Am 22. März entscheiden die Bürger von Oberasbach in einer Stichwahl über das Amt des Bürgermeisters. Für „Fürth Aktuell“ haben beide Kandidaten Fragen zu zentralen Zukunftsthemen der Stadt beantwortet – von der angespannten Haushaltslage über wichtige Investitionen bis hin zu Wirtschaft und Verkehr.
Um einen möglichst transparenten Vergleich zu ermöglichen, wurden Marco Haas und Thomas Diebenbusch dieselben Fragen gestellt. Die Antworten wurden redaktionell nicht verändert.
Fürth Aktuell: Die Haushaltslage ist in Oberasbach angespannt. Wie wollen Sie die Stadt auf Kurs bringen, damit auch wichtige Investitionen wieder möglich sind?
Marco Haas (CSU): “Die angespannte Haushaltslage betrifft derzeit viele Kommunen – auch Oberasbach. Deshalb müssen wir unsere Finanzen strukturell neu ordnen und klare Prioritäten setzen. Mir ist wichtig, dass wir mit dem Geld der Bürger verantwortungsvoll umgehen und dabei klar festlegen, was für unsere Stadt wirklich Vorrang hat. Nur wenn unsere Finanzen stabil sind, können wir Projekte angehen, die Oberasbach voranbringen.
Mir ist wichtig, Investitionen künftig strategischer zu steuern, insbesondere im Hoch- und Tiefbau. Projekte müssen nicht nur inhaltlich sinnvoll sein, sondern auch finanziell realistisch umgesetzt werden können. Gleichzeitig brauchen wir ein verbindliches Haushaltskonsolidierungskonzept mit klaren Zielmarken, um unsere Finanzen Schritt für Schritt zu stabilisieren.
Ein weiterer Baustein ist der gezielte Umgang mit städtischen Grundstücken. Diese können – etwa über unsere städtische Wohnungsbaugesellschaft WBG – sinnvoll genutzt werden, um Investitionen zu ermöglichen und gleichzeitig die Entwicklung der Stadt in eigener Hand zu behalten.
Darüber hinaus sehe ich Potenziale in einer stärkeren interkommunalen Zusammenarbeit und in der weiteren Digitalisierung unserer Verwaltung, um Prozesse effizienter zu gestalten und langfristig Kosten zu senken. Mein Ziel ist klar: Oberasbach finanziell zu stabilisieren und gleichzeitig wieder Gestaltungsspielraum für wichtige Zukunftsinvestitionen zu schaffen.”
Thomas Diebenbusch (Grüne/Freie Wähler): „Am 23. März steht das Konsolidierungskonzept wieder auf der Agenda des Stadtrats. Ohne dieses Konzept wird Oberasbach seine Handlungsfähigkeit nicht wieder zurückgewinnen können. Ich will es konsequent umsetzen. Es bringt leider hohe Belastungen für die Bürger, schafft aber die Grundlage, um Pflichtaufgaben wie den Bau des offenen Ganztags umzusetzen, der in diesem Jahr ein Rechtsanspruch für unsere Familien wird.
Zwei grundsätzliche Bemerkungen habe ich noch: Finanzpolitische Luftschlösser wie zum Beispiel der Verkauf aller städtischen Grundstücke an die städtische Wohnungsbaugenossenschaft sind Irrwege in der höchst angespannten Finanzlage der Stadt und führen zu nichts. Tatsächlich ist nur die Entwicklung einzelner Grundstücke durch die WBG realistisch. Voraussetzung: kostenlose Übertragung der Flächen. Ein tatsächlicher Geldfluss an die Stadt ist dadurch erst in einigen Jahren zu erwarten.
Um künftige Kostenexplosionen bei Bauprojekten zu vermeiden, setze ich auf professionelle Projektsteuerung durch Generalunternehmer und eine optimale Nutzung von Fördermitteln. Zudem werde ich interkommunale Synergien voll ausschöpfen: Geteilte Kosten sind halbe Lasten. Gleichzeitig werde ich in den Gremien mit den anderen Kommunen und dem Landkreis darauf drängen, dass das Problem der strukturellen Unterfinanzierung der Kommunen auf Landesebene endlich angegangen wird. Intern werden wir das Rathaus durch Digitalisierung und effizientere Prozesse optimieren. Mein Ziel für die Wirtschaft: Mehreinnahmen durch florierende Unternehmen, nicht durch höhere Steuersätze. Der Gewerbesteuer-Deckel von 400 Punkten bleibt.“
Fürth Aktuell: Welche größeren Projekte wollen Sie in den kommenden Jahren umsetzen? Welche Themen oder Projekte haben aus Ihrer Sicht besondere Priorität?
