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Stichwahl in Wilhermsdorf: Patrizia Fierus und Alexandra Zipfel beantworten vier zentrale Fragen im Interview

14. März 2026 , , ,
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Am 22. März 2026 entscheiden die Bürger von Wilhermsdorf im Landkreis Fürth in einer Stichwahl über das Amt der Bürgermeisterin. Für „Fürth Aktuell“ haben beide Kandidatinnen vier Fragen zu zentralen Zukunftsthemen der Marktgemeinde beantwortet. Um einen transparenten Vergleich zu ermöglichen, wurden beiden Kandidatinnen die selben Fragen gestellt. Die Antworten wurden redaktionell nicht verändert.

Fürth Aktuell: Die Wunschliste für Wilhermsdorf ist lang, doch als Gemeinde muss man jeden Euro zweimal umdrehen. Wie sieht Ihre finanzpolitische Strategie aus, um wichtige Zukunftsprojekte und Investitionen zu realisieren?

Patrizia Fierus (CSU)

Patrizia Fierus (CSU): «Die kommenden Jahre werden für Wilhermsdorf finanziell anspruchsvoll, weil mehrere große Investitionen anstehen. Umso wichtiger ist eine solide und vorausschauende Finanzpolitik. Mein Ansatz ist klar: Prioritäten setzen, Fördermittel konsequent nutzen und Projekte langfristig planen, damit unsere Gemeinde auch künftig finanziell handlungsfähig bleibt. Gleichzeitig sehe ich in der interkommunalen Zusammenarbeit großes Potenzial. Gerade bei freiwilligen Leistungen können Kooperationen mit Nachbarkommunen helfen, Angebote dauerhaft zu sichern und wirtschaftlich zu organisieren. Mir ist wichtig: Wir dürfen Zukunftsinvestitionen nicht aufschieben – aber wir müssen sie verantwortungsvoll finanzieren.»

Alexandra Zipfel (Freie Wähler)

Alexandra Zipfel (Freie Wähler): «Ich stehe für klare Prioritäten und Investitionen mit Augenmaß. Natürlich müssen die Pflichtaufgaben einer Kommune im Fokus stehen. Gleichzeitig dürfen die Bedürfnisse der Bürger nicht außer Acht gelassen werden. Wichtig ist eine Kosten-Nutzen-Analyse der bestehenden und kommenden Projekte. Dazu gehört die Förderung interkommunaler Zusammenarbeit, um Projekte effizienter gestalten zu können und Synergien zu nutzen. Was ich jetzt schon forderte, ist eine Szenarioplanung bezüglich unseres Schulneubaus. Dazu gehört auch ein Worst-Case-Szenario. Ein Abwägen von verschiedenen Varianten ist unumgänglich, um unsere Kommune zukunftsfähig zu gestalten. Wir werden Haushaltsdisziplin leben, Fördermöglichkeiten ausschöpfen und kreative Wege gehen. Die Digitalisierung wird immer mehr an Bedeutung gewinnen. Wir müssen offen sein für Veränderungen und trotzdem bürgernah bleiben.»


Fürth Aktuell: Welche größeren Projekte wollen Sie in den kommenden Jahren umsetzen? Welche Themen oder Projekte haben aus Ihrer Sicht besondere Priorität?

Alexandra Zipfel: «Projekte haben wir viele, aber wirklich wichtig sind auf jeden Fall der Bau der neuen Grundschule, die Fertigstellung vom Bürgerzentrum, ein Zukunftsplan fürs Hallenbad, die Innenortsverschönerung sowie die Stärkung unserer Vereine. Der Neubau unserer Grundschule soll unseren Kindern die besten Möglichkeiten bieten, sich in einem pädagogisch wertvollen Lernumfeld zu entfalten. Dabei stehen Qualität und nachhaltige Bildung im Vordergrund, ohne die Kosten aus den Augen zu verlieren. Diese Balance aus Qualität, Nachhaltigkeit und Gemeinwohlorientierung sichert eine faire und zukunftsfähige Bildungsinfrastruktur für heute und morgen. Wichtig sind transparente Kosten und ein realistisches Budget von Anfang an, mit regelmäßigen Überprüfungen.

