Treppen statt Aufzügen und schwierige Wege mit dem Rollstuhl, Kinderwagen oder schwerem Gepäck: Am Fürther Hauptbahnhof wird sich daran noch länger nichts Grundlegendes ändern. Die Deutsche Bahn hat den Zeitplan für den barrierefreien Ausbau erneut verschoben. Die eigentlichen Arbeiten sollen jetzt erst 2029 beginnen und bis 2032 dauern. Oberbürgermeister Thomas Jung reagiert gegenüber Fürth Aktuell mit deutlichen Worten. Die Stadt sei «entsetzt über die erneute Verschiebung».
Dabei sah der bisherige Fahrplan noch ganz anders aus. In diesem Jahr sollten zunächst Arbeiten an der Oberleitung erfolgen. Anschließend war vorgesehen, von 2027 bis 2030 ungefähr einen Bahnsteig pro Jahr umzubauen. Genau diese vorbereitenden Oberleitungsarbeiten bringen den Zeitplan nun ins Wanken.
Eine Sprecherin der Deutschen Bahn erklärt auf Anfrage von Fürth Aktuell, dass auf die Ausschreibung für die vorgesehenen Arbeiten an der Oberleitung kein Angebot eingegangen sei. Ohne diese Arbeiten könne der barrierefreie Umbau nicht wie geplant beginnen.
Die Bahn musste deshalb ihren gesamten Bauablauf ändern. Nach derzeitigem Stand soll der Hauptbahnhof nun zwischen 2029 und 2032 umgebaut werden.
Offen bleibt allerdings, warum sich kein Bauunternehmen um den Auftrag beworben hat. Auf diese Frage ging die Bahn in ihrer Antwort nicht näher ein. Ebenso machte sie keine konkreten Angaben dazu, wie sicher der neue Endtermin 2032 ist und welche zusätzlichen Kosten die Verschiebung verursachen könnte.
Dabei handelt es sich um ein umfangreiches Vorhaben. Die Bahn will die Bahnsteige an den Gleisen 2/3, 4/5 und 6/7 erneuern und auf eine Höhe von 76 Zentimetern über der Schienenoberkante bringen. Beleuchtung und Ausstattung werden ebenfalls modernisiert.
Auch die Bahnsteigdächer sollen unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes erneuert werden. Geplant ist zudem ein Umbau der Personenunterführung. Für die Barrierefreiheit entscheidend sind jedoch die vorgesehenen Aufzüge zu den Bahnsteigen.
Für Oberbürgermeister Thomas Jung ist die erneute Verschiebung besonders ärgerlich, weil der Umbau aus seiner Sicht längst hätte erfolgen müssen. «Der Ausbau ist mehr als überfällig», erklärt Jung gegenüber Fürth Aktuell.
Er verweist auf die Bedeutung des Bahnhofs. Mehr als 10.000 Menschen nutzen nach seinen Angaben täglich den Fürther Verkehrsknotenpunkt. Gleichzeitig fehlen bis heute Aufzüge zu den Regional- und Fernverkehrsgleisen.
Jung beschreibt deshalb nicht nur die Verzögerung eines Bauprojekts, sondern vor allem die Folgen für die Menschen, die täglich am Hauptbahnhof unterwegs sind. Nach dem neuen Zeitplan müssten Reisende mit Kinderwagen, Fahrrad oder Koffer sowie Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, zwei Jahre länger mit den schwierigen Zugängen leben.
Für Menschen, die Treppen nicht bewältigen können, ist die Situation besonders problematisch. Ein selbstständiger Zugang zu allen Bahnsteigen ist unter den heutigen Bedingungen nicht möglich.
Die Begründung der Bahn ist auch der Stadt bekannt. Nach Angaben Jungs war für die geplanten Arbeiten an der Oberleitung eine Ausschreibung erfolgt, auf die kein Unternehmen ein Angebot abgegeben hatte. Daraufhin wurde der Zeitplan neu aufgestellt.
Die Stadt will dennoch versuchen, die Bauarbeiten früher in Gang zu bringen. Jung bezeichnet das Vorhaben als Projekt von «überragender Bedeutung». Fürth werde deshalb versuchen, die Deutsche Bahn zu einem beschleunigten Ausbau zu bewegen.
Ob dieser Vorstoß Erfolg haben wird, kann auch der Oberbürgermeister derzeit nicht sagen. «Das Ergebnis bleibt abzuwarten», erklärt Jung.
Auswirkungen auf andere Projekte rund um den Hauptbahnhof erwartet die Stadt durch die Verzögerung nicht zwingend. Allerdings könnte sich die spätere Umsetzung an anderer Stelle bemerkbar machen: bei den Kosten.
Fürth beteiligt sich finanziell an Teilen des Umbaus. Der Stadtrat hatte unter anderem breitere Zugänge zu den Bahnsteigen und «halbtransparente» Aufzüge beschlossen. Die Mehrkosten dieser gegenüber der ursprünglichen Bahnplanung erweiterten Ausführung übernimmt die Stadt.
Je länger sich das Vorhaben hinzieht, desto größer wird das Risiko steigender Baupreise. Jung geht davon aus, dass Verzögerungen grundsätzlich zusätzliche Kosten verursachen. Deren tatsächliche Höhe hänge von der Inflation ab. Derzeit müsse mit rund zwei Prozent pro Jahr gerechnet werden.
Das Projekt hat ohnehin bereits eine lange Vorgeschichte. Seit 2019 plant die Deutsche Bahn nach Angaben der Stadt den barrierefreien Ausbau des Fürther Hauptbahnhofs gemeinsam mit der Kommune. Sollte der neue Termin eingehalten werden, wäre der Umbau 2032 abgeschlossen. Zwischen Planungsbeginn und Fertigstellung lägen damit mehr als zehn Jahre.

