Die beiden knapp 200 Meter hohen Windkraftanlagen prägen seit acht Jahren das Landschaftsbild bei Veitsbronn. Technisch läuft der vom Projektentwickler VenSol realisierte Windpark seit der Inbetriebnahme im Jahr 2016 unauffällig. Finanziell steht die Betreibergesellschaft jedoch offenbar auf einem schwachen Fundament. Eine aktuelle Analyse wirft Fragen zur wirtschaftlichen Stabilität des Projekts auf.
Konkret schlägt der Blog „Verbraucherschutzforum Berlin“ nun Alarm: In einem Bericht warnt der Autor vor strukturellen Schwächen des Windparks. Grundlage der kritischen Einschätzung ist die Analyse der Bilanzkennzahlen für das Jahr 2024. Laut dem Bericht gelingt der Betreibergesellschaft zwar der Schuldenabbau. Aber: „Besonders auffällig ist, dass weiterhin kein Eigenkapital ausgewiesen wird. Bereits im Vorjahr lag das Eigenkapital bei null Euro, und auch zum Jahresende 2024 hat sich daran nichts geändert“, heißt es in dem Artikel. Gleichzeitig weise die Bilanz einen „nicht durch Vermögenseinlagen gedeckten Verlustanteil der Kommanditisten“ von rund 51.700 Euro aus. Dies verdeutliche, dass die Gesellschaft bilanziell weiterhin keine Eigenkapitalbasis besitze. Aus Anlegersicht falle zudem auf, dass die Gesellschaft keine Mitarbeiter beschäftige.
Betrieben wird die Anlage von der „Windpark Veitsbronn Projekt ApS & Co. KG“, die ihren Sitz mittlerweile im schwäbischen Babenhausen hat. Die Wahl einer dänischen Rechtsform (ApS) in Kombination mit einer deutschen Kommanditgesellschaft ist rechtlich zulässig, macht die Konstruktion für außenstehende Anleger jedoch oft schwerer durchschaubar.
Auf lokaler Ebene sorgt die wirtschaftliche Einschätzung des aus Berlin stammenden Blogs jedoch für verhältnismäßig wenig Druck. Wie Veitsbronns Erster Bürgermeister Marco Kistner auf Nachfrage von Fürth Aktuell erklärt, handelt es sich bei den beiden Anlagen des Typs Nordex N117 ausdrücklich nicht um ein sogenanntes Bürgerwindrad.
Die planerischen Weichen für den Windpark wurden noch in der Amtszeit von Kistners Vorgänger gestellt, die eigentliche Bauphase und Inbetriebnahme fiel in das Jahr 2016. Aufgrund der vergleichsweise geringen Größe des Parks mit nur zwei Rädern gab es damals keine offizielle Einweihungsfeier, auch eine enge Zusammenarbeit zwischen der Betreiberfirma und der Kommune existierte laut Kistner in der Folgezeit nicht.
Zwar sei aufgrund des gewählten Rotordurchmessers von 117 Metern eine finanzielle Bürgerbeteiligung technisch und rechtlich durchaus möglich gewesen. Eine solche Beteiligung war nach Angaben des Bürgermeisters für die Zeit nach der Errichtung auch angedacht. In die Tat umgesetzt wurden diese Pläne jedoch nie. Lokale Anleger aus der Gemeinde dürften von den nun kritisierten Finanzstrukturen der Betreibergesellschaft daher nicht betroffen sein.
In dem Bericht des „Verbraucherschutzforums Berlin“ lautet das Fazit: Unter dem Strich präsentiere sich die Windpark Veitsbronn Projekt ApS & Co. KG finanziell etwas stabiler als im Vorjahr, von einer komfortablen Bilanzstruktur könne jedoch weiterhin keine Rede sein.

