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Studie sieht großen Nachholbedarf: Viele Wohnungen in Fürth sind nicht altersgerecht

24. Juni 2026, 16:28 Uhr ,
Barrierefrei im Alter: In Fürth sind nur wenige Wohnungen bereits auf die Bedürfnisse älterer Menschen vorbereitet. (Foto: Symbolbild)Barrierefrei im Alter: In Fürth sind nur wenige Wohnungen bereits auf die Bedürfnisse älterer Menschen vorbereitet. (Foto: Symbolbild)

In Fürth stehen viele Menschen vor einer Wohnfrage, die erst in den kommenden Jahren ihre volle Bedeutung bekommen dürfte: Kann die eigene Wohnung auch dann noch genutzt werden, wenn Stufen, enge Türen oder ein kleines Bad zum Problem werden? Nach einer regionalen Wohnungsmarkt-Analyse des Pestel-Instituts sind von knapp 69.900 Wohnungen in Fürth nur rund 4.800 so gebaut, dass ältere Menschen dort auch mit körperlichen Einschränkungen, Rollator oder Rollstuhl gut zurechtkommen.

Das entspricht nach Angaben des Instituts rund 7 Prozent des Wohnungsbestands. Die Untersuchung wurde im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel erstellt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie «alterstauglich» die Wohnungen in Fürth sind.

Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, sieht dabei erheblichen Nachholbedarf. Gerade in Fürth sei das Thema wichtig, weil nach Angaben der Untersuchung in den kommenden zehn Jahren rund 19.800 Menschen in Rente gehen. Katharina Metzger, Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel, fordert deshalb mehr altersgerechte Wohnungen. Auf Dauer sei jede altersgerechte Sanierung günstiger als ein Umzug ins Heim, sagte sie laut Mitteilung.

Als zentrale Punkte nennt das Pestel-Institut möglichst wenige Barrieren, breite Türen und ausreichend Platz, um sich mit Rollator oder Rollstuhl bewegen zu können. Besonders wichtig seien Küche und Bad. Häufig beginne das Problem aber bereits am Eingang: Nach Angaben des Instituts sind 27 Prozent der Hausflure in Fürth nicht breit genug, um mit einem Rollstuhl gut durchzukommen. Das betrifft rund 20.300 Wohnungen. In manchen Fällen seien auch die Haustüren zu schmal.

Auch innerhalb der Wohnungen zeigen sich nach der Analyse deutliche Defizite. Zwar hätten 70 Prozent der Wohnungen in Fürth eine ausreichend große Küche. Umgekehrt bedeutet das nach Angaben von Günther, dass in rund 21.000 Küchen ein Wenden mit dem Rollstuhl nicht möglich ist. Bei den Bädern seien 31.000 und damit 44 Prozent zu klein.

Als entscheidendes Kriterium für das Wohnen im Alter nennt das Institut eine begehbare, also bodengleiche Dusche. Eine solche Dusche gebe es derzeit nur in rund 16.100 Wohnungen in Fürth. Damit erfüllten lediglich 23 Prozent der Wohnungen dieses wichtige Merkmal. Günther rät deshalb, beim altersgerechten Umbau insbesondere das Bad in den Blick zu nehmen. In älteren Gebäuden könne der Einbau einer bodengleichen Dusche jedoch schwierig sein. Gerade in Wohnhäusern aus den 50er-Jahren sei die Decke oft zu dünn, sagte er laut Mitteilung.

Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel fordert vor diesem Hintergrund eine «Senioren-Umbau-Offensive». Gemeint ist eine stärkere Förderung für den barrierearmen Umbau bestehender Wohnungen. Metzger spricht von notwendigen «Boomer-Zuschüssen», mit denen aus Standard-Wohnungen mit Stufen und Schwellen barrierearme Wohnungen werden könnten.

Auch das Pestel-Institut hält die derzeitige Förderung für nicht ausreichend. Günther kritisiert, eine staatliche Unterstützung von 10 Prozent beim Bad-Umbau sei ein «Placebo-Zuschuss» und reiche nicht aus, um eine wirksame Umbauwelle auszulösen. Der Verband verweist zudem auf verschiedene bestehende Fördermöglichkeiten etwa über KfW, Krankenkassen und Pflegeversicherung, kritisiert aber, dass sich Betroffene durch ein schwer überschaubares Fördersystem arbeiten müssten.

Die Forderung richtet sich vor allem an den Bund. Dieser solle den altersgerechten Umbau stärker zum Schwerpunkt der Wohnungsbaupolitik machen und dafür deutlich mehr Zuschüsse bereitstellen. Für Fürth zeigt die Untersuchung nach Darstellung von Pestel-Institut und Baustoff-Fachhandel vor allem eines: Ein großer Teil des heutigen Wohnungsbestands ist auf die Bedürfnisse einer älter werdenden Bevölkerung bislang nur unzureichend vorbereitet.