Bürgerzentrum: Das neue Bürgerzentrum soll ein lebendiger Mittelpunkt für unsere Vereine sein. Es wird flexibel nutzbare Räume unterschiedlicher Größe für Vereinsversammlungen, Vorträge, Kurse, Workshops, Mitgliederversammlungen und Kulturveranstaltungen geben. Wir brauchen einen transparenten Vergabeprozess, klare Regeln zu Reservierungen, zur Sicherheits- und Hausordnung sowie Nachtruhebestimmungen. Dazu braucht es eine klare Zuordnung von Verantwortlichkeiten für Aufbau/Abbau, Reinigung, Sicherheit und Haftungsfragen. Faire Nutzungsbedingungen, Instandhaltung sowie die Pflege der Räumlichkeiten müssen verantwortungsvoll geplant werden. So schaffen wir einen nachhaltigen Ort, von dem Menschen heute wie morgen profitieren. Eine regelmäßige Auswertung der Auslastung, Zufriedenheit, Kostenentwicklung und Anpassung des Nutzungskonzepts schafft Transparenz in der Bevölkerung. Ziel ist ein sinnvolles, gerechtes Nutzungskonzept, das Vielfalt ermöglicht, Kosten fair verteilt und das Gemeinwohl stärkt.

Hallenbad: Der Erhalt unseres Hallenbades wird eine Herausforderung, der ich mich stelle. Unser Bad ist nicht nur eine Sportstätte, sondern insbesondere auch ein Begegnungsort für alle Altersgruppen. Regelmäßiges Schwimmen stärkt Herz-Kreislauf-System, Muskulatur und Beweglichkeit. Das Bad dient der Gesundheitsförderung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ein gut erreichbares Bad ermöglicht regelmäßige Schwimm- und Rettungsausbildungen. Es müssen weiterhin Maßnahmen zur Optimierung der Kosten des Schwimmbadbetriebes gefunden werden. Für die langfristige Zukunft muss an einer Kooperation mit anderen Gemeinden gearbeitet werden.

Stärkung der Vereine: Für mich eine Herzensangelegenheit! Bei unserer zukünftigen Dorfentwicklung dürfen die anstehenden Sparmaßnahmen der Kommune unsere Vereine nicht schwächen. Die ehrenamtliche Arbeit und der Zusammenhalt in den Vereinen sind enorm wichtig, um den wachsenden Herausforderungen weiterhin Stand zu halten. Ohne unsere Vereine und Ehrenamtlichen könnten wir in Wilhermsdorf so manches Fest nicht feiern. Eine Vielzahl an kulturellen, sozialen und sportlichen Angeboten wäre nicht mehr möglich.»

Patrizia Fierus: «Für die kommenden Jahre sehe ich mehrere zentrale Projekte für die Entwicklung unserer Gemeinde. Priorität hat für mich der Neubau der Grundschule. Gute Lernbedingungen für unsere Kinder sind eine der wichtigsten Zukunftsinvestitionen für Wilhermsdorf. Darüber hinaus wollen wir das Wohn- und Gewerbegebiet „West“ weiterentwickeln und gut vermarkten. Beim Wohnen setze ich auf eine Mischung verschiedener Wohnformen, damit Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen hier ein Zuhause finden können. Im Gewerbebereich geht es vor allem darum, Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen und unsere wirtschaftliche Basis zu stärken. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Fertigstellung des Bürgerzentrums neben dem Rathaus, das künftig einen neuen Treffpunkt im Herzen unserer Gemeinde schaffen wird. Unser Ziel muss sein: Wilhermsdorf soll auch in Zukunft ein lebenswerter Ort zum Wohnen, Arbeiten und Aufwachsen bleiben.»


Fürth Aktuell: Der Ausbau der Ganztagsbetreuung und die Modernisierung von Lernräumen sind für Familien enorm wichtig, bedeuten für die Gemeinde aber einen gewaltigen finanziellen und organisatorischen Kraftakt. Wie sieht Ihr konkreter Fahrplan aus, um Wilhermsdorf hier zeitnah, bedarfsgerecht und finanzierbar aufzustellen?