Thomas Diebenbusch: “Pflichtaufgaben stehen in den kommenden Jahren auf der Agenda. Ich will folgende Projekte geordnet nach Priorität aufzählen: Neubau Offener Ganztag mit solider Finanzierung und Kostenkontrolle, Sanierung der technischen Infrastruktur, Sanierung der Schulen und Kitas, um die gröbsten Mängel zu beseitigen, Aufstellung des Fahrplans für die Entwicklung unserer Schulen (Grund- und Mittelschule), Verbesserung der Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer. Hier liegt der Schwerpunkt auf kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen, insbesondere Tempo 30 auf Schulwegen – effektiv und ohne hohen Finanzbedarf.”
Marco Haas: “In den kommenden Jahren möchte ich Oberasbach weiter zu einer Stadt entwickeln, in der sich alle Generationen wohlfühlen – vom Kindergartenkind bis zu den Senioren. Ein zentraler Schwerpunkt ist für mich eine starke Bildungs- und Betreuungsstruktur. Deshalb hat der Ausbau der Ganztagsbetreuung hohe Priorität, damit Familien verlässliche Rahmenbedingungen für Beruf und Familie haben. Ebenso wichtig ist eine moderne und funktionierende städtische Infrastruktur. Dazu gehören ein gepflegter öffentlicher Raum, attraktive Spielplätze sowie gut ausgestattete Einrichtungen wie unsere Feuerwehr. Ein besonderes Anliegen ist mir außerdem der Grundsatz: Erhalten vor Neubau. Wir müssen das, was wir bereits haben, gut pflegen und weiterentwickeln. Dazu gehört auch, das Quartiersmanagement weiterzuführen und unsere Vereine zu unterstützen. So bleibt Oberasbach nicht nur lebenswert, sondern entwickelt sich Schritt für Schritt weiter – für alle Menschen, die hier leben.”
Fürth Aktuell: Als Wohnstandort ist Oberasbach beliebt, doch es fehlt an Gewerbeflächen, um die wichtigen Gewerbesteuereinnahmen zu steigern. Welche Ideen und Anreize bringen Sie mit, um das lokale Gewerbe zu stärken und die Stadt für Neuansiedlungen attraktiver zu machen?
Marco Haas: “Eine starke lokale Wirtschaft ist das Rückgrat unserer Stadt. Sie schafft Arbeitsplätze, stärkt den Einzelhandel und sichert unsere finanzielle Handlungsfähigkeit über die Gewerbesteuer. Deshalb ist es mir wichtig, sowohl unsere bestehenden Betriebe zu unterstützen als auch neue Unternehmen für Oberasbach zu gewinnen. Ein Ansatz ist der Aufbau einer digitalen Einkaufsstadt Oberasbach. Damit können unsere lokalen Betriebe online besser sichtbar werden, neue Kunden erreichen und ihre Angebote stärker vernetzen. So stärken wir den lokalen Handel und das Gewerbe. Gleichzeitig müssen wir die begrenzten Flächenpotenziale für Gewerbe gezielt nutzen. Das Gebiet rund um den Landkreisbauhof bietet aus meiner Sicht Potential, um neue Betriebe anzusiedeln. Diese Entwicklung möchte ich gemeinsam mit dem Stadtrat konsequent prüfen und vorantreiben. Mein Ziel ist es, die Wirtschaftskraft Oberasbachs nachhaltig zu stärken – zum Nutzen unserer Unternehmen, unserer Arbeitsplätze und unserer Stadt.”
