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In Seukendorf soll ein Nahwärmenetz entstehen: Kosten, Förderung und Zeitplan

18. Juli 2026, 15:06 Uhr
Großes Interesse im Katharinensaal: Die Gemeinde Seukendorf stellte ihre Pläne für eine gemeinsame Wärmeversorgung von Seukendorf und Hiltmannsdorf vor. (Foto: Ronald Heinrich)Großes Interesse im Katharinensaal: Die Gemeinde Seukendorf stellte ihre Pläne für eine gemeinsame Wärmeversorgung von Seukendorf und Hiltmannsdorf vor. (Foto: Ronald Heinrich)

Der Platz im Katharinensaal reichte kaum aus, als die Gemeinde Seukendorf ihre Pläne für eine gemeinsame Wärmeversorgung von Seukendorf und Hiltmannsdorf vorstellte. Zahlreiche Hauseigentümer wollten wissen, was ein Anschluss kostet, wie die Wärme erzeugt werden soll und wann die ersten Leitungen verlegt werden könnten. Die wichtigste Voraussetzung für das Vorhaben lässt sich jedoch noch nicht technisch lösen: Das Netz braucht genügend Teilnehmer, damit es wirtschaftlich betrieben werden kann.

Bürgermeister Sebastian Rocholl und sein Stellvertreter Andre Kraus erläuterten das Projekt gemeinsam mit Fachleuten. Mit dabei waren Sebastian Volkert von der GBI Kommunale Infrastruktur, Thilo Jungkunz von MT Ventures sowie Dr. Maximilian Dietz und Patrick Prell vom Beratungsunternehmen Enwadi. Die Gemeinde hatte bereits im vergangenen Jahr mit einer Machbarkeitsstudie untersuchen lassen, ob eine gemeinsame Versorgung beider Orte möglich ist.

Das geplante Modell verteilt die Aufgaben auf zwei Gesellschaften. Eine soll die Energiezentrale betreiben, die andere das Leitungsnetz. Bei der Wärmeerzeugung ist eine Zusammenarbeit der Gemeinde mit externen Investoren vorgesehen. Am Netzbetrieb sollen sich Einwohner über eine Genossenschaft beteiligen können. Nach dem vorgestellten Konzept wären Anteile von jeweils 5000 Euro möglich, wobei eine Person höchstens zwei Anteile erwerben könnte.

Dass grundsätzlich Interesse besteht, zeigte eine erste Befragung im Jahr 2024. Dabei erklärten 215 Teilnehmer, sie wollten ihr Gebäude möglichst sofort anschließen lassen. Weitere 66 interessierten sich für einen späteren Anschluss. 14 lehnten ab, während von 604 Teilnehmern keine entsprechende Interessenbekundung vorlag. Die aktuelle Wirtschaftlichkeitsrechnung geht von rund 289 angeschlossenen Gebäuden aus. Gemeinsam würden sie im Jahr knapp 5800 Megawattstunden Wärme benötigen.

Die Energie soll in einer Zentrale zwischen Seukendorf und Hiltmannsdorf entstehen. Noch werden unterschiedliche technische Varianten betrachtet. Die Unterlagen zeigen sowohl Biomassekessel als auch große Wärmepumpen und solarthermische Anlagen. Auf der Internetseite des Projekts wird zusätzlich Geothermie genannt. Welche Kombination am Ende gebaut wird, ist damit noch nicht abschließend festgelegt.

Von der Energiezentrale aus soll heißes Wasser durch unterirdische Rohre zu den angeschlossenen Gebäuden fließen. Dort überträgt eine kompakte Station die Wärme auf das vorhandene Heizsystem. Heizkörper und Fußbodenheizungen können in der Regel weiterarbeiten. Auch ein Kachelofen oder eine bestehende Solarthermieanlage darf weiterhin genutzt werden. Die bisherige Öl- oder Gasheizung kann nach dem Anschluss ausgebaut werden.

Für kleinere Gebäude wurde bei der Veranstaltung ein Vollanschluss bis zwölf Kilowatt mit 14.974,16 Euro brutto angegeben. Benötigt ein Haus zwischen 13 und 32 Kilowatt, steigt der Betrag auf 21.717,50 Euro. Darin enthalten sind unter anderem der Abzweig von der Hauptleitung, die Leitung zum Haus, eine Kernbohrung, die Übergabestation und deren Einbindung. Bei größeren Gebäuden sollen die Kosten individuell ermittelt werden.

Für die gelieferte Wärme sind zusätzlich laufende Zahlungen vorgesehen. Der jährliche Grundpreis soll 50 Euro netto je Kilowatt Anschlussleistung betragen. Für jede verbrauchte Kilowattstunde kommen nach der derzeitigen Kalkulation 9,75 Cent netto hinzu. Künftige Preisänderungen sollen nicht frei festgelegt werden, sondern sich an vertraglich bestimmten Indizes des Statistischen Bundesamtes orientieren.

Finanzielle Unterstützung kann grundsätzlich über die Heizungsförderung der KfW beantragt werden. Die bei der Veranstaltung erläuterten Bedingungen gelten allerdings nur noch kurze Zeit. Vom 21. Juli 2026 an berücksichtigt die KfW bei einem Einfamilienhaus zunächst maximal 28.000 statt bisher 30.000 Euro. Die Grundförderung bleibt bei 30 Prozent. Weitere Zuschläge hängen unter anderem vom Einkommen, der bisherigen Heizung und der eigenen Nutzung des Hauses ab. Da die Anschlüsse erst später entstehen sollen, kann derzeit niemand verbindlich sagen, welche Förderung im Einzelfall tatsächlich ausgezahlt wird.

Bis September will die Gemeinde nun weitere Interessenbekundungen sammeln. Ab September sollen zudem kostenfreie Termine mit einem örtlichen Heizungsbetrieb angeboten werden. Bei ausreichender Beteiligung könnten Anfang 2027 zwei Bauabschnitte gleichzeitig starten. In Hiltmannsdorf ist ein eigenständiges Teilnetz vorgesehen. Im Baumviertel östlich der Eichenstraße soll zugleich der erste Abschnitt eines Ringnetzes entstehen. Läuft die Planung wie vorgesehen, könnten die ersten Häuser zur Heizperiode 2028/29 mit Nahwärme versorgt werden.

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