Die Pläne für 22 Wohnungen im ehemaligen Waldheim Sonnenland stoßen auf deutlichen Widerstand des BUND Naturschutz. Die Fürther Kreisgruppe fordert die Stadt auf, das Verfahren zu stoppen. Der Naturschutzverband sieht durch die geplante Wohnnutzung mitten im Stadtwald unter anderem Natur, Stadtklima und geschützte Tierarten gefährdet.
Die Stadt Fürth hatte nach mehreren Jahren Pause das Planungsverfahren für das frühere Waldheim an der Heilstättenstraße wieder aufgenommen. Ein Bauträger möchte das bestehende Gebäude sanieren, um ein Geschoss aufstocken und darin 22 Wohnungen schaffen. Das Grundstück liegt westlich von Oberfürberg mitten im Fürther Stadtwald.
BN spricht sich gegen Wohnnutzung aus
Für den BUND Naturschutz ist bereits der Standort problematisch. Das Grundstück sei eng von Bannwald und dem europäischen FFH-Schutzgebiet «Fürther und Zirndorfer Stadtwald» umgeben. Der Verband hat seinen Protest deshalb in die bayernweite Kampagne «Hände weg von der Natur» aufgenommen.
Nach Auffassung der Fürther Kreisgruppe würden durch das Vorhaben naturnahe Flächen sowie Bäume und Sträucher beeinträchtigt. Besonders kritisch sieht der BN mögliche Folgen für Zauneidechsen. Nach Darstellung des Verbandes leben die streng geschützten Tiere auf dem Gelände. Eine Umsiedlung und die anschließend stärkere Nutzung des Grundstücks durch Bewohner, Fahrzeuge und Fußgänger könnten ihren Lebensraum erheblich beeinträchtigen.
Die städtische Beschlussvorlage enthält zu konkreten Auswirkungen auf Zauneidechsen bislang keine abschließende Bewertung. Sie weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass wegen der Lage im Umfeld des FFH-Gebiets «Fürther und Zirndorfer Stadtwald» die naturschutzrechtlichen Anforderungen und die Vorgaben des Landschaftsschutzes im weiteren Verfahren geprüft werden müssen.
Kritik mit Blick auf das Stadtklima
Der BN verweist außerdem auf die neue Stadtklimaanalyse der Stadt Fürth. Nach Einschätzung des Verbandes komme dem Wald im Bereich des Waldheims ein hoher Schutzbedarf zu. Waldflächen spielten insbesondere während sommerlicher Hitzeperioden eine wichtige Rolle für die Abkühlung des Stadtgebiets.
Die Stadt Fürth hat 2026 eine umfassende Stadtklimaanalyse mit einer Planungshinweiskarte erarbeiten lassen und den politischen Gremien vorgelegt. Darin werden klimatisch bedeutsame Flächen und daraus abgeleitete Hinweise für die Stadtplanung dargestellt.
Auch die zunehmende Waldbrandgefahr führt der Naturschutzverband gegen eine dauerhafte Wohnnutzung an. Nach Auffassung des BN könnte einerseits die Sicherheit der Bewohner während hoher Waldbrandstufen problematisch werden. Andererseits könnten durch menschliches Verhalten zusätzliche Gefahren für den Wald entstehen, beispielsweise durch weggeworfene Zigaretten oder offenes Feuer.
Wohnnutzung bislang nicht vorgesehen
Einen weiteren Kritikpunkt sieht der Verband im geltenden Flächennutzungsplan. Dort ist das Grundstück derzeit nicht als Wohnbaufläche ausgewiesen, sondern als «Fläche für Gemeinbedarf mit Zweckbestimmung: Sozialen Zwecken dienende Gebäude und Einrichtungen».
Dass die geplante Wohnnutzung davon abweicht, bestätigt auch die Stadt in ihren Planungsunterlagen ausdrücklich. Gerade deshalb soll nun ein Bebauungsplanverfahren durchgeführt werden.
Der BN verweist in diesem Zusammenhang auf eine Stellungnahme aus dem Jahr 2021. Nach Angaben des Verbandes habe der damalige Regierungspräsident von Mittelfranken, Dr. Thomas Bauer, dem BN mitgeteilt, eine private Wohnnutzung des Waldheims solle «bereits aus Gründen der Rechtsklarheit erst nach einer Änderung des Flächennutzungsplanes verwirklicht werden».
Streit um frühere Alternativen
Auch die Vorgeschichte des Waldheims bewertet der Naturschutzverband anders als die Stadtverwaltung. Der Stadtrat hatte 2021 entschieden, eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Gebäudes für etwa drei Jahre zurückzustellen. Unter anderem die Montessori Initiative Fürth sowie weitere Initiativen sollten Gelegenheit erhalten, Konzepte für eine soziale Nutzung auszuarbeiten.
Nach Angaben der Stadt zogen mehrere Vereine ihre Planungen 2023 zurück. Bis 2026 seien keine weiteren konkreten und realisierbaren Konzepte für Einrichtungen mit sozialer Zweckbestimmung eingegangen. Deshalb werde nun das Verfahren für eine Wohnnutzung eingeleitet.
Der BN widerspricht der Darstellung zumindest teilweise. Aus seiner Sicht habe die Stadt die vergangenen Jahre nicht ausreichend genutzt, um alternative Nutzungen ernsthaft voranzutreiben. Als Beispiele nennt der Verband einen Waldkindergarten oder eine Umweltstation. Solche Modelle seien nach BN-Darstellung von städtischer Seite nicht ausreichend unterstützt worden.
BN fordert Planungsstopp
Die Kreisgruppe fordert die Stadt nun auf, die Planungen für eine Wohnnutzung zu beenden. Sie spricht sich außerdem grundsätzlich gegen einen weiteren Verkauf städtischer Grundstücke innerhalb des Fürther Stadtwaldes aus.
Ob aus dem Waldheim Sonnenland tatsächlich 22 Wohnungen werden, ist weiterhin offen. Die Stadt selbst weist darauf hin, dass im weiteren Verfahren unter anderem Natur- und Landschaftsschutz sowie die Erschließung des Grundstücks untersucht werden müssen. Zeigen sich dabei größere Konflikte, soll das Vorhaben nach den bisherigen Planungen in einem detaillierteren Bebauungsplanverfahren behandelt werden.

