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Der letzte Metz-Fernseher aus Zirndorf läuft vom Band: Wie das Traditionsunternehmen in Nürnberg neu startet

11. Juni 2026, 17:18 Uhr ,
Noch produziert Metz in Zirndorf. In Kürze läuft dort der letzte Fernseher vom Band, danach zieht das Unternehmen nach Nürnberg. Die Marke Metz Classic soll weiter in Franken entwickelt und produziert werden. Foto: MetzNoch produziert Metz in Zirndorf. In Kürze läuft dort der letzte Fernseher vom Band, danach zieht das Unternehmen nach Nürnberg. Die Marke Metz Classic soll weiter in Franken entwickelt und produziert werden. Foto: Metz

Von Roland Beck
Noch ist Metz in Zirndorf zu Hause. Noch fertigt das Unternehmen an der Ohmstraße die Fernsehgeräte der Marke Metz Classic. Doch in wenigen Wochen endet in der Bibertstadt ein bedeutendes Kapitel fränkischer Industriegeschichte: Wenn der letzte Zirndorfer Metz-Fernseher vom Band läuft, markiert dies den Startschuss für eine mehrwöchige Produktionspause. Anschließend wird die Fertigung am neuen Standort in Nürnberg hochgefahren. Der Endverbraucher soll von dieser Zäsur nichts bemerken – der logistische Kraftakt wird seit knapp drei Jahren minutiös geplant. Bis Ende 2026 muss der Umzug abgeschlossen sein – dann läuft der Mietvertrag auf dem Areal in Zirndorf endgültig aus.

Für die Metz Consumer Electronics GmbH bedeutet der Umzug in die Nürnberger Sigmundstraße 189 weit mehr als einen simplen Adresswechsel. Die Verlagerung betrifft sämtliche Geschäftsbereiche – von der Produktion über Entwicklung und Verwaltung bis hin zu Kundendienst und Logistik. Vor allem aber betrifft sie die Belegschaft. Etwa 120 der insgesamt 150 Mitarbeiter sind derzeit noch am Standort Zirndorf tätig. Sie alle werden nach Nürnberg wechseln, wie Geschäftsführer Dr. Norbert Kotzbauer im Interview mit Fürth Aktuell versichert. Der dort frisch unterzeichnete Mietvertrag über 15 Jahre sei „ein ganz klares Zeichen, dass wir auch perspektivisch am Produktionsstandort Deutschland und Franken festhalten“.

Geschäftsführer Dr. Norbert Kotzbauer erläuterte im Interview mit Fürth Aktuell, wie es mit Metz am neuen Standort in Nürnberg weitergeht. Foto: Metz

Allerdings erfordert die Verkleinerung der Betriebsfläche von bisher rund 15.500 auf 11.500 Quadratmeter eine tiefgreifende Neuorganisation der betrieblichen Abläufe. Sichtbar wird dieser Wandel insbesondere beim Fertigwarenlager, das künftig an einen externen Logistikpartner ausgelagert wird. Betriebliche Kündigungen gehen damit laut Kotzbauer jedoch nicht einher. Für die Unternehmensführung sei es von Beginn an oberste Prämisse gewesen, allen Abteilungen und Beschäftigten eine Perspektive am neuen Standort zu bieten. Dementsprechend zielte die bereits vor zweieinhalb Jahren begonnene Standortsuche ganz bewusst auf die direkte Nachbarschaft ab.

Dabei stand nicht das schlüsselfertige Wunschobjekt im Fokus, sondern eine ausbaufähige Immobilie, die sich an die künftigen Anforderungen des Unternehmens anpassen lässt. In Nürnberg wird das neue Gebäude deshalb nicht nur bezogen, sondern derzeit grundlegend umgebaut und restrukturiert. Während sich der Betrieb in Zirndorf über mehrere Gebäude erstreckt, sollen die Wege künftig deutlich kürzer ausfallen. Kotzbauer sieht darin eine enorme Chance, etablierte Prozesse neu zu denken. Produktion und Logistik finden im Erdgeschoss Platz, während darüberliegende Etagen für Lager, Service und Teile der Entwicklung vorgesehen sind.

Die größte Herausforderung der kommenden Monate liegt jedoch in der Produktion. Wie Klaus Dollinger, der bei Metz für die Arbeitsvorbereitung zuständig ist und weite Teile des Umzugs koordiniert, erklärt, wird die bestehende Fertigungsanlage nicht einfach demontiert und eins zu eins wieder aufgebaut. Aus den bisherigen zwei Linien entsteht in Nürnberg eine moderne, zusammengefasste Fertigungslinie.

