Der Betreiberwechsel des Hotels am Fürther Stadtpark (wir haben berichtet) ist nach Einschätzung der Stadt mehr als nur eine Kurzmeldung aus der Hotellerie-Szene. Wirtschaftsreferent Horst Müller sieht in der geplanten Wiedereröffnung des früheren NH Hotels unter der Marke DORMERO ein wichtiges Signal für den Standort Fürth. «Es kam zur Schließung nicht wegen mangelnder Auslastung», sagte Müller im Gespräch mit Fürth Aktuell. Vielmehr sei der bisherige Pachtvertrag ausgelaufen. Der letzte Öffnungstag sei der 29. April gewesen, am 30. April sei das Hotel geschlossen worden. Bereits am 15. Juni soll es nach jetzigem Stand wieder öffnen. Laut Müller ein durchaus sportlicher Zeitplan, weil das Hotel auch umgebaut und auf aktuelle Hotelstandards angepasst werden soll. Auch andere Betreiber wollen in diesem Jahr an den Start gehen.
Müller betont, dass die Schließung des Hotels am Stadtpark aus Sicht der Stadt schmerzlich gewesen sei, gerade wegen der Lage mitten in Fürth. Das Hotel sei traditionell gut ausgelastet gewesen. Es sei unter anderem von Künstlern genutzt worden, die im Stadttheater oder in der Comödie Fürth auftraten. Auch zur Kirchweih sei das Haus regelmäßig stark nachgefragt gewesen.
Müller schilderte, er habe nach Bekanntwerden der Situation sofort Kontakt mit der Eigentümerin des Hauses am Stadtpark aufgenommen, sich nach der weiteren Entwicklung erkundigt und ihr deutlich gemacht, wie wichtig das Haus am Stadtpark für Fürth sei. Die Eigentümerin habe das Wohl des Standorts und des Hauses ebenfalls im Blick gehabt. Zugleich habe es offenbar mehrere Interessenten gegeben.
Dass nun mit DORMERO ein neuer Betreiber einsteigt, wertet Müller als gute Entwicklung für die Stadt. Besonders positiv sei aus seiner Sicht, dass die Hotelgruppe trotz ihres offiziellen Sitzes in Berlin starke Bezüge nach Mittelfranken habe. DORMERO ist eng mit der Nürnberger Unternehmerfamilie Wöhrl verbunden. Marcus Maximilian Wöhrl ist nach Unternehmensangaben seit Anfang 2019 alleiniger Anteilseigner der DORMERO Hotel AG.
Müller spricht im Zusammenhang mit dem neuen Betreiber von einem «Wunschkandidaten». Für die Stadt sei es einfacher, mit einem Unternehmen in Kontakt zu kommen, das regional verankert sei und direkte Ansprechpartner habe. Bei großen internationalen Ketten sei dies häufig schwieriger. Mit DORMERO habe es dagegen bereits einen engen Austausch gegeben.
Fürth profitiert nach Einschätzung des Wirtschaftsreferenten von der Rückkehr des Hauses auch deshalb, weil die Stadt weiter Bedarf an Hotelkapazitäten habe. Über Jahre habe es in Fürth eher zu wenige Betten gegeben. Zwar bilde Fürth mit Nürnberg einen gemeinsamen Hotelmarkt, zugleich gebe es in Fürth große Unternehmen, eine gute Anbindung an die Messe und eine wachsende touristische Bedeutung. «Für einen Tourismusstandort ist das eine extrem gute Nachricht», sagte Müller.
Die Entwicklung am Stadtpark reiht sich aus Sicht der Stadt in eine breitere Erholung und Neuordnung des Fürther Hotelmarkts ein. Müller verweist auf mehrere Bestandshäuser, die nach schwierigen Phasen wieder am Markt seien oder qualitativ verbessert worden seien. Dazu zählt er unter anderem die jüngst wiedereröffnete Hotel-Pyramide sowie das ehemalige Hotel Bavaria, das inzwischen unter der neuen Marke Evermore geführt wird.
Parallel entstehen in Fürth weitere Angebote. Auf der Hardhöhe ist ein neues B&B Hotel geplant. Nach Angaben des Projektentwicklers Centrotec umfasst das Projekt 112 Zimmer und 250 Betten. Ein weiteres Hotel soll im Hornschuch-Campus an der Stadtgrenze aufmachen und möglicherweise auch noch eines auf dem Wolfsgruber-Areal. Fürth käme dann auf 28 Hotels.
Außerdem stehen zwei Anbieter von möblierten Apartments in den Startlöchern: Am 17. Juni öffnet der Anbieter Stayery im Flair. Ende des Jahres will Konkurrent ipartment seine Zimmer im sanierten Woolworth-Gebäude eröffnen.
Der Tourismus ist für Fürth inzwischen nach Müllers Worten ein relevanter Wirtschaftsfaktor. Die Stadt hatte im August 2024 unter Berufung auf eine Untersuchung einen touristischen Bruttoumsatz von 283,1 Millionen Euro genannt. Davon profitieren laut Stadt nicht nur Hotels, sondern auch Gastronomie, Einzelhandel sowie Freizeit- und Kultureinrichtungen. Zudem bezogen demnach 3960 Personen ihr Primäreinkommen aus dem Tourismus.
Müller verweist im Gespräch auch auf die jüngere Entwicklung der Übernachtungszahlen. Im ersten Quartal 2026 habe Fürth nach seinen Angaben erneut ein Plus von rund zehn Prozent bei den Übernachtungen verzeichnet.
Die vorübergehende Einschränkung des Betriebs der Fürther Stadthalle, die saniert werden soll, sieht Müller für den Hotelmarkt nicht als vorteilhaft, aber nach seiner Einschätzung auch nicht als entscheidenden Belastungsfaktor. Stärker betroffen sein könnten Betriebe in unmittelbarer Nähe zur Stadthalle. Bei Konzerten komme ein großer Teil des Publikums ohnehin aus der Region und übernachte nicht in Fürth. Kongresse und größere Veranstaltungen hätten dagegen eine stärkere Bedeutung für den Beherbergungsmarkt.
Nach Einschätzung Müllers ist Fürth mit den aktuellen Projekten auf einem guten Weg. Grenzenlos sei das Wachstum nicht, die Häuser müssten dauerhaft eine gute Auslastung erreichen. Zwei oder drei zusätzliche Hotels könne die Stadt aus seiner Sicht aber noch vertragen. Entscheidend sei, dass zentrale Leerstände vermieden und unterschiedliche Segmente abgedeckt würden.
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