Thomas Diebenbusch: „Es ist richtig, dass es an Gewerbeflächen im Eigentum der Stadt fehlt. Deshalb setze ich zur Stärkung unserer Unternehmen auf einen ergebnisorientierten und branchenspezifischen Dialog mit den Unternehmen statt auf Symbolpolitik. Durch eine strategische SWOT-Analyse werde ich gemeinsam mit den Unternehmen konkrete Anforderungen und Chancen erfassen. In diesem Zusammenhang werden wir Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der Akteure in eine strategische Planung einfließen lassen.
Priorität hat die sofortige Klärung der Hemmnisse im Gewerbegebiet am Kreisbauhof – es muss schnell und fundiert entschieden werden, ob das Areal mittelfristig entwickelt werden kann. Parallel dazu müssen wir Potenziale im Altort für nachbarschaftsverträgliches Gewerbe prüfen. Mein Fokus liegt auf echter regionaler Vernetzung und realen Arbeitsplätzen vor Ort, nicht auf künstlichen Projekten wie lokalen Online-Marktplätzen, die am Bedarf vorbeigehen.“
Fürth Aktuell: Ob beim Bau neuer Kreisverkehre oder der Debatte um den Radschnellweg nach Nürnberg: Verkehrsthemen sorgen in Oberasbach regelmäßig für Gesprächsstoff. Wo setzen Sie verkehrspolitisch ihre Prioritäten, um die Mobilität in der Stadt zukunftsfähig zu gestalten?
Thomas Diebenbusch: „Verkehrspolitik in Zeiten knapper Kassen bedeutet: Intelligente Lösungen statt teurer Großprojekte. Meine Priorität ist die Sicherheit, insbesondere für unsere Kinder. Das erreichen wir kurzfristig durch Tempo 30 und konsequente Verkehrsüberwachung an Gefahrenstellen. Mit Verkehrsversuchen, etwa einer Einbahnstraßenregelung in der St.-Lorenz-Straße im Altort, testen wir pragmatische Verbesserungen.
Ich unterstütze den Radschnellweg. Aus meiner Sicht handelt sich dabei aber um ein überregionales Projekt, das in der finanziellen Verantwortung des Freistaates liegt. Eine Finanzierung durch die Stadt Oberasbach (auch für den Unterhalt) halte ich unter den aktuellen Bedingungen für ausgeschlossen. Deshalb ist auch hier der konstruktive Dialog mit dem Staatlichen Bauamt notwendig.
Ich bin offen für den Ausbau von ÖPNV und Radverkehr, doch zur Wahrheit gehört auch: Angesichts der Haushaltslage müssen wir uns auf das Machbare konzentrieren, um Oberasbach mobil und sicher zu halten.“
Marco Haas: “Mobilität ist ein zentrales Zukunftsthema für Oberasbach. Mir ist wichtig, dass alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen berücksichtigt werden – ob zu Fuß, mit dem Auto, mit dem Fahrrad oder im öffentlichen Nahverkehr. Kurzfristig setze ich klare Prioritäten bei der Verkehrssicherheit. Dazu gehören sichere und barrierefreie Schulwege sowie die zügige Sanierung der Hainbergstraße. Auch Tempo-30-Zonen sollten dort, wo es sinnvoll ist, genau geprüft werden – beispielsweise im Umfeld stark frequentierter Einrichtungen wie dem Sportzentrum.
Dem geplanten Radschnellweg nach Nürnberg stehe ich grundsätzlich positiv gegenüber. Voraussetzung ist jedoch eine verlässliche Finanzierung durch den Freistaat, damit unsere Stadt finanziell nicht überfordert wird. Weitere sogenannte Mini-Kreisverkehre sehe ich kritisch. Hier sollten Nutzen sowie die Auswirkungen auf die Verkehrsteilnehmer jeweils sorgfältig geprüft werden, bevor solche Maßnahmen umgesetzt werden. Große Chancen sehe ich außerdem in der Weiterentwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in der Region, etwa durch den Ausbau der Nürnberger U-Bahn bis Fürth Süd. Eine starke Anbindung an die Region macht den ÖPNV attraktiver und entlastet langfristig unsere Straßen. Mein Ziel ist eine Mobilität in Oberasbach, die sicher, praktikabel und zukunftsfähig für alle Verkehrsteilnehmer ist.”
Fürth Aktuell: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!
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