Erst hält er das Blatt Papier in die Kamera, dann zerreißt er es in Stücke. Jörg Sichelstiel, evangelischer Dekan in Fürth, wählt in seinem neuesten Video eine unmissverständliche Bildsprache. Der Auslöser für seinen sichtbaren Protest ist ein Motiv, das US-Präsident Donald Trump auf seinem eigenen Netzwerk Truth Social verbreitet hat.
Das Bild zeigt Trump in der Pose eines Heilsbringers. Gekleidet in ein rot-weißes Gewand legt er einem Patienten im Krankenbett leuchtende Hände auf. Im Hintergrund ragen das Kapitol und die Freiheitsstatue auf, während Kampfflugzeuge und Adler durch Wolken fliegen. Für Sichelstiel ist diese Inszenierung von «Trump als Jesus» schlichtweg «furchtbar» und «zum Kotzen». Ein Politiker, der die Welt mit Militär, Maschinen, Gewalt und Bomben retten wolle, lasse sich hier als Messias feiern.
Für den Theologen ist das geteilte Bild weit mehr als nur eine provokante Geste. Er sieht darin den Ausdruck eines christlichen Nationalismus, den er wörtlich als die größte Gefahr unserer Zeit bezeichnet. Der Dekan weitet den Blick und vergleicht das Phänomen mit anderen theokratischen Strömungen weltweit. Er zieht Parallelen zu den Machthabern im Iran, zur russischen Orthodoxie unter Wladimir Putin und zu einigen Ministern in Israel, die, so Sichelstiel, von einem Genozid träumten.
Dieser globale religiöse Wahnsinn mache fast Lust darauf, Atheist zu werden, bekennt Sichelstiel schonungslos. Doch die Flucht aus der Religion ist für den Pfarrer keine echte Lösung. Er plädiert stattdessen für wehrhafte Aufklärung. Wenn die Gesellschaft die humanitären Schätze des Glaubens nicht stärke und pflege, würden extremistische Kräfte dieses Feld komplett okkupieren. Sichelstiels Botschaft endet mit einem klaren Appell: Man müsse widerstehen, widersprechen und dabei fröhlich feiern, was man an positiven Werten besitzt.
Im Netz stößt der Vorstoß des Dekans auf breite Zustimmung. In den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke finden sich zahlreiche befürwortende Reaktionen. Nutzer bedanken sich für die «klare Haltung» und loben die «klaren, mutigen und aufrichtigen Worte» des Theologen. Ein Kommentator merkt an, religiöser Fundamentalismus sei eine Gefahr für die Menschheit und eine «Beleidigung für den aufgeklärten Geist».
Ein weiterer Nutzer äußert den Gedanken, dass Donald Trump dem Dekan nach diesen Äußerungen wahrscheinlich die Einreise in die USA verweigern werde. Der allgemeine Tenor der Rückmeldungen ist durchweg positiv, wobei ein Verfasser ergänzt, er hätte sich derartige Worte auch von anderen wichtigen Personen in der Kirche gewünscht.
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