Ergänzt wird diese durch einen neuen Manufakturbereich. Dieser ist laut Dollinger speziell für großformatige Geräte konzipiert, die nicht in die klassischen Montageabläufe passen. Um die mehrwöchige Betriebsruhe während der Verlagerung zu überbrücken und die Lieferfähigkeit uneingeschränkt aufrechtzuerhalten, plant Metz bis zum Umzug zusätzliche Schichten in der Produktion. Anfang September sollen dann die ersten in Nürnberg gefertigten Geräte ausgeliefert werden.

Für „Made in Germany“ wird Metz auch in Zukunft stehen. Foto: Metz

Auch wenn das Kapitel Zirndorf damit schließt, bleibt die Fertigung somit im fränkischen Raum erhalten – ein für die Marke zentrales Alleinstellungsmerkmal. Metz Classic wird weiterhin vor Ort entwickelt und produziert. Von der ersten Softwarezeile über die Endmontage bis hin zur Qualitätskontrolle bleibe die Wertschöpfungskette in der Region, betont der Geschäftsführer.

In einer von internationalen Lieferketten dominierten Unterhaltungselektronik-Branche ist dies eine absolute Ausnahme. Seit 2015 gehört Metz zum chinesischen Skyworth-Konzern. Der Mutterkonzern biete dem fränkischen Traditionsunternehmen die nötige technologische Unterstützung und finanzielle Stabilität in einem hart umkämpften Markt, so Kotzbauer. Dabei setzt Metz auf eine klare Zwei-Marken-Strategie: Während das rote Logo von Metz Classic für den Premiumanspruch „Made in Germany“ steht, bedient die 2018 eingeführte Marke Metz Blue – produziert im europäischen Ausland (Polen) – das preisbewusstere Segment der modernen Smart-TV- und Streaming-Geräte.

Für das Classic-Segment bleibt der stationäre Fachhandel das Rückgrat des Geschäftsmodells. Metz sei dort bewusst exklusiv vertreten und verzichte auf eine breite Omnichannel-Strategie. Der Erfolg gibt dem Unternehmen recht: Im klassischen Fachhandel hält Metz nach eigenen Angaben einen Marktanteil von über 25 Prozent. Jeder vierte Euro, der in diesem Segment deutschlandweit für Fernseher ausgegeben wird, fließt demnach in ein Metz-Gerät.

Mit dieser konsequenten Positionierung grenzt sich das Unternehmen deutlich vom Wettbewerb ab. „Made in Germany“ habe seinen Preis, resümiert Kotzbauer, und deswegen versuche Metz sich durch die Positionierung im Premiumsegment dem Preiskampf im Massenmarkt zu entziehen. Das Geschäftsmodell trage sich, solange Konsumenten bewusst in Langlebigkeit, Qualität und verlässlichen Service investieren.

Der Umzug nach Nürnberg sendet somit ein starkes Signal in Richtung Mitarbeiter, Handel und Kundschaft: Es ist kein Rückzug, sondern die zukunftssichere Fortsetzung der Metz-Philosophie. Für Teile der Belegschaft bedeutet der Abschied aus Zirndorf dennoch einen emotionalen Einschnitt. Manche Angestellte – darunter auch Kotzbauer selbst, der seit 23 Jahren im Unternehmen ist – blicken auf Jahrzehnte am alten Standort zurück. Entsprechend gemischt sei die Gefühlslage zwischen Wehmut und Aufbruchstimmung.

Um Ängsten frühzeitig entgegenzuwirken, habe die Geschäftsführung von Beginn an auf transparente interne Kommunikation via Betriebsversammlungen und digitale Formate gesetzt, erläutert Pressesprecherin Sandra Schuster. Nun blickt das Unternehmen nach vorn.

Während die Stadt Zirndorf und der Immobilieneigentümer über die Zukunft des traditionsreichen Areals an der Ohmstraße beraten, freut man sich in Nürnberg über den prominenten Zuwachs. Metz sei in der Nachbarstadt mit offenen Armen empfangen worden, berichtet Kotzbauer. Ein passender Nebenaspekt: Nürnberg pflegt eine offizielle Städtepartnerschaft mit Shenzhen – der Heimat des Skyworth-Konzerns.