Nach einer 24-jährigen Amtszeit von Leonhard Eder hat in der Gemeinde Tuchenbach eine neue Ära begonnen. Seit Mai führt Thomas Ziegler die Geschäfte im Rathaus. Der erfahrene Kommunalpolitiker, der bereits durch seine langjährige Arbeit im Gemeinderat mit den lokalen Gegebenheiten bestens vertraut ist, hat ereignisreiche erste Wochen hinter sich. Im Interview mit Fürth Aktuell spricht der neue Rathauschef über seine ersten Eindrücke am Bürgermeister-Schreibtisch, dringliche Projekte wie die Sanierung des Bürgerhauses, den Ausbau der Infrastruktur und seine Vision für ein lebenswertes Tuchenbach in den kommenden sechs Jahren.
Frage: Herr Ziegler, die ersten Tage im Amt liegen hinter Ihnen. Wie fühlt es sich an, nun am Schreibtisch des Bürgermeisters Platz zu nehmen, und wie haben Sie den Start in den neuen Arbeitsalltag erlebt?
Thomas Ziegler: Die ersten Tage waren natürlich sehr spannend und intensiv. Ich freue mich vor allem über das Vertrauen, das mir die Bürger entgegengebracht haben. Mir ist sehr bewusst, welche Verantwortung mit diesem Amt verbunden ist, und ich übernehme diese Aufgabe sehr gerne. Durch meine Zeit im Gemeinderat kannte ich viele Themen und Abläufe bereits. Trotzdem merkt man schnell, dass sich die Perspektive verändert, wenn man am Ende die Verantwortung trägt. Besonders positiv waren für mich die vielen offenen Gespräche mit Bürgern, Vereinen und den Mitarbeitern im Rathaus.
Frage: Nach 24 Amtsjahren Ihres Vorgängers Leonhard Eder geht in Tuchenbach eine echte Ära zu Ende. Eine ganze Generation kennt das Rathaus nur mit ihm an der Spitze. Ist ein solch langes Erbe für Sie eher ein solides Fundament für die eigene Arbeit oder spüren Sie dadurch auch eine besondere Erwartungshaltung?
Thomas Ziegler: Ich denke, es ist von beidem etwas dabei. Leonhard Eder hat Tuchenbach über viele Jahre geprägt und viel für die Gemeinde geleistet. Dafür verdient er großen Respekt. Natürlich gibt es dadurch auch Erwartungen an die Zukunft. Ich sehe das aber positiv. Mir ist wichtig, gute und bewährte Dinge weiterzuführen und gleichzeitig neue Ideen einzubringen. Jede Zeit bringt neue Herausforderungen mit sich – ob bei Infrastruktur, Digitalisierung oder der Entwicklung der Gemeinde. Ich möchte Bewährtes erhalten, aber auch eigene Akzente setzen und neue Entwicklungen aktiv gestalten.
Frage: Welches konkrete Projekt oder welche Herausforderung steht nun ganz oben auf Ihrer Prioritätenliste?
Thomas Ziegler: Ein zentrales Thema wird sicher die Sanierung des Bürgerhauses sein – allerdings nicht isoliert betrachtet, sondern eingebettet in ein sinnvolles Gesamtkonzept. Dazu gehört auch die kommunale Wärmeplanung und die Frage, wie wir unsere gemeindlichen Gebäude langfristig wirtschaftlich und zukunftsfähig aufstellen. Ebenso entscheidend ist eine solide Finanzplanung. Gerade kleinere Gemeinden müssen genau darauf achten, welche Projekte umgesetzt werden können und wie Fördermittel sinnvoll genutzt werden. Dazu gehören auch Investitionen mit nachhaltigem Nutzen, beispielsweise Speicherlösungen für die PV-Anlage der Kläranlage. Damit schaffen wir langfristig wirtschaftliche und nachhaltige Lösungen für die Gemeinde. Außerdem ist mir der Austausch mit den Bürgern wichtig.
Frage: Sie haben sich in der Vergangenheit unter anderem für den Ausbau der E-Ladeinfrastruktur im Ort eingesetzt. Welche Schwerpunkte möchten Sie generell in den Bereichen Infrastruktur, Mobilität und zukunftsorientierte Gemeindeentwicklung in den kommenden Jahren setzen?
