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Einsatz im Schneegestöber: Wenn der Bürgermeister nachts im Räumfahrzeug sitzt

28. Januar 2026 ,
Veitsbronns Erster Bürgermeister Marco Kistner fuhr eine Nacht beim Winterdienst mit, um die Herausforderungen dieser Arbeit besser nachvollziehen zu können. Am Steuer Bauhof-Chef Rainer Ultsch. Foto: PrivatVeitsbronns Erster Bürgermeister Marco Kistner fuhr eine Nacht beim Winterdienst mit, um die Herausforderungen dieser Arbeit besser nachvollziehen zu können. Am Steuer Bauhof-Chef Rainer Ultsch. Foto: Privat

In den frühen Morgenstunden, wenn die meisten Bürger noch schlafen, beginnt für die Teams des kommunalen Winterdienstes der härteste Teil der Arbeit. Dass in Veitsbronn in diesen Nächten ein besonderer Beifahrer mit im Führerhaus saß, blieb zunächst unbemerkt. Bürgermeister Marco Kistner (CSU) begleitete die Räumtrupps über drei Stunden lang bei ihrem nächtlichen Einsatz, um die Herausforderungen der Schneeräumung aus erster Hand zu erfahren. Laut Kistner, der ab vier Uhr morgens mitfuhr, war ein Wintereinbruch dieser Intensität zuletzt im Jahr 2010 zu verzeichnen, was die Gemeinde vor eine Herausforderung stellte.

Der Rathauschef betonte nach seinem Einsatz, dass es ihm vor allem darum gegangen sei, die tatsächlichen Herausforderungen zu verstehen. Winterdienst habe oft ein hohes Aufregerpotential in der Bevölkerung, weshalb das Erleben vor Ort wertvoll für die spätere Erläuterung von Hintergründen sei. Beeindruckt zeigte sich Kistner von der Präzision der Fahrer. Oft blieben nur wenige Zentimeter Abstand zu parkenden Fahrzeugen. Auch die Ortskenntnis sei entscheidend, da herabhängende Äste unter der Schneelast ständige Hindernisse darstellten. Schwierig gestalteten sich vor allem Wendemanöver in engen Strassenzügen.

„Während viele Bürger im Rahmen der Möglichkeiten ihre Gehwege sehr gut geräumt hatten, waren manchen Anwohnern ihre früher selbstverständlichen Bürgerpflichten leider völlig egal“, so Kistner. Zudem erschwerten überhängende Sträucher und Bäume, die unter der Last des Schnees in die Fahrbahn ragten, das Durchkommen der schweren Fahrzeuge. Kistner lobte hingegen das Verantwortungsgefühl des Bauhof-Teams, das trotz Erschöpfung unermüdlich im Einsatz gewesen sei.

Die Kapazitäten der Gemeinde sind jedoch begrenzt. Der Bürgermeister stellte klar, dass im Rahmen der vorhandenen Ressourcen nicht alle Straßen gleichzeitig geräumt werden könnten. Um eine flächendeckende Räumung und Streuung zu jedem Zeitpunkt zu gewährleisten, müssten Personal, Fahrzeuge und Lagerkapazitäten verdoppelt werden. Die Kosten hierfür würden schätzungsweise im Millionenbereich liegen, was für Veitsbronn nicht realistisch sei. Priorität hätten weiterhin Schulbusstrecken und starke Steigungen. Kistner appellierte an die Bürger, Garagen zu nutzen, Schnee nicht auf die Straße zu schieben und Hecken regelmäßig zurückzuschneiden.

„Es gibt einen Umstand, an dem kann keine Gemeinde etwas ändern: es ist Winter“, betont der Veitsbronner Rathauschef.

Ein ähnliches Bild zeigte sich auch in der Gemeinde Großhabersdorf. Dort ließ es sich Erster Bürgermeister Thomas Zehmeister ebenfalls nicht nehmen, einen Teil der nächtlichen Tour des Winterdienstes zu begleiten. In einem Beitrag schilderte er seine Eindrücke und zeigte sich beeindruckt von der Konzentration, mit der gearbeitet werde.

Geräumt werden könne naturgemäß nur dort, wo parkende Autos den Einsatz nicht unmöglich machten. Zehmeister bat die Bürger zugleich um Verständnis, dass aus Kapazitätsgründen nur die vorgeschriebenen Abschnitte – vor allem Steigungen, Kreuzungsbereiche und Schulbusstrecken – vorrangig geräumt werden können, und dankte den Mitarbeitern für ihren täglichen Einsatz.