zustimmt. Es ist ja gut zu wissen, dass das Konzept des Sportcampus nun doch von allen Stadtrats-Fraktionen mitgetragen wird, da der Beschluss auch Bestandteil des Förderantrages war. Und wir dürfen eines nicht vergessen, dass wir mit dem Verkauf des Weihersberg-Areals mit eine Bruttogesamtfläche von über 180.000 m², auch erhebliche Verkaufserlöse erzielen, die wir zur Finanzierung dieser für Stein so wichtigen Infrastrukturprojekte in Bildung und Sport verwenden werden.”
Bertram Höfer: “Natürlich steht hier das Areal Weihersberg im Fokus, eines der herausragendsten städtebaulichen Projekte der letzten Jahrzehnte in Stein. Es bietet, gut geplant, große Chancen für Stein, kann aber auch einige Risiken mit sich bringen. Darum müssen wir hier wohl überlegt handeln. Es gilt immer, die ganze Stadt im Blick zu haben. Es wäre aus meiner Sicht falsch, sich nur auf den Weihersberg zu konzentrieren und dabei die gesamtstädtische Entwicklung außer Acht zu lassen. Es muss immer auch Möglichkeiten der Nachverdichtung im innerstädtischen Bereich geben, und wir müssen insgesamt in die Infrastruktur, zum Beispiel unsere Straßen, investieren. Ein weiterer Punkt ist, vorhandene Ressourcen zu nutzen und weiterzuentwickeln, wie zum Beispiel die Schulen in Stein. Wir werden mittelfristig die bestehenden Gebäude der Grundschule im Neuwerker Weg und in der Mühlstraße sanieren und ausbauen.”
Fürth Aktuell: Das geplante Quartier Weihersberg war im bisherigen Wahlkampf ein großes Thema. Wie lautet Ihr konkreter Fahrplan für den Weihersberg?
Bertram Höfer: “Der Fahrplan ist relativ einfach. Wir realisieren, was notwendig und machbar ist und lassen das ‘Wünsch dir was’ weg. Neben der moderaten Schaffung von Wohnraum braucht es auch Gewerbeflächen für bestehende und neue Steiner Unternehmen. Hier kommt es auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wohnen und Gewerbe an. Zusammen mit den Steiner Sportvereinen muss ein tragfähiges Konzept für die Erweiterung und Sanierung der bestehenden Sportflächen auf dem Weihersberg, die von allen Steiner Sportvereinen genutzt werden sollen, erarbeitet werden. An dieser Stelle möchte ich noch einmal sehr deutlich betonen: Die CSU plant den Weihersberg nicht neu, sondern wir optimieren den aktuellen Planungsstand. Nicht nur beim Thema Weihersberg, sondern generell ist es mir ein Anliegen, Entscheidungsprozesse transparent abzubilden und die Bürger ehrlich und auf Augenhöhe zu beteiligen.”
Kurt Krömer: “Wir werden in den nächsten Wochen das Bebauungsplanverfahren starten und ein Scoopingtermin mit Fachbehörden und Trägern öffentlicher Belange wird sich anschließen. Anschließend wird es gesetzlich vorgegebene öffentlichen Beteiligungsphasen geben. Parallel dazu werden wir den seit über 20 Jahren alten Flächennutzungsplan aktualisieren. Auch hierfür haben wir im Stadtrat bereits die Grundlagen in einem Workshop geschaffen. Dieser neue Flächennutzungsplan wird nicht nur wegen dem Projekt Weihersberg neu erstellt. Denn in den vergangenen Jahrzehnten wurden einzelne Gebiete in ihrer Nutzung geändert. Zusätzlich werden wir auch hier entsprechende Flächen für Windkraftanlagen festlegen, wozu wir rechtlich verpflichtet sind. Auch für die Änderung des Flächennutzungsplanes gibt es neben einem gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren, das wir in allen Punkten einhalten werden, auch entsprechende Abstimmungsgespräche mit Fachbehörden.
Auch die Expansionswünsche des Freizeitbades Kristall Palm-Beach werden wir berücksichtigen, um diese wichtige touristische Einrichtung für die Stadt Stein wie auch für den Landkreis Fürth zu stärken. Hierfür stehen wir mit den Verantwortlichen des Freizeitbades im Austausch. Zusätzlich soll im Rahmen des Weihersberg-Projektes für die Besucher des Freizeitbades eine ausreichende Anzahl an Parkplätzen geschaffen werden, um den Besucherverkehr aus den Wohngebieten zu bekommen.
Während diesen beiden Planungsverfahren werden die notwendigen Abstimmungsgespräche bei der Regierung von Mittelfranken für den Grundschulneubau, den offenen Ganztag inklusive den Kooperationen sowie den integrierten neuen Hort geführt. Zusätzlich werden wir, wie vom Stadtrat beschlossen, für das Gelände „Waldsportpark“ ein Bebauungsplanverfahren für ein Gewerbegebiet starten, so dass auf dem über 30.000 m2 großen Areal Steiner Unternehmen expandieren oder sich neue Betriebe ansiedeln können. Somit geben wir Steiner Betrieben eine Perspektive und gleichzeitig schaffen wir neue Arbeitsplätze und stärken den Wirtschaftsstandort Stein.