Thomas Ziegler: Mir ist wichtig, dass wir moderne Entwicklungen sinnvoll und passend für unsere Gemeinde umsetzen. Dazu gehören eine gute Ladeinfrastruktur, sichere Verkehrswege und eine verlässliche digitale Infrastruktur. Ein weiterer Schwerpunkt wird das Radwegenetz rund um Tuchenbach sein. Viele Bürger wünschen sich sichere Verbindungen – sowohl im Alltag als auch in der Freizeit. Gerade Familien und ältere Menschen profitieren davon. Auch das Thema Seniorenwohnen möchte ich mit neuem Schwung angehen. Nach Jahren ohne spürbare Fortschritte braucht es realistische und umsetzbare Lösungen, damit ältere Menschen weiterhin in Tuchenbach wohnen bleiben können. Dabei soll sich Tuchenbach mit Augenmaß weiterentwickeln: lebenswert bleiben, den dörflichen Charakter bewahren und zugleich nachhaltig in die Zukunft gehen.
Frage: Tuchenbach arbeitet in der Verwaltungsgemeinschaft eng mit Obermichelbach zusammen. Wie möchten Sie die Verwaltungsabläufe künftig gestalten, um den Service für die Bürger vielleicht noch moderner und nahbarer zu machen?
Thomas Ziegler: Die Zusammenarbeit in der Verwaltungsgemeinschaft ist wichtig und funktioniert gut. Gleichzeitig erwarten die Bürger heute einen möglichst einfachen und modernen Service. Ich sehe vor allem Chancen in der weiteren Digitalisierung. Viele Anliegen sollten künftig unkompliziert online erledigt werden können. Trotzdem darf der persönliche Kontakt nicht verloren gehen. Gerade in einer kleineren Gemeinde ist es entscheidend, ansprechbar zu bleiben. Mein Ziel ist deshalb eine moderne Verwaltung, die gleichzeitig nah bei den Menschen ist.
Frage: Wenn Sie auf das Ende Ihrer ersten Amtszeit in sechs Jahren blicken: Was soll sich in Tuchenbach bis dahin im besten Fall verändert haben?
Thomas Ziegler: Ich wünsche mir, dass Tuchenbach auch in sechs Jahren als lebenswerte und gut aufgestellte Gemeinde wahrgenommen wird. Im besten Fall haben wir wichtige Infrastrukturprojekte umgesetzt, die Nahversorgung verbessert und einige Themen vorangebracht, die schon länger diskutiert werden. Genauso entscheidend ist mir aber das Miteinander im Ort. Vereine, Ehrenamt und Nachbarschaft machen eine Gemeinde lebendig. Wenn die Menschen am Ende sagen, dass sich Tuchenbach sinnvoll weiterentwickelt hat und trotzdem seinen Charakter behalten hat, dann wäre das ein großer Erfolg. Mein Ziel ist, dass sich die Menschen auch in Zukunft bewusst dafür entscheiden, gerne in Tuchenbach zu leben.
Frage: Gab es in Ihren ersten Tagen als Rathauschef eine Begebenheit, ein Anliegen oder auch ein Detail im Amtsalltag, das Sie so überhaupt nicht erwartet hätten?
Thomas Ziegler: Überrascht hat mich vor allem, wie kurzfristig und dringlich Investitionen in die Heizungsanlagen der Gemeinde notwendig sind – zum Beispiel im Bürgerhaus. Diese Brisanz war mir in meiner bisherigen Tätigkeit als Gemeinderat so nicht bekannt und bewusst. Gleichzeitig merkt man schnell, wie viele unterschiedliche Themen täglich auf dem Schreibtisch landen. Von großen Projekten bis hin zu kleinen Anliegen aus dem Alltag der Bürger ist wirklich alles dabei. Besonders gefreut haben mich aber die vielen persönlichen Gespräche und Glückwünsche in den ersten Tagen. Das zeigt mir, dass den Menschen ihre Gemeinde wichtig ist und dass viele bereit sind, gemeinsam etwas voranzubringen.
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