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Kein Wasser, aber viele Ideen: Zukunft des Jugendbads in Fürth Burgfarrnbach bleibt offen

10. Juni 2026, 15:39 Uhr ,
Die Zukunft des Jugendbads in Burgfarrnbach ist weiter ungewiss. Das Bad wird vorerst nur vorübergehend geschlossen, bis die Verwaltung weitere Nutzungskonzepte vorgelegt hat. Foto: CSU FürthDie Zukunft des Jugendbads in Burgfarrnbach ist weiter ungewiss. Das Bad wird vorerst nur vorübergehend geschlossen, bis die Verwaltung weitere Nutzungskonzepte vorgelegt hat. Foto: CSU Fürth

Es ist eines dieser kleinen Bäder, die für viele Menschen mehr sind als nur ein Ort zum Schwimmen. Das Jugendbad Burgfarrnbach liegt hinter der Farrnbachschule, etwas versteckt, überschaubar, vor allem auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet. Seit rund 60 Jahren wird es als saisonales Freibad genutzt. Nun stand es in der Sitzung des Finanz- und Verwaltungsausschusses eigentlich vor dem endgültigen Aus. Doch nach einer emotionalen Debatte gab am Mittwochnachmittag zumindest eine kleine Wendung: Die dauerhafte Schließung ist vorerst zumindest begrifflich vom Tisch. Stattdessen beschloss das Gremium einstimmig eine „vorläufige Betriebseinstellung“ und beauftragte die Verwaltung, bis zum Herbst alternative Konzepte zu prüfen. Sicher ist nur: In dieser Saison bleibt das Becken leer.

Der Zustandsbericht der infra fürth fällt deutlich aus: Vor einer erneuten Inbetriebnahme wären nach Einschätzung des Versorgers einmalige Investitionen von 150.000 bis 200.000 Euro netto notwendig. Dabei geht es nicht um einzelne Schönheitsreparaturen, sondern um gravierende technische, bauliche und sicherheitsrelevante Mängel. Dominic Strotzer, Bäder-Betriebsleiter der infra, machte in der Ausschusssitzung den Ernst der Lage deutlich: „Das Jugendbad ist aktuell nicht betreibbar. Sobald sie Wasser einfüllen, ist es durch die Löcher auch schon wieder weg.“

Bereits in den vergangenen zehn Jahren habe man über 200.000 Euro in akute Reparaturen wie Rohrbrüche und Risse im Beton gesteckt. Das Problem sei historisch gewachsen: „Damals hat man das Becken einfach in den Acker reinbetoniert. Das merkt man jetzt.“ Ein weiterer Knackpunkt ist das Personal. Die bisher für das Jugendbad eingesetzte Fachkraft steht laut infra nicht mehr zur Verfügung. Für den Betrieb brauche es zwingend Personal mit fachlichem Hintergrund in der Schwimmbadtechnik. „Es gibt niemanden mehr, den man als einzelne Person als universelle Kraft beschäftigen könnte“, so Strotzer angesichts des massiven Fachkräftemangels.

Bürgermeister Markus Braun (SPD) zeigte zwar Verständnis für die emotionalen und persönlichen Erinnerungen vieler Burgfarrnbacher an das Bad, verwies aber auf die harten Zahlen. Jährlichen Unterhaltskosten von rund 45.000 Euro stünden zuletzt drastisch gesunkene Besucherzahlen gegenüber – von ehemals 1.800 auf zuletzt teils unter 300 Badegäste im Jahr. Für Schwimmausbildung oder Vereinssport sei das unbeheizte Becken zudem ungeeignet. Braun fasste das Missverhältnis überspitzt zusammen: Man könnte jedes Kind aus Burgfarrnbach mit dem Taxi ins Sommerbad Scherbsgraben fahren, den Eintritt zahlen und per Taxi wieder zurückbringen – und die Stadt würde im Vergleich zu einer Sanierung immer noch Geld sparen.

Die CSU-Fraktion, die sich im Vorfeld für den Erhalt des Bades starkgemacht hatte, äußerte Kritik am Vorgehen. Fraktionschef Max Ammon betonte, dass der Mitgliederschwund auch hausgemacht sei: „Die Öffnungszeiten wurden immer weiter eingedämmt, zuletzt auf drei Tage. Wenn man oft vor verschlossenen Türen steht, kommt man nicht mehr.“ Er kritisierte, dass die Missstände bereits am Ende der vergangenen Saison bekannt gewesen seien, die Diskussion über eine Komplettschließung aber erst jetzt, mitten in der Saison, auf den Tisch komme. Ammon forderte, alternative Modelle wie ehrenamtliches Engagement, die Einbindung von Vereinen oder Stiftungen zu prüfen. Dem schloss sich CSU-Stadtrat Dr. Michael Au an, der einen ausdrücklichen Prüfantrag stellte, um auszuloten, unter welchen Bedingungen das Bad – etwa ohne Aufsicht und Eintritt – erhalten bleiben könnte.

Auch die anderen Fraktionen sahen Diskussionsbedarf. Kamran Salimi (Grüne) merkte an, dass 200.000 Euro für weniger als 300 Kinder in keinem Verhältnis stünden. Da es vor Ort ohnehin eher um Abkühlung als um echten Schwimmsport gehe, brachte er ein Naturbad ins Spiel. Bäder-Chef Strotzer gab jedoch zu bedenken, dass ein Naturbad ohne Aufsicht ein hohes Unfallrisiko berge. Er selbst, ebenso wie Bürgermeister Braun und SPD-Stadtrat Maurice Schönleben, favorisierten stattdessen die Idee eines Wasserspielplatzes. Dieser brauche deutlich weniger Personal und Technik, würde der Jugend die Fläche aber nicht entziehen.

Um keine „Hängepartie“ (Schönleben) entstehen zu lassen, aber gleichzeitig keine voreiligen Fakten zu schaffen, ruderte Bürgermeister Braun beim ursprünglichen Beschlussvorschlag zurück. Das Wort „dauerhaft“ wurde gestrichen. Der Ausschuss beschloss schließlich einstimmig, den Betrieb vorläufig einzustellen. Bis zu den Haushaltsberatungen im November hat die Verwaltung nun den Auftrag, Konzepte für eine Nachnutzung des Areals – explizit auch einen Wasserspielplatz oder alternative Badenutzungsoptionen – zu erarbeiten. Der Abrissbagger rollt in Burgfarrnbach also vorerst nicht.