Sonntag, 28. Juni 2026 13:35
Wetter34.3°C | Klarer Himmel

Friedhöfe im Hitzetest: Sonnenschirme in Seukendorf, alte Bäume in Fürth

28. Juni 2026, 11:41 Uhr
Seukendorf setzt auf Sonnenschirme und Bäume, um Trauergäste bei Beerdigungen im Sommer besser vor Hitze zu schützen. Friedrich Schröppel, Geschäftsführer der hk Steuerberatungsgesellschaft, zusammen mit Ersten Bürgermeister Sebastian Rocholl. (Foto: Ronald Heinrich)Seukendorf setzt auf Sonnenschirme und Bäume, um Trauergäste bei Beerdigungen im Sommer besser vor Hitze zu schützen. Friedrich Schröppel, Geschäftsführer der hk Steuerberatungsgesellschaft, zusammen mit Ersten Bürgermeister Sebastian Rocholl. (Foto: Ronald Heinrich)

Wer bei großer Hitze auf einem Friedhof Abschied nimmt, spürt die Belastung oft doppelt. Die Trauerfeier verlangt Ruhe und Würde, zugleich stehen viele Menschen lange in der Sonne. Besonders bei Beerdigungen im Sommer kann das schnell anstrengend werden. Während die Großstadt Fürth dabei auf ihren alten Baumbestand vertraut, ergreift die Gemeinde Seukendorf im Landkreis Fürth nun Maßnahmen zum Schutz der Trauergäste.

Nach Angaben von Seukendorfs Erstem Bürgermeister Sebastian Rocholl hat die Gemeinde ab sofort vier Sonnenschirme im Einsatz. Sie sollen direkt auf dem Friedhof gelagert werden und je nach Situation dort aufgestellt werden, wo sie gebraucht werden. Das sei wichtig, weil Trauerfeiern auf dem Friedhof nicht immer an derselben Stelle stattfinden. Bei Urnenbestattungen, Erdgräbern und anderen Formen des Abschieds müsse der Sonnenschutz flexibel einsetzbar sein.

Rocholl berichtete, dass es im vergangenen Jahr einen Fall gegeben habe, bei dem eine Person auf dem Friedhof gesundheitliche Probleme hatte. Auch deshalb seien die Schirme angeschafft worden. Es handelt sich nach Darstellung des Bürgermeisters um solche, die für den öffentlichen Raum geeignet seien. Sie müssen deshalb besondere Anforderungen erfüllen, unter anderem mit Blick auf die Standfestigkeit bei Wind. Die Gemeinde gibt für die vier Schirme rund 4000 Euro aus. Ein Sponsor übernimmt davon die Hälfte. Nach Rocholls Angaben wurden 2000 Euro zweckgebunden gespendet. Der Sponsor habe bewusst darauf verzichtet, Logos oder Werbung anbringen zu lassen. Die offizielle Übergabe der Spende durch Friedrich Schröppel, Geschäftsführer der hk Steuerberatungsgesellschaft, fand in dieser Woche statt.

Die Schirme sollen nicht ausschließlich bei Bestattungen helfen. Rocholl nannte auch Veranstaltungen der Gemeinde als möglichen Einsatzbereich. Als Beispiel erwähnte er die Friedenstafel am 5. Juli. Entscheidend sei aber der konkrete Nutzen auf dem Friedhof. Wenn eine Beerdigung bei großer Hitze stattfindet, könne die Gemeinde künftig zumindest einen Teil der Trauergäste besser schützen.

Dauerhaft soll mehr natürlicher Schatten hinzukommen. Im Herbst will Seukendorf nach Angaben des Bürgermeisters etwa fünf Bäume auf dem Friedhof nachpflanzen. Für den laufenden Sommer bringt das noch keine Entlastung. Bäume brauchen Zeit, bis sie Schatten spenden. Die Pflanzungen sind deshalb vor allem eine langfristige Maßnahme.

Der örtliche Pfarrer Lukas Borchardt sieht die Maßnahme positiv. Er kennt die Situation bei Beerdigungen in Seukendorf und verweist darauf, dass Trauerfeiern in einem Dorf häufig sehr gut besucht sind. Nicht nur enge Angehörige nehmen Abschied. Oft kommen auch Nachbarn, Vereinsmitglieder oder Menschen aus dem weiteren Umfeld. Bei einzelnen Beerdigungen seien mehr als 100 oder sogar 200 Trauergäste dabei.

