Generationswechsel an der Spitze des Fürther Handwerks: Max Ammon ist neuer Kreishandwerksmeister und folgt damit auf seinen Vater Konrad Ammon, der die Kreishandwerkerschaft 18 Jahre lang geführt hat. Auch auf dem Stellvertreterposten beginnt eine neue Ära: Schreinermeister Max Boss übernimmt von Heinz Hufnagel. Wenig später wurden die beiden langjährigen Repräsentanten bei einer Feier im Schloss Burgfarrnbach offiziell verabschiedet und für ihre Verdienste geehrt.
Die personellen Weichen hatte die Kreishandwerkerschaft bei ihrer Jahreshauptversammlung im Fürther Stadtmuseum gestellt. Die Innungsvertreter wählten den 42 Jahre alten Metzgermeister Max Ammon ebenso einstimmig wie den 50-jährigen Schreinermeister Max Boss. Bereits im vergangenen Jahr hatten Konrad Ammon und Heinz Hufnagel deutlich gemacht, dass aus ihrer Sicht nun eine jüngere Generation Verantwortung übernehmen solle.
Max Ammon ist seit 22 Jahren Meister und führt gemeinsam mit seinem Bruder Philipp den Familienbetrieb in Burgfarrnbach in fünfter Generation. Seit 15 Jahren engagiert er sich als Prüfungsmeister und Lehrlingswart in der Fleischer-Innung. Politisch gehört er seit 2014 für die CSU dem Fürther Stadtrat an, seit 2020 ist er Fraktionsvorsitzender. Bei der Oberbürgermeisterwahl 2026 trat er als Kandidat seiner Partei an.
Als Kreishandwerksmeister wolle er «das ehrbare Handwerk» gut vertreten und dessen Interessen zu Gehör bringen, erklärte Ammon. Die Aufgaben reichen dabei weit über die interne Verbandsarbeit hinaus. Bei der Jahreshauptversammlung wurden unter anderem hohe Energiepreise, Fachkräftemangel, eine gesunkene Investitionsbereitschaft und praktische Probleme von Betrieben im Außeneinsatz thematisiert.
Auch der neue Stellvertreter ist seit vielen Jahren selbstständig. Max Boss führt seit 18 Jahren eine Schreinerei in der Fürther Glockenstraße. Der Schwerpunkt des Betriebs liegt auf Möbelbau und Inneneinrichtung. In der Fertigung setzt Boss unter anderem auf computergestützte Verfahren für passgenaue Einzelanfertigungen.
Zum Start erhielten die beiden neuen Spitzenvertreter von KHS-Geschäftsführer Thomas Mörtel handwerklich gefertigte Nussknacker. Das augenzwinkernde Symbol dahinter: In ihren neuen Ämtern dürften künftig auch «harte Nüsse» zu knacken sein.
Wie groß der Einschnitt für die Kreishandwerkerschaft ist, zeigte sich kurze Zeit später im Schloss Burgfarrnbach. Dort wurden Konrad Ammon und Heinz Hufnagel vor fast 100 Gästen aus Wirtschaft und Politik verabschiedet. Konrad Ammon wurde zum Ehren-Kreishandwerksmeister ernannt, Heinz Hufnagel erhielt eine Ehrenurkunde für seine langjährige Tätigkeit als Stellvertreter.
HWK-Präsident Thomas Pirner würdigte die beiden mit den Worten: «Sie haben die Fahnen des Handwerks hoch gehalten.» Trotz unterschiedlicher Auffassungen habe es über viele Jahre einen respektvollen Austausch gegeben. Konrad Ammon habe mit offenen und kritischen Worten dazu beigetragen, «Betriebsblindheit» zu verhindern. Heinz Hufnagel wiederum habe dem Schreinerhandwerk weit über Fürth hinaus öffentliche Sichtbarkeit verschafft.
Beide Geehrten stammen aus Burgfarrnbach und blicken auf jahrzehntelanges Engagement in ihren Berufen und zahlreichen Gremien zurück. Konrad Ammon ist seit 1980 Metzgermeister. Er war unter anderem 30 Jahre Obermeister der Fleischer-Innung, gehört seit Jahren zu den führenden Repräsentanten seines Berufsstands auf Landes- und Bundesebene und ist Geschäftsführer des Fürther Metzger-Schlachthofs. 2024 erhielt er den Bayerischen Verdienstorden.
Heinz Hufnagel ist seit 1982 Schreinermeister. Er war 32 Jahre im Vorstand der Schreiner-Innung tätig, davon zwölf Jahre als Obermeister. Hinzu kamen Aufgaben unter anderem in der Vollversammlung der Handwerkskammer, im Wirtschaftsbeirat der Stadt Fürth, im Verwaltungsrat der Sparkasse Fürth und im Aufsichtsrat des Bauvereins.
Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung bezeichnete die beiden bei der Feier als «tolle Menschen, die für das Handwerk und die gesamte Stadt da sind». Er erinnerte dabei auch an die Zeit der Quelle-Insolvenz 2009. Damals hätten sich nach seinen Worten zahlreiche Betriebe gemeldet und signalisiert, zusätzliche Mitarbeiter aufnehmen zu wollen. Jung verband seine Würdigung mit einem augenzwinkernden Hinweis auf den bleibenden Wert praktischer Arbeit: Welcher Akademiker oder welche KI könne schon eine feine Wurstplatte oder eine schöne Tür herstellen?
Landrat Bernd Obst sprach von «Menschen mit klarer Haltung». Über 18 Jahre seien Ammon und Hufnagel «Ansprechpartner, Vermittler und Mutmacher» gewesen. Zugleich betonte er die Bedeutung des Handwerks für die Region. Es stehe für Vertrauen, Herkunft und Verantwortung und brauche auch künftig Nachwuchs sowie Menschen, die Probleme lösen und am Ende sehen könnten, was sie geleistet haben.
Nach Angaben der Kreishandwerkerschaft gibt es in Stadt und Landkreis Fürth derzeit rund 3100 Handwerksbetriebe mit etwa 15.000 Mitarbeitern. Geschäftsführer Thomas Mörtel zog eine positive Bilanz der vergangenen Jahre. Zu den prägenden Projekten zählten unter anderem der Umbau des «Hauses des Handwerks», Aktionen wie «Handwerk zeigt Flagge», Berufsbörsen, Imagekampagnen und Initiativen zum Austausch zwischen Handwerk und Politik.

