Wer durch eine alte Straße geht, sieht meist zuerst Häuser, Schaufenster und Verkehr. Doch hinter jeder Fassade stehen Lebensgeschichten. Genau an diesem Punkt setzt die neue Ausstellung «Die Frauen der Hirschenstraße» im Museum Frauenkultur Regional-International in Fürth an. Sie wird am Samstag, 20. Juni 2026, ab 11 Uhr in der Hirschenstraße 16 eröffnet. Der Eintritt zur Vernissage ist frei. Zu sehen ist die Ausstellung nach Angaben der Veranstalter bis 4. April 2027.
Die Ausstellung versteht die Hirschenstraße als eine Art Archiv der Stadtgesellschaft. Nicht die großen Ereignisse allein stehen im Mittelpunkt, sondern einzelne Biografien und ihre Verbindung zu den Umbrüchen der vergangenen rund 170 Jahre. Das Museum nennt unter anderem Industrialisierung, Migration, die Verfolgung während der NS-Zeit und die Veränderungen der Nachkriegszeit als Themen, die sich in den Lebenswegen von Bewohnerinnen der Straße spiegeln.
So wird aus einer Straße ein Zugang zur Geschichte der ganzen Stadt. Die Hirschenstraße war nach Angaben aus dem Projektumfeld über lange Zeit geprägt von neuem Wohnraum, Werkstätten, Läden und später auch von Bildungs- und Sozialinstitutionen. Dazu kam und kommt eine Mischung aus alteingesessenen Bewohnern, Zugewanderten und sich wandelnden Lebensformen.
Die Ausstellung rückt Frauen nicht als Randfiguren der Stadtgeschichte ins Bild, sondern als handelnde Personen. Sie fragt danach, wie Frauen durch Erwerbsarbeit, Sorgearbeit, gesellschaftliches Engagement und soziale Netzwerke das Leben in der Straße geprägt haben. Damit erweitert sie eine Stadt- und Wirtschaftsgeschichte, die häufig noch von männlichen Namen, Betrieben und Institutionen dominiert wird.
Das Museum Frauenkultur Regional-International bringt für diesen Blick eine besondere Perspektive mit. Nach eigenen Angaben ist es eines von sechs Frauenmuseen in Deutschland und das erste Frauenmuseum Bayerns. Gegründet wurde es 2003 zunächst als mobiles Museum. Ab 2006 hatte es seinen festen Standort im Marstall von Schloss Burgfarrnbach, inzwischen befindet es sich in der Fürther Innenstadt.
Die Ausstellung bleibt nicht bei der Vergangenheit stehen. Nach Angaben des Museums sollen auch Fragen von nachhaltiger Stadtentwicklung, Geschlechtergerechtigkeit, Gleichstellung und Ermächtigung konkret erfahrbar werden. Der Blick auf weibliche Biografien soll damit auch dazu beitragen, die eigene Stadt anders wahrzunehmen.
Begleitend zur Ausstellung ist ein Programm angekündigt, das auf der Internetseite des Trägervereins «Frauen in der Einen Welt» veröffentlicht werden soll. Die regulären Öffnungszeiten des Museums werden von der Tourist-Information Fürth mit Donnerstag und Freitag von 14 bis 17 Uhr, Samstag von 11 bis 17 Uhr sowie Sonntag von 13 bis 17 Uhr angegeben.
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