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Volle Auftragsbücher trotz Insolvenzverfahren: So geht es bei Egelseer Traktoren aus Fürth weiter

8. Juni 2026 ,
Der Betrieb läuft in Fürth weiter: Werkstatt, Service und Maschinenauslieferungen werden bei Egelseer unverändert fortgeführt. Foto: EgelseerDer Betrieb läuft in Fürth weiter: Werkstatt, Service und Maschinenauslieferungen werden bei Egelseer unverändert fortgeführt. Foto: Egelseer

Von Roland Beck

Seit über einhundertzehn Jahren ist die Egelseer Traktoren GmbH ein fester Bestandteil der regionalen Wirtschaft. Die Wurzeln des Traditionsbetriebs reichen bis in die Fürther Salzstraße zurück. Nun befindet sich das Unternehmen mit Sitz in Burgfarrnbach, wie berichtet, in einem laufenden Insolvenzverfahren. Wer jedoch leere Werkshallen oder stillstehende Maschinen erwartet, irrt sich gewaltig. Die Werkstatt ist laut Geschäftsführer Dietmar Helm vollständig ausgelastet und der Betrieb läuft auch im Bereich Verkauf und Maschinenauslieferungen erfreulich gut. Grundlage für eine erfolgreiche Fortführung des Unternehmens ist für den Geschäftsführer die Tatsache, dass alle siebenundzwanzig Angestellten dem Unternehmen weiterhin treu die Stange halten, wie Helm im Gespräch mit “Fürth Aktuell” berichtet. Dasselbe gilt für Lieferanten und Geschäftspartner.   

Der Weg zum Amtsgericht war nicht nur ein lange abgewogener und entsprechend vorbereiteter Entschluss, sondern auch ein strategischer Schritt zum weiteren Erhalt der Firma. Geschäftsführer Helm, der die Leitung im Jahr 2020 allein übernahm, sah sich mit einer drohenden Zahlungsunfähigkeit konfrontiert. Der lukrative und für die Firma Egelseer sehr wichtige Verkauf von Neumaschinen brach in den vergangenen zwei Jahren um rund die Hälfte ein. Als Hauptursache nennt Helm die tiefgreifende Verunsicherung, fehlende Planbarkeit und die angespannte finanzielle Situation vieler Betriebe in der Landwirtschaft. Seit dem Jahr 2019 folge nach seinen Worten eine Krise auf die nächste. Pandemie, Kriege, Inflation, hohe Zinsen und teure Betriebsmittel ließen die Landwirte massiv zögern. Es fehle in der gesamten Branche der Optimismus, um in neue und teure Großmaschinen zu investieren.

Um das Unternehmen zu schützen, reichte Helm den Insolvenzantrag frühzeitig ein. Dies schuf laut Insolvenzverwalter Joachim Exner hervorragende Startvoraussetzungen. Bereits in den vergangenen zwei Jahren hatte die Geschäftsführung intensiv nach Kooperationspartnern gesucht. Das Vorhaben scheiterte jedoch immer wieder auch an historischen Altlasten des Betriebs. Das aktuelle Verfahren bietet nun die juristische Möglichkeit, sich von diesen strukturellen Hürden zu lösen, den Fokus auf die profitablen Kernbereiche zu richten und das Unternehmen strategisch für die Zukunft aufzustellen, wie Exner gegenüber “Fürth Aktuell” schildert.

Foto: Egelseer

Der bekannte Nürnberger Insolvenzverwalter begleitet den Sanierungsprozess und zeigt sich tief beeindruckt von der Stabilität des Unternehmens. Er beschreibt es als Segen, dass die Firma aktuell extrem rund laufe. Gute Insolvenzverwaltung bedeute, in einem Ausnahmezustand Normalität für den Betrieb herzustellen. Dies sei in Fürth außerordentlich gut gelungen, was in einer Insolvenz absolut nicht selbstverständlich sei.

Kunden und Lieferanten ziehen laut Exner an einem Strang. Und Helm betont als Grundlage für Vertrauen, dass in der gesamten Zeit kein einziger Cent an Kundengeldern verloren gegangen sei. Diese hohe Transparenz habe das Vertrauen in den Markt gesichert.

Dieses Vertrauen spiegelt sich in den vollen Auftragsbüchern wider. Große Aufträge für die öffentliche Hand, wie etwa Spezialaufbauten für Fahrzeuge der regionalen Wasserwirtschaft, werden laut Helm uneingeschränkt und pünktlich bearbeitet. Auch die exklusive Nische der Schlüter-Traktoren läuft ohne Einschränkung weiter. Für diese historischen Maschinen lässt Egelseer immer wieder Ersatzteile nach originalen, im Betrieb vorhandenen, Konstruktionsplänen fertigen. Darüber hinaus verzeichnet auch die Sparte der Forsttechnik weiter erfreulich stabile Umsätze und Kundennachfrage.

Die Suche nach starken Investoren läuft aktuell auf Hochtouren. Das Interesse aus der Branche ist laut Exner trotz der schwierigen wirtschaftlichen Gesamtlage überraschend groß. Es gebe eine sehr gute Chance auf eine langfristige Lösung. Zugleich mahnt der Insolvenzverwalter zur Vorsicht, da die finale Unterschrift eines Geldgebers in der aktuellen Wirtschaftslage keine Selbstverständlichkeit sei.

Noch vor sechs oder sieben Jahren wäre er in einem solchen Fall noch deutlich optimistischer gewesen, räumt Exner ein. Damals sei eine derartige Sanierung ein unkomplizierter Durchlaufposten gewesen. Doch seit dem Jahr 2019 reihe sich für die Wirtschaft eine Krise an die nächste. Daher bleibe ein Restrisiko, ob sich am Ende tatsächlich ein Investor finde, der in diesem angespannten Marktumfeld mutig nach vorne gehe. Dennoch schätzt er die Wahrscheinlichkeit, dass der Fürther Betrieb gestärkt aus dieser Krise hervorgeht, als ganz überwiegend ein. 

Am ersten Juli steht zunächst die offizielle Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Kalender. Für die Belegschaft, deren Gehälter durch die Insolvenzgeldvorfinanzierung gesichert sind, ändert sich laut Exner im Arbeitsalltag dadurch nichts. Der Insolvenzverwalter stellt ab diesem Datum den rechtlichen Rahmen sicher und Helm führt das Geschäft operativ unverändert weiter. Das Unternehmen ist nach Aussage von Exner und Helm bis zum Jahresende solide durchfinanziert.

Die anstehenden Monate sollen nun intensiv genutzt werden, um die Gespräche mit potenziellen Geldgebern erfolgreich zum Abschluss zu bringen und zeitnah das nächste Kapitel in der langen Geschichte des Landmaschinenhändlers aufzuschlagen.