Das Bild vom «Leben aus dem Koffer» begleitet Şehbal Şenyurt Arınlı seit ihren ersten Jahren in Deutschland. Es ist zugleich der Titel eines ihrer Bücher und beschreibt eine Erfahrung, die am Dienstag, 29. September, auch bei einer Lesung in Zirndorf eine zentrale Rolle spielen wird: das Leben nach der Flucht, den Verlust der vertrauten Heimat und die Suche nach einem neuen Anfang.
Arınlı ist an diesem Abend im Café Eders zu Gast. Der Zirndorfer Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen veranstaltet dort im Rahmen der Interkulturellen Woche des Landkreises Fürth ein biografisches Interview mit anschließender Lesung. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr und endet gegen 21 Uhr. Der Eintritt ist frei, das Café ist barrierefrei zugänglich.
Im Mittelpunkt soll zunächst Arınlıs eigener Lebensweg stehen. Sie wird über ihre Arbeit als Journalistin und Dokumentarfilmerin ebenso sprechen wie über die Erfahrungen nach ihrer Ankunft in Deutschland. Dabei geht es auch um die Frage, was Exil mit dem eigenen Schreiben macht und wie sich das Leben zwischen Vergangenheit und Neuanfang literarisch verarbeiten lässt. Zusätzlich liest Arınlı aus eigenen Texten über Fürth und Nürnberg. Anschließend sind Fragen aus dem Publikum möglich.
Die 1962 in Giresun geborene Arınlı studierte Politikwissenschaft und Journalismus. Sie arbeitete später für internationale Medien und machte sich vor allem als Dokumentarfilmerin einen Namen. Nach Angaben des PEN Deutschland war sie die erste Kamerafrau der Türkei. In ihrer Arbeit beschäftigte sie sich unter anderem mit Minderheiten, dem Kurdenkonflikt und gesellschaftspolitischen Fragen. Der PEN führt ihre spätere Inhaftierung auf dieses politische Engagement zurück.
2017 kam Arınlı nach Deutschland und wurde in das Writers-in-Exile-Programm des PEN aufgenommen. Dort gehörte sie von 2017 bis 2020 zu den Stipendiaten. Das Programm richtet sich an Schriftsteller und Journalisten, die in ihren Herkunftsländern verfolgt werden. Heute lebt und arbeitet Arınlı in Fürth.
Auch literarisch hat sie sich mit ihrem Leben im Exil auseinandergesetzt. Gemeinsam mit Terézia Mora veröffentlichte sie 2019 «Zwei Autorinnen im Transit». Später erschien «Leben aus dem Koffer», ein Tagebuch über ihre ersten Jahre in Deutschland. Der PEN nennt beide Werke als Publikationen, die während oder im Zusammenhang mit ihrem Stipendium entstanden.
Arınlı war darüber hinaus Mitgründerin des Dokumentarfilmerverbands BSB und setzte sich dort für Frauen in der Filmbranche ein. Mehrere ihrer Dokumentarfilme wurden nach eigenen Angaben auch außerhalb der Türkei gezeigt.
Der Abend in Zirndorf gehört zu den fairen interkulturellen Wochen im Landkreis Fürth, die vom 17. September bis 4. Oktober stattfinden. Unter dem Motto «Dafür! Fair handeln – Vielfalt erleben!» beteiligen sich daran unter anderem Vereine, Initiativen, Kirchen, soziale Einrichtungen und Kulturschaffende.
Die Lesung und das Gespräch mit Şehbal Şenyurt Arınlı beginnen am Dienstag, 29. September, um 19 Uhr im Café Eders in der Spitalstraße 1 in Zirndorf. Veranstalter ist der Zirndorfer Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen.