Patrizia Fierus: «Im Bereich der Ganztagsbetreuung sind wir in Wilhermsdorf bereits gut aufgestellt. Mit unserer offenen Ganztagsschule haben wir ein etabliertes Angebot für viele Familien. Der Neubau der Grundschule wird zusätzliche räumliche Möglichkeiten schaffen, sodass wir auch künftig ausreichend Betreuungsplätze anbieten können. Im Hinblick auf die kommenden gesetzlichen Anforderungen – etwa bei der Ferienbetreuung – stehen wir bereits im engen Austausch mit Nachbarkommunen, um gemeinsam bedarfsgerechte Lösungen zu entwickeln. Entscheidend ist für mich, dass wir Angebote schaffen, die Familien wirklich entlasten und gleichzeitig organisatorisch und finanziell tragfähig sind.»

Alexandra Zipfel: «Wir sind bereits dabei, die Planung für die neue Grundschule ist in den letzten Zügen. Der Bau wird voraussichtlich noch dieses Jahr beginnen. Fördermöglichkeiten müssen ausgeschöpft werden, die Gesamtkosten immer im Blick. Die Ganztagsbetreuung kann somit weiterhin ausgebaut werden. Für die Mittelschule sollte eine realistische Bedarfsplanung für die kommenden Schuljahre erstellt werden, dazu ein Raumkonzept, um das Potenzial der Schule auszuschöpfen. Ich bin sicher, in Zusammenarbeit mit der Schulleitung gute Ideen und Nutzungen zu entwickeln, die uns für die Zukunft Flexibilität ermöglichen. Des Weiteren ist es nötig, mit kleineren, aber stetigen Reparaturen und kreativen Ideen die Schule attraktiver für unsere Schüler zu gestalten. Schule ist ein kostbares Gut und für unsere Kinder der Start ins Leben.»

Fürth Aktuell: Ein lebendiger Ortskern wurde im Wahlkampf viel diskutiert. Welches städtebauliche Gesamtkonzept verfolgen Sie, um die Hauptstraße dauerhaft attraktiver zu machen und bestehende Leerstände wieder mit Leben zu füllen?

Alexandra Zipfel: «Ein sanierter Innenort erhöht die Attraktivität der gesamten Kommune. Durch eine ansprechende Gestaltung können leichter Kooperationen zwischen Händlern, Gastronomie und Dienstleistern geschlossen werden. Der Innenort sollte einen attraktiven Mix aus Einkaufen, Kultur und Freizeit, Entspannung sowie Raum für Austausch und Begegnung bieten. Fahrradabstellmöglichkeiten sowie kleine schattige Ruheoasen erhöhen die Zufriedenheit und das Heimatgefühl. Gerade rund um das Bürgerzentrum brauchen wir eine Neugestaltung, um eine sichere Erreichbarkeit des Bürgerzentrums zu ermöglichen. Ich möchte Hausbesitzern Anreize bieten, um leerstehende Gebäude wieder einer Nutzung zuzuführen sowie die Nachverdichtung unterstützen. Beratung, Förderung und Flexibilität anbieten. Offen sein für Gespräche und eine gute Öffentlichkeitsarbeit leben, um mit gelungenen Projekten zu werben. Schlusswort: Ich stehe für klare Prioritäten, Investitionen mit Augenmaß und eine transparente Politik. Ich höre zu, handle und übernehme Verantwortung.»

Patrizia Fierus: «Ein lebendiger Ortskern ist entscheidend für die Lebensqualität in unserer Gemeinde. Ein wichtiger Impuls dafür wird das neue Bürgerzentrum neben dem Rathaus sein, das künftig zusätzliche Aufenthaltsqualität und einen zentralen Treffpunkt schaffen wird. Darüber hinaus halte ich ein durchdachtes Verkehrskonzept für die Hauptstraße für wichtig, bei dem alle Verkehrsteilnehmer – Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer – gleichermaßen berücksichtigt werden. Auch die bestehenden Betriebe spielen eine zentrale Rolle für einen funktionierenden Ortskern. Deshalb ist es mir wichtig, diese in die Weiterentwicklung aktiv einzubinden. Bei Leerständen muss man berücksichtigen, dass viele Immobilien in Privatbesitz sind. Die Gemeinde kann hier vor allem vermitteln und unterstützen. Mit unserem kommunalen Fassadenprogramm in Verbindung mit der Städtebauförderung bieten wir Eigentümern bereits eine konkrete Möglichkeit, ihre Gebäude aufzuwerten. Ein attraktiver Ortskern entsteht nicht durch ein einzelnes Projekt, sondern durch viele gute Entscheidungen, die zusammenwirken.»

Fürth Aktuell: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!