Auch der Sportcampus mit den sechs Fußballplätzen und der Turnhalle wird nach einem Bebauungsplanverfahren in Angriff genommen und realisiert. Dieser Schritt ist wichtig, da der Waldsportpark mit der Fertigstellung des Sportcampus in das beschriebene Gewerbegebiet umgewandelt werden soll. Und der Verkauf dieser Gewerbe-Grundstücksflächen trägt zur Finanzierung des Sportcampus bei, so wie das vom Stadtrat beschlossene Finanzierungskonzept Waldsportpark.
Damit dies auch alles finanziert werden kann, war und ist sich der Stadtrat einig, die Gesamtfläche des Weihersberg-Areals in Bauabschnitte entsprechend den zur Umsetzung anstehenden Bauvorhaben wie Grundschule und Sportcampus aufzuteilen, die dann verkauft werden. Die hierzu notwendigen Investorengespräche zu den jeweiligen Bauabschnitten werden während des Bebauungsplanverfahrens geführt, so dass bei einer entsprechenden Planreife nach dem Grundstücksverkauf mit der Realisierung der städtischen Projekte Grundschule und Sportcampus und parallel dazu mit dem Wohnungsbau begonnen werden kann und sich der Weihersberg stufenweise entwickelt.“
Fürth Aktuell: Die B14 ist das Dauer-Thema in Stein. Sehen Sie eine realistische Chance, die Verkehrsbelastung zu reduzieren und wo setzen Sie verkehrspolitisch generell Ihre Prioritäten, um die Mobilität in der Stadt zukunftsfähig zu gestalten?
Kurt Krömer: “Die B 14 ist seit mehreren Jahrzehnten ein beherrschendes Thema in der Stadt Stein. Leider verweigert sich die Stadt Nürnberg nach wie vor, einer Umgehungsstraße für Stein zuzustimmen und diese auf Nürnberger Stadtgebiet an das Straßennetz anschließen zu lassen. Dies ist für Stein umso bedauerlicher, da für den Bau einer Umgehungsstraße die Stadt Stein keinerlei Kosten übernehmen müsste, da es sich um eine Bundesstraße handelt und alle Kosten von Bund und Land zu tragen wären.
Auch eine U-Bahn ist in weite Ferne gerückt. Dies hat das Intermodale Verkehrsgutachten, das von den Städten Nürnberg und Stein und dem Landkreis Fürth in Auftrag gegeben wurde, im Januar 2025 ergeben. Das kurz vor der Wahl veröffentlichte Video mit dem Nürnberger Oberbürgermeister hat innerhalb der Steiner Bevölkerung für Verunsicherung geführt, da der Eindruck vermittelt wurde, die U-Bahn nach Stein sei kein Problem. Dies hätte mich auch verwundert, da bei der deutschlandweit geltenden „Standardisierten Bewertung” der Nutzen-Kosten-Indikator (NKI) von größer 1 mit 0,89 nicht erreicht wurde und es somit keine Förderung gibt. Dieser suggerierende Eindruck ist aber falsch, was mir auch von unserem Landrat bestätigt wurde, da es weder von einem Bundesministerium noch vom Freistaat Bayern eine neue Aussage zu einer Förderung gibt. Kurzfristig werden wir uns mit der Pförtnerung des Verkehrs vor den Toren Steins beschäftigen, um hier den Durchfluss der von Ansbach kommenden Fahrzeuge steuern zu können und somit eine flüssige Durchfahrt von Stein zu erreichen.
Zusätzlich werden wir Lösungen im ÖPNV suchen. Die erste Änderung wird es bei der Linie 64 geben, die ab Mitte April bereits das Neubaugebiet in Unterweihersbuch in den Morgenstunden mehrmals anfahren wird. Den Landkreis Fürth, als zuständige Behörde für den ÖPNV, werden wir auffordern, die Linie 154 bis zum S-Bahn-Haltepunkt Unterasbach stärker auszubauen und hier ein besseres Angebot für die Pendler nach Nürnberg zu schaffen.
Bereits mit dem ersten Bauabschnitt beim Weihersberg-Projekt wird es auch eine Neuausrichtung und Verbesserung des gesamten Busnetzes für Stein geben müssen, um auch hier die Attraktivität zu steigern. Dies habe ich bereits bei meinen Gesprächen mit dem Landratsamt angekündigt. Zusätzlich wird in den nächsten Jahren eine Verbesserung des Radverkehrs in und nach Stein geben. Denn mit dem Radschnellweg von Zirndorf und Oberasbach nach Nürnberg wird auch Stein mit angebunden werden und gerade für Radpendler eine Verbesserung bringen.”
Bertram Höfer: “Weil beim Thema Verkehr nicht die eine große Idee kommen wird, die alles löst, brauchen wir mehrere „kleine“ Lösungen, die in Summe dann eine spürbare Entlastung bringen. Einige dieser Lösungen können relativ schnell angegangen werden, wie zum Beispiel eine bessere Anbindung des S-Bahnhaltes Unterasbach durch Veränderungen der Buslinienführung und/oder –taktung, sowie der verstärkte Ausbau des Radwegenetzes – Stichwort Brückenschlag nach Gebersdorf, analog zum Neuwerksteg nach Eibach. Ein weiterer Punkt wäre eine innovative Busführung in den Stoßzeiten, um am täglichen Stau vorbeizufahren. Und natürlich müssen wir auch langfristig an einer U-Bahn- oder Seilbahnlösung für die B14 dranbleiben und stetig, in Absprache mit dem Landkreis, der Stadt Nürnberg, dem Freistaat und dem Bund, an den Rahmenbedingungen arbeiten.”
Fürth Aktuell: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.
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