Wenn das Telefon klingelt und ein Kind in Not ist, zählt jede Minute. Für die 24 Sozialpädagogen des Fürther Bezirkssozialdienstes gehören solche Ausnahmesituationen zum beruflichen Alltag. Der nun veröffentlichte Jahresbericht für 2025 gewährt einen tiefen Einblick in eine Behörde, die stetig an der Grenze ihrer Kapazitäten arbeitet. Eine Doppelspitze lenkt die Abteilung seit dem Herbst 2025 offiziell. Unter der neuen Führung meisterte das Team ein Jahr voller Herausforderungen. Zwei zum Januar 2026 neu besetzte Stellen brachten glücklicherweise wieder mehr Stabilität in die tägliche Arbeit.
Besonders dramatisch gestaltet sich oft die Suche nach einem sicheren Platz für ein gefährdetes Kind. Es mangelt massiv an Pflegefamilien und Heimplätzen. Verzweiflung macht sich breit, wenn Jugendliche mit extremen Auffälligkeiten oder starkem Drogenkonsum Hilfe benötigen. Der Konsum von Heroin oder Kokain verhindert meist die Aufnahme in reguläre Einrichtungen, weshalb richterliche Unterbringungsbeschlüsse oft ins Leere laufen.
Ein besorgniserregender Trend zeigt sich bei den wachsenden Fallzahlen im Bereich des sexuellen Missbrauchs. Alarmierend ist die Beobachtung der Behörde, dass zunehmend auch teils strafunmündige Kinder sexuelle Handlungen an anderen vornehmen. Diese Vorfälle gehen laut der Einschätzung der Behörde weit über sogenannte «Doktorspiele» hinaus und stellen Übergriffe dar, in die die Betroffenen aufgrund ihres Alters nicht einwilligen können oder deren Tragweite sie nicht verstehen.
Die Bewertung solcher Verdachtsfälle gestaltet sich für die Fachkräfte oft als äußerst komplex, da die betroffenen Kinder die Taten häufig nicht unmittelbar äußern. Die Hinweise setzen sich meist nur aus unterschiedlichen Beobachtungen und Verdachtsmomenten zusammen. Um den Schutz der Minderjährigen in diesen hochsensiblen Fällen zu gewährleisten und die eigene Handlungssicherheit zu erhöhen, setzt der Fürther Bezirkssozialdienst auf eine enge Kooperation mit dem Nürnberger Verein Wildwasser. Dessen spezialisierte Beratung und fachliche Expertise helfen den Mitarbeitern des Jugendamtes dabei, mögliche Gefährdungen tiefgehend einzuschätzen und passgenaue Schutzmaßnahmen für die betroffenen Kinder und Jugendlichen zu entwickeln.
Ein weiteres stark wachsendes Aufgabenfeld ist die Eingliederungshilfe. Immer mehr Eltern beantragen Unterstützung für Kinder mit Autismus, Lese- und Rechtschreibschwäche oder Rechenschwäche. Der Bedarf an Begleitpersonen für den Schulunterricht steigt dabei rasant an. Die Behörde möchte daher in Zukunft noch stärker auf frühe Prävention setzen, um Krisen im Keim zu ersticken.
Den Weg in die Zukunft geht die Abteilung auch auf technischer Ebene. Das Ziel ist eine komplett papierlose Fallbearbeitung bis Ende 2026. Bislang sind knapp 18 Prozent der Arbeitsprozesse digitalisiert. Als motivierendes Leitmotiv dient den Mitarbeitern dabei ein Leitsatz von Henry Ford: «Zusammenkommen ist ein Anfang, Zusammenbleiben ist Fortschritt, Zusammenarbeiten ist Erfolg.»
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