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«Schmutzigste Straße Deutschlands»? Stadt Fürth zerlegt Feinstaub-Ranking

7. Juli 2026, 15:30 Uhr ,
Die Theresienstraße in Fürth sorgt wegen eines Feinstaub-Rankings für Diskussionen. (Foto: Roland Beck)Die Theresienstraße in Fürth sorgt wegen eines Feinstaub-Rankings für Diskussionen. (Foto: Roland Beck)

Es ist eine Schlagzeile, die aufhorchen lässt: Die Theresienstraße in Fürth soll aktuell die «schmutzigste Straße Deutschlands» sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des Luftfilterherstellers Coway Europe, die inzwischen auch überregional von Medien aufgegriffen wurde. Die Stadt Fürth widerspricht der daraus abgeleiteten Zuspitzung jedoch deutlich.

Ausgangspunkt der Debatte ist eine Pressemitteilung von Coway Europe. Das Unternehmen bezeichnet die Theresienstraße als Spitzenreiter eines bundesweiten PM10-Rankings für Juni 2026. Genannt wird ein Monatsmittelwert von 22,57 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft.

Nach Angaben des Unternehmens wurden vorläufige Messdaten ausgewertet, die auf den Messnetzen der Länder und des Bundes beruhen. Die zehn höchsten Monatsmittelwerte werden in der Mitteilung als Ranking der «schmutzigsten Straßen» präsentiert.

Doch genau die Aussagekraft eines solchen Monatsrankings stellt die Stadt Fürth infrage. Für die rechtliche Bewertung verweist sie auf die 39. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz. Danach gelten für Feinstaub der Partikelgröße PM10 Grenzwerte auf Basis von Tages- und Jahresmittelwerten. Der Jahresmittelwert liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Für den Tagesmittelwert gilt ein Wert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Die Stadt zieht daraus eine klare Schlussfolgerung: «Setzt man den durch Coway errechneten Wert für Juni mit 22,57 µg/m³ in Bezug zum Grenzwert der 39. BImSchV, so liegt dieser deutlich unter dem einzuhaltenden Jahresmittelwert. Bei einem so deutlich unter dem Grenzwert liegenden Wert erscheint die Bezeichnung ‹schmutzigste Straße Deutschlands› wohl nicht angebracht zu sein», erklärt Jürgen Tölk, Leiter des Amtes für Umwelt, Ordnung und Verbraucherschutz auf Nachfrage von Fürth Aktuell.

Nach Angaben der Stadt wurden die maßgeblichen Grenzwerte an der Messstation Theresienstraße in den zurückliegenden Jahren «jeweils sicher eingehalten».

Auf die konkrete Frage von Fürth Aktuell, ob sich aus einem PM10-Monatsmittelwert für einen einzelnen Monat belastbar ableiten lasse, welche Straße in Deutschland insgesamt die höchste Feinstaubbelastung aufweise, antwortet die Stadt unmissverständlich: «Nein.»

«Der Vergleich von Monatswerten mit dem einzuhaltenden Jahresmittelwert der 39. BImSchV ist nicht korrekt», erklärt das Umweltamt. Denn ein Monatsmittel beschreibt die Belastung innerhalb eines einzelnen Monats. Ein Jahresmittel ergibt sich dagegen aus der Entwicklung über das gesamte Kalenderjahr. Die beiden Bezugszeiträume sind nicht identisch.

Eine außergewöhnliche oder gar besorgniserregende Verschlechterung der Luftqualität an der Theresienstraße sieht die Stadt derzeit nicht.

Die Stadt verweist zudem auf aktuelle Messwerte des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. Zum Zeitpunkt der Beantwortung der Anfrage unserer Redaktion habe die Auswertung für die Station Theresienstraße eine «gute Luftqualität» ergeben. Für den vorausgegangenen Tag nennt die Stadt eine «sehr gute Luftqualität».

Ab 2030 gelten in der EU strengere Vorgaben für Feinstaub: Der zulässige PM10-Jahresmittelwert sinkt von derzeit 40 auf 20 Mikrogramm pro Kubikmeter. Coway verweist darauf, dass der für Fürth errechnete Juni-Wert von 22,57 Mikrogramm bereits über dieser künftigen Marke liegt. Der Vergleich ist jedoch ebenfalls nur eingeschränkt aussagekräftig, weil hier ebenfalls ein einzelner Monatsmittelwert einem Grenzwert gegenübergestellt wird, der sich auf den Durchschnitt eines gesamten Jahres bezieht.

Die spektakuläre Schlagzeile vom bundesweiten Schmutz-Spitzenreiter hält einer fachlichen Einordnung damit aus Sicht der Stadt Fürth nicht stand.

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