Für Fahrgäste in Fürth könnte sich beim Ticketkauf ab 2027 einiges ändern. Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg, kurz VGN, plant eine grundlegende Reform seines Tarifsystems. Mehrere bekannte Fahrkarten sollen verschwinden, darunter die MobiCard, das JahresAbo Plus, 4er-Tickets und Streifenkarten. Einzelfahrkarten und TagesTickets sollen dagegen erhalten bleiben.
Die Reform ist noch nicht endgültig beschlossen. Der VGN hat seine Pläne in dieser Woche den Vertretern der Städte und Landkreise im Grundvertrags-Ausschuss vorgestellt. In den kommenden Monaten sollen die Einzelheiten mit den Kommunen und Verkehrsunternehmen abgestimmt werden. Die abschließenden Gremienbeschlüsse sind bis Ende des Jahres vorgesehen.
«Unser Sortiment der Zukunft wird aus drei Säulen bestehen: dem Deutschlandticket, dem eTarif egon mit einer leistungsgerechten Abrechnung nach Kilometern sowie einem überschaubaren Angebot an nachfragestarken Tickets», erklärt VGN-Geschäftsführer Torsten Heider.
Hintergrund ist das stark veränderte Kaufverhalten seit der Corona-Pandemie und der Einführung des Deutschlandtickets im Mai 2023. Nach Angaben des VGN ist der Absatz der bisherigen Verbund-Abonnements seit 2019 um 86 Prozent zurückgegangen. Bei den MobiCards und der Monatskarte Solo 31 beträgt das Minus demnach 83 Prozent.
Auch 4er-Tickets, Streifenkarten und TagesTickets wurden zuletzt nur noch etwa halb so häufig verkauft. Bei Einzelfahrkarten meldet der Verbund einen Rückgang um 31 Prozent. Außerhalb des Schülerverkehrs würden inzwischen 87 Prozent der Fahrten mit einem digitalen Ticket oder über egon zurückgelegt.
Im ersten Schritt will der VGN sein Angebot an Zeitkarten reduzieren. Das bisherige FirmenAbo soll entfallen, weil es nach Angaben des Verbundes nahezu vollständig durch das Deutschlandticket Job ersetzt worden ist. Auch die Monatskarte Solo 31 soll nicht fortgeführt werden.
Beim regulären JahresAbo ist eine differenzierte Regelung vorgesehen. In den Stadtpreisstufen A bis F sowie in den regionalen Preisstufen 1 und 2 soll es bestehen bleiben. Auf längeren Strecken ab der Preisstufe 2+T soll es dagegen entfallen, weil das deutschlandweit gültige Deutschlandticket dort deutlich günstiger ist.
Komplett verschwinden sollen nach derzeitigem Stand das JahresAbo Plus und sämtliche MobiCards. Damit würden auch die 7-Tage-MobiCard, die 31-Tage-MobiCard und die 9-Uhr-MobiCard aus dem Sortiment genommen. Erhalten bleiben sollen das reguläre JahresAbo und das 9-Uhr-JahresAbo in den genannten niedrigen Preisstufen.
Für Fürth ist dabei vor allem die Preisstufe B von Bedeutung. Das reguläre JahresAbo für das Fürther Stadtgebiet kostet 2026 monatlich 64,30 Euro, das 9-Uhr-JahresAbo 32 Euro. Beide Angebote gehören nach den bisherigen Planungen zu den Zeitkarten, die auch nach der Reform weiterhin angeboten werden sollen.
Auch gelegentliche Fahrgäste müssen sich voraussichtlich umstellen. Der VGN will den Verkauf von 4er-Tickets und Streifenkarten beenden. Begründet wird dies mit der sinkenden Nachfrage und den Kosten für die technische Infrastruktur.
Nach Angaben des Verbundes müssen für diese Fahrscheine noch rund 3400 Entwerter betrieben, gewartet und teilweise erneuert werden. Diese Ausgaben stünden einer immer kleineren Zahl verkaufter Karten gegenüber.
Wer nur gelegentlich mit Bus oder Bahn fährt, soll weiterhin eine Einzelfahrkarte oder ein TagesTicket kaufen können. Beide Ticketarten sollen erhalten bleiben. In Fürth sind sie bereits heute digital, an Automaten, im Servicecenter und teilweise in privaten Verkaufsstellen erhältlich. Im Bus können Einzel- und TagesTickets seit Januar 2026 ausschließlich bargeldlos an mobilen Automaten gekauft werden.
Mit dem Wegfall der MobiCard und des JahresAbos Plus würde auch deren Mitnahmeregelung verschwinden. Als Ersatz plant der VGN eine personengebundene Zusatzkarte. Sie soll mit einem Deutschlandticket oder einem der verbleibenden JahresAbos kombiniert werden können.
Die Zusatzkarte soll montags bis freitags ab 18 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen ganztägig die Mitnahme weiterer Personen und Fahrräder ermöglichen. Vorgesehen ist ein Preis von 13 Euro im Monat.
Eine größere Rolle soll künftig der elektronische Tarif egon spielen. Dabei melden sich Fahrgäste vor Fahrtbeginn über eine App an und nach dem Aussteigen wieder ab. Der Preis wird anhand der zurückgelegten Kilometer berechnet.
Nach Angaben des VGN stieg die Nutzung von egon im Jahr 2025 um 13,5 Prozent. Noch 2026 soll der Tarif weiterentwickelt werden. Der maximale Fahrpreis pro Tag soll auf den Preis eines entsprechenden TagesTickets begrenzt werden. Damit soll verhindert werden, dass längere oder mehrere Fahrten an einem Tag unverhältnismäßig teuer werden.
Zudem sollen künftig Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 14 Jahren egon nutzen können. Voraussetzung ist, dass in der App festgelegt wird, wer die Kosten übernimmt. Die Kinder könnten dann auch ohne Begleitung der Eltern mit dem elektronischen Tarif fahren.
Die langfristige Richtung ist dennoch eindeutig: Bis 2030 strebt der VGN ein grundsätzlich digitales und bargeldloses Ticketsystem an. Der Verbund begründet dies mit sinkenden Verkaufszahlen bei Papierfahrkarten, hohen Vertriebskosten und der angespannten Finanzlage vieler Verkehrsunternehmen und Kommunen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass künftig jeder Fahrgast zwingend ein Smartphone besitzen muss. Das Deutschlandticket kann bereits heute alternativ auf einer Chipkarte ausgegeben werden. Welche technischen Lösungen der VGN für Einzelfahrkarten, TagesTickets und andere Angebote ab 2030 vorsieht, steht noch nicht fest.
Menschen, die bislang wenig Erfahrung mit Smartphones oder Tablets haben, sollen nach Angaben des VGN unterstützt werden. Geplant sind verständliche Anleitungen, Schulungsmaterial und eine Zusammenarbeit mit Kommunen, Volkshochschulen und ehrenamtlichen Initiativen.
Für Fahrgäste in Fürth ist ein Teil dieser Entwicklung bereits Alltag. Seit dem 1. Januar 2026 verkaufen die Fahrer in den Linienbussen der infra keine Fahrkarten mehr gegen Bargeld. Alle 85 Busse sind mit mobilen Automaten ausgestattet. Bezahlt werden kann dort mit Giro- und Kreditkarte sowie mit Apple Pay oder Google Pay.

