In Fürth soll ein neuer Fonds Frauen mit geringem Einkommen den Zugang zu sicheren und langfristigen Verhütungsmitteln erleichtern. Das Projekt trägt den Namen «Verhütung für Alle» und wurde von einer Projektgruppe der Evangelischen Hochschule Nürnberg initiiert. Ziel ist es, eine finanzielle Versorgungslücke zu schließen, die nach Angaben der Beteiligten besonders Frauen ab 22 Jahren betrifft.
Hinter dem Projekt stehen Luna Ciampolini, Mila Auer, Laura Bock und Marius Pförtsch. Sie studieren Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Nürnberg. In Kooperation mit der staatlich anerkannten Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und Sexualberatung der Diakonie Fürth soll ein Verhütungsmittelfonds aufgebaut werden. Unterstützt werden sollen Frauen, die bereits bei der Diakonie Fürth in Beratung sind und die Kosten für verlässliche Verhütung nicht selbst tragen können.
Nach Angaben der Diakonie besteht der Bedarf vor allem bei längerfristigen Methoden wie Spiralen. Die Kosten dafür können inklusive ärztlicher Einlage mehrere hundert Euro betragen. Finanziert werden soll der Fonds über ein Crowdfunding. Mitmachen kann man hier: https://gofund.me/18f493dde
Das Ziel liegt bei rund 10.000 Euro. Mit dieser Summe könnten nach Angaben der Initiatoren etwa 25 bis 35 Frauen über mehrere Jahre hinweg zuverlässig verhüten.
Die Vergabe der Mittel soll über die Beraterinnen der Diakonie Fürth erfolgen. Sie entscheiden nach fachlicher Einschätzung und unter Berücksichtigung festgelegter Einkommensgrenzen, welche Frauen unterstützt werden. Das Angebot richtet sich an Frauen ab 22 Jahren, die nach Angaben der Projektgruppe ab diesem Alter keinen Anspruch mehr auf kostenfreie Verhütungsmittel haben.
Johanna Fenzl, Fachberaterin der Beratungsstelle, sieht in dem Projekt eine konkrete Hilfe für Frauen in schwierigen Lebenssituationen. «Durch das Projekt können ungewollte Schwangerschaften sowie mögliche Schwangerschaftsabbrüche und die damit verbundenen Belastungen vermieden werden», wird sie in der Mitteilung zitiert.
Auch Diakonie-Vorstand Stephan Butt, zuständig für die Sozialen Dienste und Beratungsarbeit beim Fürther Wohlfahrtsverband, betont die Bedeutung des Fonds. «Mit den Spenden können wir Frauen ein langfristiges Verhütungsmittel finanzieren. Das bedeutet Selbstbestimmung, Sicherheit und echte Veränderung im Leben eines Menschen», erklärt Butt.
Neben der finanziellen Unterstützung arbeitet die Projektgruppe an ergänzenden Informationsangeboten. Geplant sind ein leicht verständlicher Flyer zu verschiedenen Verhütungsmethoden, Erklärvideos und eine To-do-Liste. Damit sollen Beratung, Entscheidung und praktische Umsetzung erleichtert werden. Der Kontakt zur Diakonie Fürth entstand über ein Praktikum von Luna Ciampolini in der Beratungsstelle.
Fachlich begleitet wird das Projekt von Sozialpädagogin Victoria Hössel sowie von Professor Dennis John. Der Diplom-Psychologe leitet das Institut für Praxisforschung und Evaluation an der Evangelischen Hochschule Nürnberg. «Das Projekt an der Schnittstelle von Sozialer Arbeit und Gesundheit ist besonders sinnvoll, weil es niedrigschwellig ansetzt und genau dort konkrete Hilfe leistet, wo sie dringend gebraucht wird», so John.
Der Fonds soll nach Angaben der Beteiligten über die Projektlaufzeit hinaus bestehen bleiben und von der Beratungsstelle der Diakonie Fürth weitergeführt werden. Damit soll «Verhütung für Alle» dauerhaft Teil der lokalen Gesundheitsversorgung werden.
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