Diese große Anteilnahme sei grundsätzlich etwas Schönes, sagte Borchardt. Bei hohen Temperaturen könne sie aber auch zu einer besonderen Belastung werden. Auf dem Friedhof gebe es bislang nicht überall ausreichend Schatten. Hinzu komme, dass viele Trauergäste bei Beerdigungen dunkle Kleidung tragen. Wenn dann die Sonne stark scheint, werde die Situation schnell anstrengend.

Borchardt bewertet die geplanten Schirme und die Baumpflanzungen deshalb als sinnvollen Schritt. Die Gemeinde könne damit nicht sofort alle Probleme lösen. Sie beginne aber, sich auf wärmere Sommer einzustellen. Das sei eine Entwicklung, auf die sich auch andere öffentliche Orte einstellen müssten.

In der Stadt Fürth ist die Ausgangslage eine andere. Die Fürther Friedhöfe verfügten über viel natürlichen Schatten durch Bäume, teilt Pressesprecherin Susanne Kramer auf Anfrage von Fürth Aktuell mit. Viele Fürther würden ausdrücklich den alten Baumbestand und den Parkcharakter der Friedhöfe schätzen.

Die Stadt verweist zudem auf mehrere schattige Aufenthaltsbereiche und Sitzgelegenheiten. Am Hauptfriedhof gebe es unter anderem Bänke am Hauptweg, neben der Aufbahrungshalle unter einem großen Eichenbaum, am Biotop und am Friedhofsrondell, wo auch das Friedhofscafé seinen Platz hat. Am Friedhof in Stadeln gibt es nach Angaben der Stadt neben der Halle eine Sitzreihe unter Bäumen. Je nach Witterung werde dort bereits vor der Trauerfeier die Halle geöffnet. In Vach stünden Sitzbänke unter der Ahornallee zur Verfügung. Außerdem könnten sich Trauergäste unter dem schattigen Vordach der Aussegnungshalle treffen. Dort gebe es vier Bänke sowie zusätzlich einen Warteraum mit Sitzgelegenheiten.

Auch das Thema Trinkwasser war in Fürth bereits Gegenstand von Überlegungen. Ein Wasserspender am Hauptfriedhof sei vor einigen Jahren angeschafft worden, habe aber wieder abgebaut werden müssen. Nach Angaben der Stadt wurde er durch Vandalismus beschädigt, zudem seien Becher entwendet worden. Ein Trinkbrunnen sei damals aus technischen Gründen nicht möglich gewesen. Die Friedhofsverwaltung wolle nun aber erneut prüfen lassen, ob eine solche Lösung umsetzbar ist.

Bei den Bestattungszeiten sieht die Stadt Fürth derzeit keinen akuten Änderungsbedarf. Urnenbestattungen finden zwischen 9 Uhr und 14.20 Uhr statt, Sargbestattungen zwischen 11 Uhr und 13.50 Uhr. Kramer verweist darauf, dass bei Beerdigungen viele Beteiligte koordiniert werden müssen. Dazu zählen Pfarrer und Trauerredner, Bestattungsunternehmen, Steinmetze, Angehörige sowie das Friedhofspersonal, das Gräber öffnet, nach der Beerdigung wieder schließt und Grabstellen sichert. Grundsätzlich seien Urnenbestattungen auch ab 8 Uhr vorstellbar. Eine entsprechende Anfrage sei bislang aber weder von Bestattungsunternehmen noch etwa vom Seniorenbeirat an die Stadt herangetragen worden.

Laut Kramer hat die Friedhofsverwaltung die Folgen zunehmender Hitze schon länger im Blick. Im Mittelpunkt stehe dabei die Pflege und der Erhalt des Baumbestands, der als wichtiger Faktor für ein gutes Klima auf den Friedhöfen und in der Stadt gelte. Bei Neu- und Ersatzpflanzungen achte die Verwaltung auf hitzeresistente Baumarten. In Stadeln würden zum Beispiel keine Fichten mehr nachgepflanzt, sondern Laubbäume, die als widerstandsfähiger gegen Hitze und weniger anfällig für Wind- und Schneebruch gelten.

Auch bei Neuplanungen sollen Aufenthaltsqualität und Schatten eine Rolle spielen. Genannt werden etwa attraktive Sitzgelegenheiten und überdachte Pavillons. Auf den Friedhöfen gebe es zudem Wasserspiele. Bei Rasenflächen werde bewusst auf zu häufiges Mähen verzichtet, weil dies den Boden weiter austrocknen könne. In ausgewiesenen Bereichen profitieren Insekten von Bienenwiesen. Auch Hecken seien Teil der Klimaplanungen, weil sie sich positiv auf das Kleinklima auswirkten.