Berge aus weggeworfener Kleidung, die sich in fernen Ländern meterhoch türmen, sind zum Sinnbild einer Industrie geworden, die schneller produziert, als die Umwelt es verkraften kann. Das Welthaus Fürth nutzt die diesjährige «Fashion Revolution Week», um die hiesige Konsumkultur zu hinterfragen und den Blick für die «versteckten Kosten» unserer Garderobe zu schärfen. Jedes Hemd und jede Hose verursachen bereits vor dem ersten Tragen ökologische Lasten durch massiven Wasserverbrauch, lange Transportwege und pestizidbelastete Monokulturen.
Gegen diese «Textilflut» setzt das Team um Geschäftsführerin Yana Laber auf Entschleunigung. Man wolle den Bürgern zeigen, dass Qualität und persönlicher Stil wertvoller seien als der schnelle Kauf billiger Massenware. «Das Lieblingsstück wird repariert, weil wir ihm einen persönlichen Wert beimessen», lautet die Philosophie hinter dem Aufruf, Kleidung wieder als langfristige Begleiter zu betrachten. Um den Weg zum eigenen, nachhaltigen Stil zu ebnen, vermittelt Stylistin Lena Litzinger in Workshops fundiertes Wissen über typgerechte Schnitte und Farben. Es gehe darum, Bestehendes klug zu ergänzen, anstatt wahllos Neues zu akkumulieren.
Die Initiative hat jedoch einen tiefgreifenden politischen Kern. Die Aktionswoche markiert den Jahrestag der Katastrophe von Rana Plaza in Bangladesch, bei der im April 2013 mehr als 1.000 Menschen durch den Einsturz einer Textilfabrik starben. Trotz internationaler Bemühungen und neuer Gesetzgebungen wie dem Lieferkettengesetz bleibe die Situation für viele Arbeiterinnen prekär. Sie seien weiterhin Repressalien ausgesetzt, während sie für ihre Rechte eintreten. Mit Aktionen im Stadtgebiet und Beratungsangeboten möchte das Welthaus Fürth daher ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Modeentscheidungen hierzulande unmittelbare Konsequenzen am anderen Ende der Welt haben.
Die offizielle «Fashion Revolution Week» findet im Jahr 2026 im Zeitraum vom 22. April bis zum 28. April statt. Das Welthaus Fürth befindet sich in der Gustavstraße 31.
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